Klinikalltag

Akzeptanz für Besuchsverbot im St.-Joseph-Stift schwindet

Geschäftsführer Torsten Jarchow berichtet im Sozialausschuss über Herausforderungen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
13.07.2020, 07:11
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Von Maren Brandstätter
Akzeptanz für Besuchsverbot im St.-Joseph-Stift schwindet

Torsten Jarchow, Geschäftsführer St. Joseph-Stift.

Christina Kuhaupt

Die Diskussionen am Klinikeingang nehmen zu, der Ton wird dabei mitunter rüde. Wer das St.-Joseph-Stift betritt und kein Patient ist, wird in den meisten Fällen vom Sicherheitsdienst wieder weggeschickt. Die Akzeptanz des anhaltenden Besuchsverbots schwinde dabei zusehends, berichtete Geschäftsführer Torsten Jarchow jetzt im Schwachhauser Sozialausschuss. Der hatte ihn eingeladen, um über die Herausforderungen im Klinikalltag seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu berichten.

Er sei froh, dass das Besuchsverbot an Bremens Krankenhäusern weiterhin gelte und wäre froh, wenn es dabei bliebe, sagte Jarchow. Ausnahmen in Härtefällen gebe es freilich, aber ansonsten gehe man auf Nummer sicher. „Zu viele Menschen auf zu wenig Raum sind ein großes Risiko“, betonte der Geschäftsführer. Anzunehmen, dass die Gefahr vorüber ist, sei ein Fehler. „Corona wird uns noch das gesamte Jahr beschäftigen – mindestens“, sagte er. 30 von insgesamt 410 Betten halte das St.-Joseph-Stift seit Monaten für Corona-Patienten vor. Daran werde sich bis auf Weiteres nichts ändern, betonte Jarchow, auch wenn die Auslastung täglich bislang bei maximal einem Drittel liege. Man wisse schließlich nicht, was noch komme.

Was die Corona-Krise wirtschaftlich für die Klinik bedeuten wird, konnte Jarchow auf Nachfrage von Kay Middendorf (CDU) noch nicht beantworten. „Das können wir erst am Ende des Jahres sagen“, sagte er. Ein zweiter Lockdown wäre aus wirtschaftlicher Sicht in jedem Fall kritisch. Fakt sei, dass das St.-Joseph-Stift für Schutzmasken und -kleidung rund 10 000 Euro pro Woche investiere. „Das ist enorm viel“, betonte er. Auf Nachfrage von Gabriele Schmidt (Linke), wie gut die Klinik in den Engpässen mit Schutzmasken und -kleidung ausgestattet gewesen sei, berichtete Jarchow, dass sie unter größter Anstrengung gerade so hingekommen seien. „Wäre die Infektionswelle größer gewesen, hätten wir in die Röhre geguckt“, sagte er. In diesem Punkt sei ein dringendes Umdenken erforderlich. „Es müssen unbedingt europäische Versorgungsstrukturen geschaffen werden“, betonte der Geschäftsführer. „Hauptsache billig“ sei bei der Produktion von Schutzmaterialien ein riskantes Motto, wie sich gezeigt habe. Auf Gudrun Eickelbergs (Grüne) Frage, ob die Klinik im Falle einer zweiten Infektionswelle besser vorbereitet sei und schnell wieder umschwenken könnte, erklärte Jarchow: „Wir sind perfekt vorbereitet.“ Die nötigen Strukturen seien vorhanden, die Erfahrungswerte ebenfalls.

Zudem hätten sie inzwischen Schutzmaterialien gebunkert, darunter 800 Masken, die in einem Schrank eingeschlossen bewacht würden, zählte der Geschäftsführer auf. Vor allem aber verfüge das St.-Joseph-Stift über Personal, das durch die Bank weg seit Monaten beispiellosen Einsatz zeige, und vor dem er absolute Hochachtung habe, hob Geschäftsführer Torsten Jarchow hervor.

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