Stadtteilumbau in Bremen-Osterholz Viel Lob für Schweizer Foyer

Der Stadtteilumbau in Bremen-Osterholz schreitet mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran. Den Auftakt macht das zweite Bremer Fahrradquartier auf dem Ellener Hof.
25.10.2018, 06:33
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Viel Lob für Schweizer Foyer
Von Christian Hasemann

Gleich drei Projekte und Vorhaben, die das Gesicht mehrerer Ortsteile von Osterholz verändern werden, stellten Planer und Projektleiter auf der jüngsten Sitzung des Beirates vor. Die Umsetzung schreitet allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran.

Den Auftakt muss schon in den kommenden beiden Jahren das Fahrradquartier auf und um den Ellener Hof machen. „Muss“, weil der Bund Fördergelder in Höhe von 1,7 Millionen Euro für das Modellvorhaben spendiert, die schon in den kommenden Jahren ausgegeben werden müssen. Heike Wohltmann vom Planungsbüro Plan-Werkstadt, das im Auftrag der Bremer Heimstiftung und des Senators für Bau und Umwelt den Wettbewerbsentwurf beim Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ eingereicht hatte: „Fertig müssen wir Anfang 2021 sein, das heißt, dass wir in die Hände spucken müssen, damit die Mittel nicht verfallen.“ Es gelte nun, die zehn geplanten Maßnahmen auch umzusetzen. „Ein ganzes Potpourri an Maßnahmen auf dem Ellener Hof, aber auch darüber hinaus, um das Radfahren in Osterholz attraktiver zu gestalten“, wie Heike Wohltmann das Vorhaben beschrieb.

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Zehn Maßnahmen

Die insgesamt zehn Maßnahmen verteilen sich zu je gleichen Teilen auf den Ellener Hof und die Umgebung. Zentrale Baumaßnahme wird die Umgestaltung der Kreuzung Düsseldorfer Straße/Ludwig-Roselius-Allee sein. Allein hier sollen knapp 600.000 Euro investiert werden, um sie fahrradfreundlich zu gestalten. In der näheren Umgebung sollen außerdem die Verbindungen zum öffentlichen Nahverkehr, sprich die Haltestellen, verbessert werden. „Unter der Federführung des Senators für Bau und Umwelt soll außerdem das Quartier an die bestehenden Radrouten angebunden werden“, sagte Heike Wohltmann.

Als Beispiel nannte sie den Weg nördlich des Osterholzer Friedhof, der vom Umweltbetrieb Bremen hergerichtet werden soll. „Und auf Anregung des Beirats soll außerdem die Schulwegsicherheit entlang der Düsseldorfer Straße verbessert werden.“ Durch die Öffnung des Ellener Hofes Richtung Süden wird die Straße Große Vieren zusätzlichen Radverkehr aufnehmen müssen. „Deswegen soll die Straße optimiert werden und für ihre zukünftige Rolle attraktiver und sicherer gestaltet werden“, sagte Heike Wohltmann.

Als ein Hemmschuh könnte sich indes die derzeit gute Auftragslage der Bauunternehmen erweisen: Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll und damit steigen auch die Preise. Und noch eine weitere Frage ist derzeit noch ungeklärt: Wer übernimmt die Planungskosten und mahlen die Mühlen der Bremer Genehmigungsbehörden schnell genug? Denn die Fördergelder des Bundes beziehen sich auf rein investive Ausgaben und nicht auf die Planungskosten. „Der Druck ist hoch“, meinte dazu Heike Wohltmann. „Bremen bekommt 90 Prozent der Kosten als Fördergeld. Da sind der Wille und das Bestreben, das auch umzusetzen, sehr hoch“, hat sie beobachtet.

Etwas länger wird es hingegen noch mit dem Schweizer Foyer auf dem Marktplatz im sogenannten Schweizer Viertel dauern. Nachdem nun eine Verlegung des Gleichrichterwerks der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) endgültig vom Tisch ist (der Stadtteilkurier berichtete) bleibt es bei einer Überbauung des kleinen Gebäudes. Im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf ist das Gebäude etwas in die Höhe gewachsen. Ein schmaler Teilbereich wird nun sieben Stockwerke in die Luft ragen. Neben dem Ortsamt und dem Quartiersmanagement sollen auch Wohnungen in dem neuen Quartierszentrum untergebracht
werden.

„Die Wohnungen, die wir anbieten, werden eher kleine Wohnungen sein“, sagte Johann Christian Plagemann von der Gewoba. Er sprach von Drei-Zimmer-Wohnungen unter anderem für Alleinerziehende. Alle neuen Wohnungen seien barrierefrei. Im dritten Stock entsteht außerdem eine Kita für 70 Kinder. „Mit einem Kitaspielplatz auf dem flacheren Dach, der natürlich beschattet werden wird.“ Kein Bauprojekt bleibt ohne die Frage nach Stellplätzen aus. Die Gewoba wird einen Teil ablösen müssen, das heißt sie zahlt der Stadt Geld dafür, dass sie nicht genügend Parkplätze nachweisen kann. „Für die Eltern, die ihre Kinder zur Kita bringen, haben wir Kurzzeitparkplätze in Absprache mit den Taxiunternehmen im nördlichen Bereich geschaffen“, sagte Johann Christian Plagemann. Für das kommende Jahr rechnet die Gewoba mit den nötigen Genehmigungen, um frühestens im Jahr 2020 mit dem Bau beginnen zu können.

Anerkennende Worte

Im Beirat und in der Bevölkerung stießen die Pläne der Gewoba auf viel Lob. Jan Restat (Linke) „Ich will lobend die intelligente Architektur hervorheben, aber auch die Mischung der Nutzung.“ Erika Habekost meinte: „Ich bin froh, dass dieses Haus gebaut wird und auch in dieser Form. Wie es konzipiert ist, finde ich toll.“ Im Grunde sei es das, was die Bevölkerung gewollt habe. „Und das wird jetzt umgesetzt.“

Noch kein Datum gibt es dagegen für den notwendigen Umzug der Freiwilligen Feuerwehr Osterholz. „Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1936 gegründet und in dem Zuge wurde auch das Gerätehaus für kleine Autos errichtet“, fasste Reiner Berlips von der Freiwilligen Feuerwehr Osterholz das Grundproblem zusammen. Im Laufe der Zeit wurden die Fahrzeuge der Feuerwehren immer größer und schwerer. Die Folge: „Wir können bei einem Fahrzeug nur auf einer Seite einsteigen und müssen die Spiegel einklappen.“

Rangieren oder Übungen mit dem Fahrzeug auf dem Gelände seien schwer bis gar nicht möglich. Mit dem Strukturkonzept des Senats für die Feuerwehren Bremen werden schrittweise auch die Wachen der Freiwilligen Wehren saniert. „Jetzt kommt erst mal West und Blockland und dann soll Osterholz ein neues Gerätehaus bekommen, weil das so eigentlich nicht mehr geht“, sagte Berlips.

Schon jetzt müssten allerdings dafür die Pflöcke eingeschlagen werden. „Das entscheidende wird das Grundstücksproblem sein“, so Beiratssprecher Wolfgang Haase (SPD). „Ich denke, es ist jetzt schon wichtig, an den Innensenator heranzutreten, damit Immobilien Bremen beauftragt wird, ein passendes Grundstück zu suchen.“

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