Kleingärten im Trend Wartelisten gibt es überall

Um Nachwuchs für die Parzellen müssen sich die Kleingartenvereine im Bremer Südosten nicht sorgen. Da haben sie schon eher mit Wühlmäusen und Maulwürfen zu tun, die sich stark vermehrt haben.
21.02.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
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Globale Veränderungen wie der Klimawandel oder die Corona-Pandemie machen auch vor Kleingärten nicht halt: „Durch die warmen Winter der letzten Jahre werden viele Gartenarbeiten inzwischen zeitlich nach vorne gezogen“, sagt Klaus Bode, erster Vorsitzender des Kleingartenvereins Blockdiek. Statt Eis und Schnee gab es in diesem Winter vor allem in den jüngsten Wochen viel Regen: „Die vielen Niederschläge haben viele Wege aufgeweicht, sodass sie kaum noch befahrbar sind“, sagt Bode. Und es ist so warm, dass inzwischen längst die Schneeglöckchen sprießen, Krokusse und Winterlinge bringen bereits Mitte Februar mit ihrem Blau, Violett und Gelb Farbe in einige Kleingärten.

Was jetzt zu tun ist

„Da die Hecken und Gehölze nur noch bis Ende des Monats geschnitten werden dürfen, ist deren Pflege zurzeit die Hauptbeschäftigung vieler Kleingärtner“, sagt Klaus Bode. Denn schon Anfang März fangen die ersten Vögel an, Nester zu bauen und beginnen wenig später mit dem Brutgeschäft. Das Schnittverbot soll sie vor Störungen und der Vernichtung von Eier und Gelegen schützen.

„Äste und Zweige, die durch das Schneiden anfallen, können vor Ort gehäckselt werden. Das Material wird von vielen Kleingärtnern gern in ihren Parzellen zum Abdecken der Beete verwendet“, sagt Bode.

Wie sieht es mit Insekten aus?

Wärmere Winter und der vorgezogene Frühling bringen jedoch auch Nachteile für Kleingartenbetreiber mit sich, vor allem, weil Schadinsekten wie Blattläuse oder die Raupen von Kohlweißlingen von den durchschnittlich höheren Temperaturen profitieren: Sie wachsen schneller und können in besonders warmen Jahren häufig eine Generation mehr erzeugen als in Durchschnittsjahren. „Doch bisher haben wir in den Kleingärten mit Insekten zum Glück weniger Probleme, zu schaffen machen uns eher die Wühlmäuse und Maulwürfe, die sich stark vermehrt haben“, sagt Bode.

Wie steht es mit der Geselligkeit?

Die Corona-Pandemie hat vor allem die gesellige Seite des Kleingartenlebens schwer getroffen: „Bei uns gab es keine Vereinstreffen mehr“, sagt Erhard Kuba, Vorsitzender des Vereins in der Neuen Vahr, und auch Jahreshauptversammlungen wurden verschoben oder fanden, wie zum Beispiel im Kleingartenverein Holter Feld, nur mit begrenzter Personenzahl statt. Die Corona-Auflagen bringen es zum Beispiel in den Kleingärten von Blockdiek mit sich, dass Gemeinschaftsarbeiten außerhalb der Parzellen, wie Laubfegen oder Müllsammeln, nur mit Mindestabständen gemacht werden können, so Bode.

Das Müllproblem

Die grünen Kleingärten mit ihren teils hohen Hecken und vielen Bäumen verleiten offenbar wenig umweltbewusste Bürger, dort heimlich und illegal Abfall zu entsorgen. Das Müllproblem ist besonders im Kleingartengebiet Holter Feld eklatant: „Wir haben zwar einen Müllcontainer erhalten, doch als der abtransportiert war, lagen wenig später schon wieder Reifen und Müllsäcke herum“, sagt Gabriele Rindfleisch, erste Vorsitzende des Kleingartenvereins „Heumarsch“ im Holter Feld.

Wartelisten überall

Eines haben alle drei Kleingartenvereine in Bremens Südosten gemeinsam: Die Nachfrage nach Parzellen ist riesengroß, und es gibt in allen Vereinen Wartelisten. Häufig sind es Familien, mit oft noch kleinen Kindern, die Parzellen von älteren Leuten übernehmen, die keine Gartenarbeit mehr machen können oder wollen. „Im Durchschnitt haben wir zehn Pächterwechsel im Jahr“, sagt Klaus Bode vom Kleingartenverein Blockdiek. „und es gibt kein Problem, frei werdende Parzellen schnell wieder zu vergeben.“ Im Kleingartengebiet Holter Feld ist der Andrang auf Parzellen besonders groß: „Ich könnte das gesamte angrenzende Rennbahngelände dazunehmen“, sagt Gabriele Rindfleisch, „auch wir führen eine Warteliste“ – denn, wie das Wochenmagazin Spiegel bereits im Juni 2020 berichtete, lockt Corona immer mehr jüngere Leute in die Kleingärten.

Unterscheiden sich die Nutzer?

Gabriele Rindfleisch hat einen Unterschied zwischen Deutschen und Gartennutzern mit Migrationshintergrund ausgemacht, was die Kleingartenarbeit betrifft: „Auf einem Drittel der Fläche muss ja Gemüse angebaut werden. Viele Deutsche reisen im Sommer lieber in den Urlaub nach Spanien und vernachlässigen den Garten“, sagt sie, „dagegen kümmern sich viele Migranten weit intensiver um ihr Gemüse und bringen von ihren Parzellen oft enorme Ernten ein.“ Allerdings würden Migranten auch eher unter sich bleiben und eher selten zu den Treffen der Kleingärtner kommen, was Rindfleisch bedauert. Sie würde im Kleingartengebiet auch gern eine stärkere Durchmischung aus jüngeren und älteren Menschen erreichen, wobei auch Kinder willkommen sind. „Trampoline tolerieren wir ja durchaus, auch wenn die Kleinen damit manchmal etwas Lärm machen“, sagt sie, „allerdings dürfen in unserem Kleingartengebiet keine Swimmingpools aufgestellt werden, weil wir dann Probleme mit dem Abwasser bekommen.“

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