Mittendrin im Stadtteil: Alt-Bürgermeister Klaus Wedemeier erinnert sich an seine politischen Anfänge Blick zurück ohne Wehmut

In der Serie "Mittendrin im Stadtteil" porträtiert der Stadtteil-Kurier Menschen aus dem Bremer Nordosten, die ein besonderes Profil gewonnen haben. Heute geht es um Klaus Wedemeier, der zehn Jahre Bremer Bürgermeister war und von 1991 bis 1995 die deutschlandweit erste "Ampel-Koalition" auf Landesebene führte. Inzwischen hat er in Schwachhausen Wurzeln geschlagen. Zurück blickt Wedemeier ohne Wehmut. An einstige Verhandlungen mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Minister Theo Weigel über Finanzhilfen hat er noch wache Erinnerungen.
08.03.2012, 05:00
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Blick zurück ohne Wehmut
Von Andreas D. Becker

In der Serie "Mittendrin im Stadtteil" porträtiert der Stadtteil-Kurier Menschen aus dem Bremer Nordosten, die ein besonderes Profil gewonnen haben. Heute geht es um Klaus Wedemeier, der zehn Jahre Bremer Bürgermeister war und von 1991 bis 1995 die deutschlandweit erste "Ampel-Koalition" auf Landesebene führte. Inzwischen hat er in Schwachhausen Wurzeln geschlagen. Zurück blickt Wedemeier ohne Wehmut. An einstige Verhandlungen mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Minister Theo Weigel über Finanzhilfen hat er noch wache Erinnerungen.

Schwachhausen. Auf die Frage, ob er froh sei, in diesen schwierigen Zeiten nicht mehr Bremens Bürgermeister zu sein, muss Klaus Wedemeier nicht lange überlegen. "Froh nicht, aber die Lage ist natürlich nicht einfacher geworden", sagt er. Schon damals, während seiner Amtszeit von 1985 bis 1995 sei die Verschuldung "ziemlich hoch" gewesen.

Gut erinnert sich der Alt-Bürgermeister an die schwierigen Verhandlungen im Kanzleramt über die Sanierungsbeihilfe des Bundes. Es ging damals um zehn Milliarden Euro. Beteiligt waren neben Wedemeier Kanzler Helmut Kohl und der damalige Finanzminister Theo Weigel. Oskar Lafontaine war als Ministerpräsident des ebenfalls finanzschwachen Saarlands mit von der Partie. "In dieser Nacht haben wir erstmal stundenlang Zahlen gewälzt. Das ging bis Mitternacht, dann wurde endlich konkret verhandelt", erinnert sich Wedemeier an die zähen Gespräche. Die politischen Streitereien endeten 1992 mit einem Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts, wonach Bremen ohne eigenes Verschulden in die Notlage gekommen sei.

Ein Besuch bei Klaus Wedemeier in Schwachhausen führt unweigerlich in die Vergangenheit, obwohl der 68-Jährige beruflich und politisch weiterhin aktiv ist. Er ist nach wie vor Mitglied der SPD sowie im Verein der Friedrich-Ebert-Stiftung. Beruflich ist Wedemeier als Repräsentant für einen französischen Elektronikkonzern tätig - später am Tag muss er noch zu einem Treffen nach Essen. Außerdem ist er Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Weser und des Tennisvereins Werder mit Sitz in Schwachhausen. Für die nächste Amtsperiode will der Vereinspräsident aber nicht mehr kandidieren. "Das macht dann wohl Rudolf Hickel", kündigt Wedemeier an.

Die Ereignisse, die 1995 zum Bruch der ersten Ampel-Koalition in Deutschland führten, spielen heute für ihn keine Rolle mehr. "Das belastet mich nicht mehr, auch dann nicht, wenn ich den Akteuren von damals begegne", sagt er. "Diese Koalition ist daran gescheitert, dass die Grünen und die FDP nicht miteinander konnten", ist Wedemeier überzeugt. Dreierbündnisse seien immer schwierig. "Damals wollten alle zeigen, was sie können. Das hat nicht funktioniert." Wenn es um Bündnisse zwischen SPD, Grünen und FDP geht, ist Wedemeier bei den Medien bis heute ein gefragter Interviewpartner. Als "Elder Statesman" sieht er sich jedoch nicht. "Die Ehemaligen sollten sich nicht ständig einmischen. Hinterher ist es immer leichter, sich zu äußern. Doch dabei ist immer Vorsicht geboten", erklärt Wedemeier. Die SPD, seine politische Heimat, zu verlassen, daran hat er nie gedacht. "Ich habe der Sozialdemokratie viel zu verdanken", sagt er.

Klaus Wedemeier wurde im fränkischen Hof geboren und kam mit 13 Jahren nach der Übersiedlung nach Niedersachsen mit seinem Bruder zunächst in ein Kinderheim. Als der Vater in Bremen eine Wohnung fand, zog die Familie an die Weser. Dem bremischen Schulsystem habe er viel zu verdanken: "Ich konnte meine Defizite aufholen", sagt er. Am 1. Februar 1964 trat Wedemeier in die SPD ein. Heimlich, denn seine Eltern waren davon nicht begeistert. Der Vater seiner damaligen Freundin war in der Bürgerschaft, ihr Onkel war der damalige Bausenator Emil Theil. Beide holten den jungen Mann in die SPD.

Politische Ziehväter

Als politische Ziehväter nennt Wedemeier Gustav Böhrnsen, Hans Koschnick und Walter Franke. "Trotz mancher Gegensätze haben die immer eine schützende Hand über mich gehalten", sagt Wedemeier dankbar. Für eine Karriere innerhalb der Partei hält er es für entscheidend, sich vor Ort zu engagieren: "Man muss Beiratssitzungen besuchen und sich darum kümmern, was im Stadtteil an der Basis passiert." Entscheidend sei ein funktionierendes Netzwerk. "Das hat man aber erst nach Jahren."

Beruflich absolvierte Klaus Wedemeier eine Ausbildung zum Kaufmännischen Angestellten. 16 Jahre war er dann Vollzeitpolitiker - zehn Jahre als Bürgermeister und sechs Jahre als Fraktionsvorsitzender. "Nach dem Rücktritt war es sehr schwer", erinnert er sich. Zunächst fuhr er mit seiner Familie nach Mallorca in Urlaub, um Abstand zu gewinnen. Kurze Zeit später erreichte ihn ein Angebot des Telekommunikationsunternehmens Vebacom, das er annahm. Nach vier Jahren wurde Wedemeier Berater von Vodafone. Den Wohnsitz in Bremen behielt er immer bei. Anschließend folgten Beratertätigkeiten bei der Deutschen Bahn, bei E.ON und der Stadt Wilhelmshaven.

Wedemeier wohnte zunächst in Horn und dann 20 Jahre in Habenhausen. "Ich war der erste Bürgermeister, der links der Weser wohnte. Das gehörte sich damals nicht", sagt er scherzhaft. Mittlerweile ist er mit seiner Frau in Schwachhausen zu Hause. "Unser Haus war uns zu groß geworden", begründet er den Umzug.

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