Siegfried Banks Werke zeugen von sensibler Wahrnehmung und kreativen Sichtweisen Aus seinen Bildern spricht die Seele

Eines ist in Siegfried Banks Bildern klar zu erkennen: die sensible, genaue Wahrnehmung und abstrakte Umsetzung eines gefühlten Sehens. Sensibilisiert durch Reisen nach Asien, Lateinamerika und Afrika hat der gebürtige Niedersachse Themen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kreativ umgesetzt und sein privates Leben nicht ausgespart. "Motive findet man immer und überall", sagt der in der Straßburger Straße lebende promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Hobbymaler, "man muss sie nur erkennen."
30.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Meike Müller

Eines ist in Siegfried Banks Bildern klar zu erkennen: die sensible, genaue Wahrnehmung und abstrakte Umsetzung eines gefühlten Sehens. Sensibilisiert durch Reisen nach Asien, Lateinamerika und Afrika hat der gebürtige Niedersachse Themen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kreativ umgesetzt und sein privates Leben nicht ausgespart. "Motive findet man immer und überall", sagt der in der Straßburger Straße lebende promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Hobbymaler, "man muss sie nur erkennen."

Gete. Spannend, informativ und teilweise auch ironisch und witzig erzählt Siegfried Bank über sein Leben, seine berufliche Laufbahn und die damit verbundenen Reisen – viele davon nach Asien, Lateinamerika, in arabische Länder und Afrika. In seinen Bildern verarbeitet Bank Geschichten und Informationen, die er erlebt und gesammelt hat. Ebenso Begegnungen mit Menschen und außergewöhnliche Eindrücke, die seinen beruflichen und privaten Weg geprägt haben.

"Ich finde es eher peinlich, wenn ein Künstler seine Werke erklären soll. Manchmal verstehe ich mich und meine Bilder selbst nicht. Aber ich kann gern erzählen wo, wie und warum es dazu gekommen ist", bekennt er. Wenn Siegfried Bank unterwegs ist, hat er immer seinen Aquarellmalkasten, Pastellkreide und den Skizzenblock mit im Gepäck. Ansonsten entsteht der Großteil der Arbeiten in seinem Wohnhaus und Atelier im Geteviertel.

"Ich male ohne Anspruch an Professionalität, nur weil es mir Spaß macht kreativ zu sein – zur Seelenhygiene und Verarbeitung von Eindrücken und Erlebnissen", erklärt Bank die Wahl seiner Themen. Diese können politischer oder wissenschaftlicher Natur sein, sich den wirtschaftlichen Veränderungen in den sogenannten Entwicklungsländern und der Ausbeutung von Ressourcen widmen. Auch religiöse Themen greift er darin auf. Manche Bilder spiegeln auch private Erlebnisse wider.

Siegfried Bank ist Direktor und geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Firma "Chi-Pro", die sich mit der Herstellung und Vermarktung von chitinhaltigen Substanzen beschäftigt. Außerdem ist er als Experte für die CBI (übersetzt Zentrum für die Förderung von Importen aus Entwicklungsländern) tätig. Sie fördert die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung durch Stärkung der Exporte aus Entwicklungsländern und ist in Zusammenarbeit mit der Jacobs Universität an einem Forschungsprojekt zur Biomedizin beteiligt.

Aufgewachsen ist Siegfried Bank in der Nähe von Hildesheim, in Göttingen hat er Sozialwissenschaften studiert und später an der Uni Braunschweig als wissenschaftlicher Mitarbeiter gelehrt und in Wirtschaftswissenschaften promoviert, bevor er 1985 das Angebot erhielt an einem deutsch-chinesischen Joint Venture mitzuarbeiten.

Seine spätere Frau hat Bank während eines beruflichen Aufenthalts in San Francisco kennengelernt. Die gebürtige Irin Bridgid Guinan folgte ihm nach Deutschland und seit 1990 leben sie gemeinsam in einem Haus in der Straßburger Straße, in dem Guinan auch als Therapeutin tätig ist.

"Ich war damals für ein deutsch-chinesischen Projekt in Amerika und habe in Bremerhaven gelebt", erinnert sich Siegfried Bank. "Der Sprung von San Francisco nach Bremerhaven wäre für meine Frau eher schwierig gewesen, deshalb haben wir eine Wohnung in Bremen gesucht und in der Straßburger Straße ein neues Zuhause gefunden."

Natürlich hat Siegfried Bank die irische Heimat seiner Frau besucht, dabei ist unter anderem ein Werk entstanden, das einen Dubliner Stadtteil beschreibt, in dem viele Sinti und Roma leben und die sozialen Verhältnisse nicht zum Besten stehen, er aber die Energie und Lebensfreude der dort lebenden Kinder im Widerspruch zu der tristen Umgebung gesehen hat.

Spontane Inspiration

Die gemeinsame Tochter Vanessa wurde 1993 geboren. Dieses Ereignis verarbeitet er ebenso wie ihren Auszug aus dem Elterhaus und einen Aufenthalt in Syrien nach ihrem Abitur. Dort besuchte ihr Vater sie, weil Siegfried Bank zur gleichen Zeit im Oman war und sich zu der Collage "Madonna", auf dem eine Madonnenbildnis und die Abbildung einer Mosche zu sehen ist, inspirieren ließ. "Vor dem Krieg gab es ein sehr bereicherndes Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen. Das Bild das die westliche Welt von den schwarz gekleideten muslimischen Frauen hat, stimmt nicht ganz, denn unter der Burka tragen sie auch gerne einen Minirock", erzählt Bank mit einem Augenzwinkern. Wenig später entstand der Linolschnitt "Niet", eine achtteilige Sequenz zum Widerstand der russischen Frauen Gruppe "Pussy Riot".

Auf einen Stil will er sich nicht festlegen, Bank arbeitet oftmals abstrakt oder surrealistisch, dann wieder penibel realistisch und wechselt ebenso oft die Techniken von Aquarell über Acryl bis hin zu Linolschnitten oder Collagen. Eine der Collagen aus Pappe und Zeitungspapier zeigt eine Straßenszene in Surinam: "Hier stehen Moscheen neben christlichen Kirchen und pompösen Bankgebäuden – also Glaube neben Profit. Niemanden stört das oder sieht darin ein Problem."

Die Büroräume seiner Firma "Chi-Pro" in der Anne-Conway-Straße, teilt sich Bank mit der Anwaltskanzlei Wellmann und Klein. Mit Wolfram Klein ist er seit langer Zeit freundschaftlich verbunden. Für dessen Büro hat Bank das Thema "Justitia" in ganz abstrakter Weise aufgegriffen.

Die Bilder von Siegfried Bank sind nur nach Absprache in der Anne - Conway -Straße zu sehen. E-Mail-Kontakt: sbank@chipro.de.

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