Vertreter aus Stadtteilen und Behörden ziehen positive Bilanz zum Leitbild 2020

Beiräte mischen stärker mit

Schwachhausen. Wie sollen sich die Stadtteile und die gesamte Stadt weiterentwickeln? Die Beiräte haben viel Arbeit investiert, um Visionen, Wünsche und Verpflichtungen für das Leitbild 2020 zusammenzustellen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen für die Zukunft. Auf der Finissage der Wanderausstellung 'Bremen plant - mach mit' im Focke-Museum wurde jetzt eine Zwischenbilanz des Planungsprozesses zur Stadtentwicklung gezogen.
04.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Beiräte mischen stärker mit
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Wie sollen sich die Stadtteile und die gesamte Stadt weiterentwickeln? Die Beiräte haben viel Arbeit investiert, um Visionen, Wünsche und Verpflichtungen für das Leitbild 2020 zusammenzustellen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen für die Zukunft. Auf der Finissage der Wanderausstellung 'Bremen plant - mach mit' im Focke-Museum wurde jetzt eine Zwischenbilanz des Planungsprozesses zur Stadtentwicklung gezogen.

Was die Beiräte bereits erarbeitet haben, wird in den nächsten Flächennutzungsplan (F-Plan) für Bremen einfließen. Dieser legt die Grundzüge der räumlichen Planung in der Hansestadt fest. Erste konkrete Ergebnisse sind für das kommende Jahr zu erwarten. Das kündigte Ralph Baumheier vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa an. Bis Ende 2010 soll der F-Plan-Entwurf so weit gediehen sein, dass im kommenden Jahr die Trägerbeteiligung starten kann.

Damit sei der Prozess allerdings längst nicht abgeschlossen. 'Das ist eine Daueraufgabe, die an alle Herausforderungen stellt', betonte Baumheier. Man habe schon wichtige Erkenntnisse für die Stadtplanung gewonnen. Und für den nächsten F-Plan gelte: 'Wir wollen für die Zukunft grobmaschiger und damit flexibler werden', so der Stadtplanungsexperte.

Geschichte und Zukunft

Museumsleiterin Frauke von der Haar betonte, dass ihr Haus der passende Ort für die Ausstellung sei. 'Geschichte und Zukunft gehören zusammen', sagte sie. Ernst Kittlaus, der für den erkrankten Ortsamtsleiter Ullrich Höft einsprang, erinnerte daran, dass die Wanderausstellung bereits im Juni in der Vahr begonnen hatte. Es sei viel Arbeit in das Projekt eingeflossen, und jetzt sei man an einem Wendepunkt angekommen: einerseits Rückblick und andererseits Ausblick auf die kommenden Aufgaben der Beiräte.Diese formulierte Lutz Liffers in einer Videoeinspielung. Nach seiner Ansicht ist die Aufhebung der sozialen Spaltung innerhalb Bremens die größte Herausforderung für die Beiräte. Dieser Einschätzung schloss sich Ralph Saxe an. Der Schwachhauser Beiratssprecher lobte das Projekt insgesamt und die frühzeitige Beteiligung der Beiräte. 'Der Weg ist das Ziel, und der Weg war gut', sagte er. Das Leitbild 2020 sei der Ausgangspunkt gewesen.

Die Beiräte hätten die theoretischen Ideen im Zuge des Beteiligungsprojekts mit Leben füllen können.

Im Zuge der Beschreibung der Stadtteile sei auch ein Entwicklungsprogramm entstanden mit Visionen und Wünschen. Saxe lobte die Möglichkeit, über die Grenzen des eigenen Zuständigkeitsbereichs zu blicken und andere Stadtteile besser kennenzulernen. 'Wir brauchen Leitbilder, und wollen jetzt nicht aufhören', sagte er.

Die Vernetzung mit anderen Stadtteilen sei jedoch nicht einfach. Das hätten Versuche in der Vergangenheit gezeigt. Auffällig ist für Saxe in fast allen Stadtteilen, dass sie Natur und Landschaft wichtig finden, Urbanität hingegen kaum. 'Auch die Erfordernisse des demografischen Wandels haben die Stadtteile erkannt. Mehrgenerationenprojekte, Barrierefreiheit, neue Verkehrskonzepte sind immer häufiger Themen', so der Grüne.

Die bauliche Verdichtung der Stadt bezeichnete Saxe als wichtig. Die Kehrseite sei aber, dass immer weniger Spielflächen für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stünden. 'Die Kinder und Jugendlichen geraten in Gefahr, zu einer Minderheit zu werden', warnte Saxe und sprach sich für einen intensiven 'Dialog der Generationen' aus. Und es sei unabdingbar, die Belange der jungen Leute bei Planungen von Beginn an zu berücksichtigen. 'Ich würde mir wünschen, dass Bremen eine explizit familienfreundliche Stadt werden will', sagte der Beiratssprecher. Ulrich Schlüter, Leiter des Ortsamts Osterholz, monierte, dass die Ausstellung 'Bremen plant - mach mit' nicht auf der Feier zur deutschen Einheit am 3. Oktober gezeigt worden sei. 'Das wäre ein schöner Überblick über Bremen in seiner Vielfalt gewesen', sagte er.

Schlüter plädierte dafür, dass die Stadtteile ihre Besonderheiten bewahren. 'Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen uns und der Innenstadt. Aber wir sehen uns nicht nur urban, sondern auch ländlich. Das macht uns aus, und das muss man so nehmen, wie es ist.' Positiv hob er die Solidarität innerhalb Bremens hervor. Es gebe immer wieder Initiativen, um notleidenden Quartieren und Bevölkerungsgruppen zu helfen. Abschließend zitierte Schlüter einen Satz von Oscar Wilde: 'Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.'

Die Ausstellung 'Bremen plant - mach mit' ist noch bis zum 7. November im Bauernhaus des Focke-Museums, Schwachhauser Heerstraße 240, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+