Kita-Betreuung

60 Kinder ohne Kitaplatz

Lange Gesichter im Beirat Schwachhausen: 60 Kinder sind ab Sommer ohne Kitaplatz. Zudem wollen zwölf Erzieherinnen die Kita Fritz-Gansberg-Straße verlassen. Grund: die bessere Bezahlung in anderen Stadtteilen.
06.04.2019, 05:48
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter
60 Kinder ohne Kitaplatz

Es droht ein personeller Aderlass in der Kita Fritz-Gansberg-Straße.

PETRA STUBBE

Es ist nur ein Zwischenstand, doch der lässt Probleme erahnen: 515 Krippen- und 1130 Ü3-Plätze gibt es derzeit in Schwachhausen – damit sind nach Auswertung des sogenannten Statusberichts I ab Sommer noch 60 Kinder ohne Kitaplatz. 40 von ihnen sind unter, 20 über drei Jahre alt. Mit diesen Zahlen war Fatmanur Sakarya-Demirci jüngst in den Schwachhauser Beirat gekommen. Und mit der Erkenntnis, dass es schwierig werden wird, die fehlenden Plätze bis zum Sommer zu schaffen. Aktuell laufen laut der Ressort-Mitarbeiterin Anfragen an Träger, inwieweit sich noch Plätze in bestehenden Einrichtungen schaffen ließen. Das allerdings habe sich bislang als schwierig erwiesen. Außerdem prüfe man derzeit Räumlichkeiten im angrenzenden Horn-Lehe. Ob sich daraus nicht ein Konflikt mit dem Nachbarstadtteil ergebe, wollte Hans-Peter Volkmann (CDU) wissen. Es handele sich bei den Stadtteilen nicht um Fürstentümer, betonte Staatsrat Frank Pietrzok, der dem Beirat ebenfalls Rede und Antwort stand. Schließlich sei es schon jetzt gang und gäbe, dass Eltern ihre Kinder stadtteilübergreifend anmeldeten. Ohnehin würden die Schwachhauser Anmeldezahlen in den kommenden Jahren wieder deutlich zurückgehen. „Wir haben aktuell einen Peak erreicht“, berichtete er.

Die im Januar eröffnete Kita Villa Pavenstedt bietet laut Sakarya-Demirci derzeit 65 Plätze an und will zum Sommer auf 110 Plätze erweitern. Für dieses Ziel müsse allerdings noch zusätzliches Personal gefunden werden, erklärte sie. Martin Stoevesandt vom Zentralen Elternbeirat (ZEB) hakte nach, ob diese zusätzlichen Plätze bereits in die aktuellen Erhebungen eingerechnet seien, oder „on top“ kämen. „Sie sind schon mit eingerechnet“, erklärte Sakarya-Demirci.

Zum Thema Kita-Personal erkundigte sich Meike Baasen (SPD), wie gut die praxisintegrierten Ausbildung, kurz PiA, angenommen werde, die seit vergangenem Sommer angeboten wird. PiA habe den Anreiz merklich verstärkt, erklärte Pietrzok. Es sei allerdings fraglich, ob diese Form der Ausbildung zum Standard werden könne, da sie mit 1200 Euro monatlicher Vergütung für die Auszubildenden eine extrem teure Alternative zur bisherigen Ausbildung darstelle. Für die müsse bislang teilweise sogar noch Schulgeld bezahlt werden, weshalb man im Ressort zumindest eine Erstattung desselben erwäge. Langfristig wolle man versuchen, alle Ausbildungssysteme so zu gestalten, dass sie auf ihre Art attraktiv seien.

