Zustand der Grünflächen

Beschwerden über zu wenig Grünpflege

Brennnesseln und Unkraut, Disteln an der Ampel. Das stört zwar meist nicht den Verkehr, aber Anwohner. Für sie wird zu wenig Grünpflege für das Stadtbild betrieben.
24.08.2019, 06:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Beschwerden über zu wenig Grünpflege

Anwohner monieren, dass in Schwachhausen Flächen weniger gepflegt werden. Wo Grün beschnitten wird, richtet sich nach UBB-Angaben nach der Verkehrssicherheit.

Roland Scheitz

Mannshohe Disteln, Brennnesseln und Unkraut – eine Anwohnerin hadert seit geraumer Zeit mit ungepflegten Grünstreifen, die ihrer Ansicht nach mittlerweile das Stadtbild massiv beeinträchtigen. Und nicht nur das. „Viele Radwege sind inzwischen so zugewachsen, dass die Radfahrer dort nicht mehr sicher fahren können“, moniert die Schwachhauserin. Auch liegen gelassenes Laub aus dem Vorjahr, wie beispielsweise an der Kirchbachstraße, sei nicht nur optisch störend, sondern berge zudem auch Rutschpotenzial. „Als wir vor zehn Jahren nach Bremen gezogen sind, sahen die Grünstreifen deutlich gepflegter aus“, erinnert sich die Architektin.

„Da wurde wenigstens einmal im Herbst das Laub gesammelt, und mindestens einmal im Sommer wurden die Wiesenflächen gemäht.“ Seit einigen Jahren werde die Pflege des Straßenbegleitgrüns offenbar immer weiter reduziert, so ihre Wahrnehmung. Unlängst habe sie sich daher in der Angelegenheit an den Bremer Umweltbetrieb (UBB) gewandt. Dort habe sie erfahren, dass sich viele Bürger über den Zustand der Grünflächen beschwerten. Diese würden seitens UBB lediglich zur „Herstellung der Verkehrssicherheit“ gepflegt.

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Die Wahlschwachhauserin stört nicht nur der ungepflegte Anblick, den die Grünstreifen bieten, sie sorgt sich langfristig auch um die Außenwirkung Bremens. „Da sollte man auch wirtschaftlich denken“, betont sie. „Unternehmen, die sich möglicherweise in Bremen niederlassen wollen, könnte ein solch trostloses Stadtbild abschrecken“, gibt sie zu bedenken. Wie die Stadt das Problem konkret in den Griff bekommt, ist für die Anwohnerin zweitrangig. „Die Hauptsache ist, dass etwas geschieht.“ Sei eine Erhöhung des Budgets nicht realisierbar, könnten möglicherweise Sozialstunden oder zur Not auch Eigeninitiative der Anlieger zum Ziel führen, meint sie.

UBB sorgt für Verkehrssicherheit

Dass sich Bremens Bürger um das städtische Grün kümmern müssen, steht für den Bremer Umweltbetrieb nicht zur Debatte. „Das erledigen unsere Mitarbeiter“, betont UBB-Sprecherin Kerstin Doty auf Nachfrage. Die seien täglich unterwegs, um im Begleitgrün sogenannte Lichtraumprofile zu schneiden, Engstellen zu beseitigen und Sichtdreiecke zu schaffen - also die notwendigen Rückschnitte an Bäumen und Sträuchern für die Verkehrssicherheit durchzuführen. „Dazu gehört auch das zweimalige Mähen im Jahr“, sagt Doty. „Wenn dabei etwas übersehen wird, nehmen die Anwohner in der Regel die Servicetelefonnummer 361-79000 in Anspruch, um uns einen Hinweis zu geben – unsere Gärtner kümmern sich dann umgehend darum.“

Alle wichtigen und für die Verkehrssicherheit relevanten Maßnahmen werden Doty zufolge im Laufe des Sommers bis zum Herbst abgearbeitet. „Dabei lassen wir manches auch ganz bewusst stehen, denn zwischen Löwenzahn, Klee und Brennnesseln, die dadurch zur Blüte kommen, erobern sich Honig- und Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge ihren neuen Lebensraum.“ Im Sinne der Biodiversität werde seit geraumer Zeit nicht mehr alles „plattgemäht“. Was manchen Städtern ein Dorn im Auge sei, bedeute für die bestäubenden Insekten das reinste Paradies, erklärt die Sprecherin.

Zuständigkeiten unklar

Ein weiterer Aspekt, den es in der Angelegenheit zu berücksichtigen gelte, seien die unterschiedlichen Zuständigkeiten. „Es ist für Anwohner oft schwierig, diese auseinanderzuhalten“, sagt Doty. So sei der Umweltbetrieb Bremen für die Grünpflegearbeiten im Straßenbegleitgrün, auf Rasen- und Wiesenflächen und an Sträuchern und Bäumen verantwortlich.

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„Pflasterflächen mit allem, was dort wächst, gehören nicht dazu“, betont sie. „Dafür ist das Amt für Straßen und Verkehr zuständig.“ Auch das Aufnehmen von Laub, Müll oder Hundekot im Straßenbegleitgrün sei nicht Aufgabe des Bremer Umweltbetriebs. „Dafür ist die Bremer Straßenreinigung zuständig“, teilt die UBB-Sprecherin mit. Bei Grün, das von privaten Grundstücken in den Straßenraum wachse, seien wiederum die Anlieger in der Pflicht, es zurückzuschneiden.

Dass in der Praxis am Straßenrand auch „immer mal etwas stehenbleibt“, das räumt Doty ein. „Wenn die Witterung warm und feucht ist, explodiert die Vegetation geradezu“, sagt sie. Dann dauere es dementsprechend länger, bis der UBB mit der Arbeit hinterherkomme. „Jeder, der einen Garten hat kennt das.“

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