Hintere Wachmannstraße wird umgewandelt / Bedarfsampel am Überweg Carl-Schurz-Straße gefordert

Beiratsmehrheit für Fahrradstraße

Schwachhausen. Anderthalb Jahre wurde pro und kontra diskutiert - jetzt ist die Entscheidung gefallen: Der Beirat Schwachhausen hat mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei beschlossen, den hinteren Abschnitt der Wachmannstraße zwischen Schubertstraße und Schwachhauser Ring zu einer Fahrradstraße umzuwandeln. Das wird voraussichtlich noch in diesem Jahr verwirklicht und dazu führen, dass sich die Autofahrer dort künftig den Radfahrern unterordnen müssen.
29.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Beiratsmehrheit für Fahrradstraße
Von Detlev Scheil

Schwachhausen. Anderthalb Jahre wurde pro und kontra diskutiert - jetzt ist die Entscheidung gefallen: Der Beirat Schwachhausen hat mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei beschlossen, den hinteren Abschnitt der Wachmannstraße zwischen Schubertstraße und Schwachhauser Ring zu einer Fahrradstraße umzuwandeln. Das wird voraussichtlich noch in diesem Jahr verwirklicht und dazu führen, dass sich die Autofahrer dort künftig den Radfahrern unterordnen müssen.

CDU und FDP stimmten gegen die Fahrradstraße. Die Christdemokraten Gerhard Scherer und Johann-Detloff von Cossel sagten, der separate Fahrradstreifen in der hinteren Wachmannstraße habe sich bewährt. Eine Fahrradstraße mit gemischtem Auto- und Radverkehr wäre "höchst gefährlich". Beiratsmitglieder von Grünen und SPD widersprachen. "Faktisch ist es schon eine Fahrradstraße", erklärte Christian Carstens (SPD) unter Hinweis auf eine Verkehrszählung. Danach sind nachmittags doppelt so viele Radfahrer wie Autofahrer in der Wachmannstraße unterwegs. Ralph Saxe, früherer Beiratssprecher und nun Bürgerschaftsabgeordneter der Grünen, wies auf Untersuchungen hin, wonach sich die Unfallgefahren verringern, wenn sich Auto- und Radfahrer auf einer gemeinsamen Fahrbahn miteinander arrangieren müssen. "Gefühlte Unsicherheit führt dazu, dass es zu weniger Unfällen kommt", so Saxe. Klaus-Peter Land, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Bremen, begrüßte die

Beiratsentscheidung und betonte, dass die Wachmannstraße "zunehmende Bedeutung im Radverkehrsnetz Bremens" habe.

Mit Spannung erwartet worden war ein sogenanntes Sicherheitsaudit zur Fahrradstraße. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) hatte ein Ingenieurbüro beauftragt, den Umgestaltungsentwurf auf Verkehrssicherheit zu prüfen. Gutachter Thorsten Neemann präsentierte seine Ergebnisse nach dem Eindruck vieler Zuhörer sehr weitschweifig - ganz überwiegend jedoch ohne eindeutige Aussagen darüber zu treffen, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit unverzichtbar sind. Vereinfacht zusammengefasst lautet das Fazit, dass keine baulichen Umgestaltungen erforderlich sind, sondern einige zusätzliche Markierungen und Schilder genügen. Dies könne "zum Oktober" umgesetzt werden, sagte Simone Hegner vom ASV.

Einen abgetrennten Streifen für Radfahrer in der hinteren Wachmannstraße wird es dann nicht mehr geben. In Höhe Schubertstraße werden die Radfahrer auf einem Schutzstreifen von 1,50 Meter Breite in die Fahrradstraße geführt. Das wird so gestaltet, dass die Radler die Gleise künftig in einem Winkel von mindestens 45 Grad queren, um bessere Sicht auf möglicherweise heranrauschende Straßenbahnen zu bekommen. Und auf nahende Bahnen wird dann ein gelbes Blinklicht hinweisen.

Aufgrund von Sicherheitsüberlegungen erneuerte der Beirat jetzt einstimmig seine schon ältere Forderung an die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), das Tempo der Bahnen in der Wachmannstraße von 50 auf 30 Stundenkilometer zu senken. Dieses Ansinnen hatte die BSAG unter Hinweis auf Fahrplanzwänge bisher immer abgelehnt. Dennoch wird nun ein neuer Anlauf gemacht, um sie umzustimmen.

Intensiv diskutierte der Beirat, wie die Sicherheit am Überweg Carl-Schurz-Straße verbessert werden kann. Das Ergebnis: Einmütig fordert das Stadtteilparlament das ASV auf, probeweise für sechs Monate eine Bedarfsampel aufzustellen. Damit soll vor allem die Sicherheit der vielen Schulkinder verbessert werden, die diesen Überweg nutzen.

800 Unterschriften für Ampel

Die Grundschule an der Carl-Schurz-Straße macht sich seit Langem für eine Ampelquerung stark. In den Sommerferien startete die Schulelternsprecherin Anorte Bohnsack eine Unterschriftensammlung für die Fußgängerampel. Innerhalb weniger Wochen kamen mehr als 800 Unterschriften zusammen, die in der vergangenen Woche an Ortsamtsleiterin Karin Mathes übergeben wurden. Schulleiterin Claudia Neumann und Elternvertreter haben mehrfach darauf hingewiesen, dass es für die Kinder sehr schwierig sei, drei Gefahrenquellen - Autos, Straßenbahn und Radfahrer - gleichzeitig im Blick zu behalten. Dass noch kein Kind zu Schaden gekommen sei, liege vor allem daran, dass Eltern ihre Kinder auf dem Schulweg begleiteten.

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