Größte Edeka-Center Norddeutschlands Ein Supermarkt als Vorzeigeobjekt

6800 Quadratmeter Verkaufsfläche und mehr als 50 000 Produkte: Das größte Edeka-Center Norddeutschlands öffnet im Weserpark seine Pforten.
26.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Wessel

Der Wind bläht die Segel des Schiffes auf seinem Weg nach Deutschland. An Bord hat es eine wertvolle Fracht, auf die im Bremer Osten schon gewartet wird. Und auch ein kolossaler Frachter schiebt sich in dieselbe Richtung durch das Wasser der Nordsee. Stunden später liegen beide am Kai und werden entladen. Aber was hat heutzutage ein Segelschiff in einem norddeutschen Hafen mit dem neuen Edeka-Center in Bremen zu tun? „Segelkaffee“, löst Rainer Ehme das Rätsel auf. „Der Kaffee ist natürlich aufgrund des besonderen, nachhaltigen Transports etwas teurer als der gewöhnliche“, räumt Ehme ein, betont aber in diesem Zuge die Vielfalt und Breite der angebotenen Waren, über die er von nun wacht. Der Marktleiter des neuen Edeka-Centers am Weserpark wirkt bei dem Rundgang durch die seit April hergerichteten Räumlichkeiten ernsthaft begeistert von seiner neuen Aufgabe: 6800 Quadratmeter Verkaufsfläche, gut 160 Mitarbeiter, über 50 000 Produkte und ein umfangreicher Gastronomie-, Frischwaren-, Back- und Weinbereich, die sich in dieser Größenordnung nicht in jedem Supermarkt in Bremen finden lassen. Gekostet habe das ganze bislang einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

„Das ist unser Flaggschiff in Norddeutschland“, stellt er stolz fest und führt aus: „Im Bereich von Edeka Minden-Hannover, der von der niederländischen bis zur polnischen Grenze reicht, hat Bremen nun den größten Edeka-Markt. Das ist unser Vorzeigeobjekt.“ Dabei ist die neue Fläche kleiner als die des hier lange Jahre ansässige Reals. Mit „etwas mehr als der Hälfte“, gibt Edeka an. Aber die Zeiten hätten sich auch geändert, und solch große Läden, wie es der Real gewesen ist, seien in der Breite zum Scheitern verurteilt. „Wir sind nicht Real, wir machen Dinge anders, wir sind aber auch ein Vollsortimenter“, betont Ehme. Wobei einige Abteilungen kleiner ausfallen, als es eigentlich bei der Größe des Marktes für den Konzern normal wäre. Aber durch die Konkurrenz in den Bereichen Kleidung und Drogerieartikel in direkter Nachbarschaft habe man hier zwar alles da, was gewünscht wird, aber weniger als möglich.

Doch letztendlich ist es nicht nur das Sortiment, das die Kunden locken soll, sondern das Gesamtkonzept des neuen Edekas: „Wir betreiben diesen Markt zu 100 Prozent mit Ökostrom“, so der Marktleiter. Zu den genauen Anteilen von verschiedenen Arten von Ökostrom könne er aber nichts sagen. Dies liegt in der Hand des Anbieters. Die Beleuchtung der Flächen erfolgt durch LED-Strahler. Ein besonderes Angebot liegt übrigens jenseits der Kassen: Über einem Regal prangt ein Schild mit der Aufschrift „Zu schade für die Tonne“. „Wir werden hier jeden Morgen Waren reinlegen, die wir aufgrund des Ablaufdatums nicht mehr verkaufen können“, erklärt der Chef. „Die Kunden können sich hier dann frei bedienen. „Dort wird auch ein Kühlschrank stehen, sodass wir auch Kühlprodukte verschenken können.“ Nach Erfahrungen anderer Märkte sollte es tagtäglich nicht lange dauern, bis alles weg ist. Zusätzlich hierzu kooperiert der Markt mit der Bremer Tafel und dem Kinderbauernhof. „Wir möchten so wenig wie irgendwie möglich wegschmeißen“, sagt Ehme.

Aber die wohl spannendste technische Neuerung findet sich im Eingangsbereich: die Einkaufswagen. Genauer gesagt, die Vehikel neben den Einkaufswagen, wie man sie als Kunde seit Jahrzehnten kennt. Denn dort stehen Easy-Shopper. Sie können alles, was ihre altmodischen Kollegen auch können, ersparen aber den Gang zur Kasse. Denn jeder kann seine Waren selbst einscannen und mithilfe einer App und Kundenkarte oder an drei speziellen Terminals bezahlen. Das Umpacken der Waren auf ein Kassenband und wieder zurück in den Wagen entfällt. Bezahlen muss der Kunde natürlich trotzdem, aber dies passiert per Kreditkarte. Noch sei dies die einzige Möglichkeit, schränkt Rainer Ehme ein, verspricht aber, dass an weiteren Methoden der digitalen Bezahlung im Bereich der Easy-Shopper gearbeitet wird. Neben der normalen Kasse verfügt der neue Edeka auch über vier Selbstscan-Kassen, die auch mit einem Standardeinkaufswagen genutzt werden können.

Eine Bereich des Edeka-Centers wird allerdings noch eine ganze Weile brach liegen: die Gastronomie- und Feinschmeckerader. Denn neben umfangreichen Verkaufsflächen für frische Produkte wie Fisch, Käse, Fleisch, Gemüse und Backwaren soll es nach der Pandemie auch gastronomische Sitzgelegenheiten geben. „Aber derzeit ist dies einfach unmöglich“, sagt der Marktleiter, sieht für diese Seiten seines Marktes aber eine große Zukunft voraus. Denn daneben wird es dann auch einen Ausschankbereich für Weinproben geben. „Wir bieten aber auch jetzt schon über 500 Weine in den verschiedensten Preisklassen an und können durch unsere Partner quasi jede Spirituose bestellen.“ Einen guten Teil der teuren Weine steuert der Bremer Ratskeller bei.

Als primäres Einzugsgebiet für den Markt habe man erst mal den Bremer Raum definiert, wobei natürlich auch Kunden zum Weserpark kommen, die bei guter Verkehrsanbindung weit größere Strecken zurücklegen. „So ist natürlich auch der ländliche Raum in unterschiedlicher Entfernung spannend für uns“, weiß Ehme. Theoretisch könnten sich nach aktuellen Corona-Regelungen übrigens knapp 550 Kunden gleichzeitig im Markt aufhalten, aber diese Zahl werde man nicht als Limit nehmen. „Wir machen bei 450 Schluss“, bekräftigt Ehme. Die Kundenzahl wird auch nicht per Hand oder per Einkaufswagen abgezählt, sondern von Kameras überwacht.

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