Personal könnte knapp werden

In Schwachhausen könnte das Personal in absehbarer besonders Zeit knapp werden. Renate Drews, Leiterin der städtischen Kita Fritz-Gansberg-Straße, berichtete dem Beirat, dass zwölf ihrer 15 Kolleginnen einen Antrag auf Versetzung gestellt hätten. Grund sei die jüngst beschlossene tarifliche Höherstufung für Erzieherinnen in sozial benachteiligten Stadtteilen. Es müsse im Sinne der Gleichbehandlung dringend nachjustiert werden, sonst lasse sich der Betrieb auf Dauer schwerlich aufrechterhalten, appellierte sie in Richtung des Staatsrates. „Den Versetzungen müsste ja zunächst einmal zugestimmt werden“, erwiderte der. Er erachte die zahlreichen Versetzungsgesuche eher als Protest. Die Erhöhung sei ein sinnvoller Schritt, nicht zuletzt, um auch für Erzieherinnen und Erzieher aus anderen Bundesländern attraktiver zu werden, erklärte er. Man habe sich außerdem für diesen Weg entschieden, um besondere Belastungen angemessen zu entlohnen. Kita-Mitarbeiterinnen in sozial gut gestellten Stadtteilen sollen ihm zufolge mittelfristig ebenfalls die Möglichkeit bekommen, höher gestuft zu werden. Anders als die Kolleginnen in ärmeren Stadtteilen müssten sie für diese Erhöhung dann allerdings eine zusätzliche Qualifizierung nachweisen. Die genannte Option empörte sowohl die Beiratsfraktionen als auch Eltern und Erzieherinnen im Publikum. „Ich kann nur davor warnen, eine Bewertung vorzunehmen, was als belastend gilt, und was nicht“, betonte Drews. Eine Mutter pflichtete ihr bei. „Eine hohe Anspruchshaltung der Eltern kann ebenfalls als belastend empfunden werden“, gab sie zu bedenken.

Bezüglich der Schulstandortplanung bis 2025 berichtete Pietrzok, dass die Grundschule an der Freiligrathstraße neben einem offenen Ganztagsangebot einen vierten Zug bekommen soll. Den soll auch die Grundschule an der Gete kriegen, weshalb für das angrenzende Georg-Droste-Förderzentrum ein Standortwechsel anstehe. Bezüglich eines Interimsstandortes ab kommendem Sommer sei man noch auf der Suche, sagte der Staatsrat. Langfristig sei ein Neubau an der Bardowickstraße in der Vahr geplant, in den die Georg-Droste-Schule gemeinsam mit dem Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum (Rebuz) Ost einziehen soll.

Förderzentrum bleibt bestehen

Das Förderzentrum an der Fritz-Gansberg-Straße soll laut Pietrzok weiter in Betrieb bleiben und stehe dementsprechend im Sanierungsprogramm des Senats. Auf die Frage aus dem Beirat, ob man hier von einer Sanierung oder einem Neubau ausgehe, und ab wann, gab es keine konkreten Aussagen. Immobilien Bremen plane im nächsten Schritt eine Bestandsaufnahme, und das Ressort prüfe parallel dazu die Bedarfe, sagte der Staatsrat. „Der Beirat hat schon vor mehr als sieben Jahren auf die baulichen Probleme dieser Schule hingewiesen“, kritisierte Beiratssprecherin Barbara Schneider (Grüne). „Es wäre wünschenswert, dass die lokale Kompetenz künftig stärker zur Kenntnis genommen wird.“ Im Hinblick auf die seit mehr als einem Jahr gesperrte Turnhalle der Förderschule gab es immerhin einen Lichtblick. „Die Halle wird den Schülern nach Ostern wieder zur Verfügung stehen“, kündigte Pietrzok an.

Das Hermann-Böse-Gymnasium soll auf fünf Züge ausgeweitet werden, hat dafür aber eigentlich nicht genügend Platz. Die Ausweitung ist daher dem Staatsrat zufolge an die Gesprächsergebnisse mit dem privaten Eigentümer eines Nachbargrundstücks geknüpft. Werde man sich bei denen nicht einig, sei stattdessen ein sechster Zug am Kippenberg-Gymnasium geplant.

Ein „echtes Versorgungsproblem“ besteht in Schwachhausen hinsichtlich der Nachmittagsbetreuung von Grundschülern, berichtete Pietrzok. Zurzeit sei man mit dem Träger des sogenannten 12-Uhr-Clubs an der Grundschule Carl-Schurz-Straße im Gespräch, ob sich die dortigen Kapazitäten ausbauen lassen. Einen Termin für den bis 2025 geplanten Ganztagsausbau an der Schule gebe es bislang noch nicht. ZEB-Sprecher Martin Stoevesandt kritisierte nachdrücklich, dass die Schule diesbezüglich hinten an gestellt werde, obwohl der Aufwand hier vergleichsweise gering wäre, da die Schüler zum Mittagessen ins Kippenberg-Gymnasium gehen würden.

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