Höchst unterschiedliche Werke von 18 Künstlern im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung zu sehen Blaumeier zeigt bewegende Bilder

In der Ausstellung "Mein Thema", die im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung in der Schwachhauser Heerstraße zu sehen ist, zeigen 18 Künstlerinnen und Künstler des Blaumeier-Ateliers ihre Bilder. Es sind höchst unterschiedliche Werke. Dargestellt wird eine Fülle von Themen, die stets einen ganz persönlichen Bezug zu den Kunstschaffenden haben.
16.05.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Meike Müller

In der Ausstellung "Mein Thema", die im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung in der Schwachhauser Heerstraße zu sehen ist, zeigen 18 Künstlerinnen und Künstler des Blaumeier-Ateliers ihre Bilder. Es sind höchst unterschiedliche Werke. Dargestellt wird eine Fülle von Themen, die stets einen ganz persönlichen Bezug zu den Kunstschaffenden haben.

Schwachhausen. Die Sängerin Amy Winehouse im Popart-Stil, japanische Comic-Helden und realistische Porträts – das sind nur einige Beispiele aus der neuen Ausstellung des Blaumeier-Ateliers im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung. "Mein Thema" heißt der Titel der Schau. Die 18 beteiligten Künstlerinnen und Künstler stellen in 86 groß- und kleinformatigen Arbeiten ihre sehr persönlichen Sichtweisen auf die Welt dar.

Die künstlerischen Kurse des Waller Blaumeier-Ateliers geben Raum für die inklusive künstlerische Arbeit psychisch erkrankter und nicht erkrankter, behinderter und nicht behinderter Menschen. Neben Mal- und Zeichenkursen bestehen Theatergruppen, eine Schreibwerkstatt und der "Chor Don Bleu". Das "typisch Blaumeierische", in ganz Deutschland wohl einmalig, entsteht durch gegenseitige Inspiration. Die Grenzen zwischen "normal" und "verrückt" werden unscharf. Bildlich gesehen bedeutet "verrückt" ja nur, dass jemand die Position gewechselt hat.

Bereits seit 1996 gehört Kristine Ahrens (51), die zusammen mit ihrer Mutter in Gröpelingen lebt, zu Blaumeier. Angefangen hatte sie im Ensemble der Maskengruppe. Später wechselte sie zum Mal-Atelier und malte anfangs ausschließlich sogenannte Küchenbilder: Stillleben, die Küchenutensilien sowie Obst und Gemüse zeigen. Im Laufe der Zeit kam Landschaftsmalerei hinzu. Für das Projekt "Mein Thema" hat Kristine Ahrens Kindheitserinnerungen bildlich umgesetzt. Dazu gehören Reisen an die Nordsee und die Erfahrungen mit der Macht von Naturgewalten. Die Bilder sind nach eigenen Fotografien entstanden und zeigen unter anderem die peitschende Bewegung einer Regenfront, in der kräftige Wellen auf den Betrachter zukommen und den Himmel sehr bedrohlich wirken lassen.

"Dragonball als Vorlage"

Auch Savas Özbe (22) kehrt mit seinem Thema in die Kindheit zurück und arbeitet nach Vorlagen aus der Manga-Serie "Dragonball" des japanischen Zeichners Akira Toriyama. Die kleinformatigen Comics werden in expressiver Farbigkeit um ein Vielfaches vergrößert und durch die ornamentale Reduktion abstrahiert wiedergegeben. "Als Kind habe ich mir die Serie gern im Fernsehen angeschaut und den Helden Son-Goku für seine Kung-Fu-Künste bewundert", erzählt Savas Özbe. Er lebt bei seinen Eltern in Hemelingen und baut hauptberuflich in der Werkstatt des Martinshofs Lautsprechersysteme für Autos zusammen.

In der Hauswirtschaft des Martinshofs in der Vahr ist Cornelia Koch beschäftigt. "Haustiere" sind ihr künstlerisches Thema. Lange Zeit, bis 2008, hatte die 47-jährige Hornerin Haustiere, die in ihrem Leben eine bedeutende Rolle spielten. Zuerst Wellensittiche, die sie selber züchtete, danach folgten Kaninchen und Meerschweinchen. Ihr Bild "Als Mogli mein Lieblingsmeerschweinchen war 1" erzählt von der tiefen emotionalen Bindung zum Tier. Zusätzlich zum Malatelier singt Cornelia Koch gern im Blaumeierschen "Chor Don Bleu".

Vollkommen anders inspiriert worden ist Heike Räber (58), die in Woltmershausen in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Beim Durchblättern von Kunstkatalogen stieß sie auf Werke von Rembrandt und wurde dadurch zu eigenen Interpretationen angeregt. Innerhalb der Farbabstraktion hat sie den wirkungsvollen Hell-Dunkel-Kontrast aus Rembrandts Werk adaptiert und auf ihre eigenen Stilmittel übertragen. So sind bewegende Porträts entstanden, deren Protagonisten eine enorme Präsenz ausstrahlen.

Mit Porträts beschäftigt sich auch Martina Sobing (55). Dabei geht es in erster Linie um Menschen aus ihrer Umgebung. Die zusammen mit ihrer Mutter in Gröpelingen lebende Künstlerin setzt die Porträtierten vor einen monochromen Hintergrund, der mittels zeichnerischer Spuren in leichte Bewegung versetzt wird. Dabei liegt die Konzentration auf dem Gesicht und den individuellen Zügen der Dargestellten, zu denen ihre Gruppenleiterin Marion ebenso zählt wie Bettina, die Freundin ihres Bruders. Auch ihre Lieblingsstars, Michael Jackson und Nana Mouskouri, hat sie gemalt. Eine weitere Herangehensweise an "Mein Thema" hat Lia Anders gewählt. Die 52-Jährige widmet sich der ästhetischen Erforschung des Quadrats auf zwei- und dreidimensionaler Ebene. Die "Beziehungskiste" ist eine Holzbox, die in Mischtechnik bemalt wurde. Wenn deren Deckel entweder geöffnet oder geschlossen wird, kann daraus eine Symbolik erkannt werden, wie Beziehungen gestaltet werden können und sich entwickeln.

In der Serie "Modus" von Lia Anders sind Visionsräume entstanden, in denen sie das Quadrat als Gestaltungselement zentriert, es spielerisch aus seiner strengen Form entlässt und sich unterschiedliche Texturen entwickeln. "Meine Arbeit hat immer einen autobiografischen Hintergrund", sagt die im Peterswerder lebende Künstlerin. "Kümmernisse und Probleme brauchen einen Raum, notfalls auch einen, der sich mal verschließen lässt." Sie sehe es als Geschenk an, seit sechs Jahren bei Blaumeier arbeiten zu dürfen. Nachdem es ihr für eine gewisse Zeit nicht gut gegangen sei, habe sie nun bei Blaumeier eine glückliche Zeit, betont Lia Anders.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. August im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung, Schwachhauser Heerstraße 26. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 14 Uhr.

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