Umsetzung der Corona-Maßnahmen

Große Herausforderungen

Der Sozialausschuss des Beirates Schwachhausen informiert sich über die Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie im Pflegeheim Haus Sparer Dank, in Übergangswohnheimen sowie den Kampa-Häusern.
22.06.2020, 05:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Die Besuchsregeln in Seniorenheimen sind gerade wieder ein weiteres Stück gelockert worden. Für die Bewohner eine gute Nachricht, erklärte Katja Seidel, Leiterin des Haus Sparer Dank, jetzt im Sozialausschuss des Schwachhauser Beirats. Auf der anderen Seite binde die neue Regelung in ihrer Einrichtung zwei Mitarbeiter täglich, die sich ausschließlich um die Betreuung und Dokumentation der Besuche kümmern müssen, betonte sie. Der Ausschuss hatte Seidel ebenso wie die drei Leitungen der Übergangswohnheime für Geflüchtete im Stadtteil eingeladen, um sich über die Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie in den Einrichtungen berichten zu lassen.

Am schwierigsten sei der Spagat zwischen den sich lockernden Corona-Auflagen und den Anforderungen, die das Gesundheitsamt an die Einrichtungen stelle, sagte Seidel. Aktuell sei es Bewohnern wieder gestattet, täglich Besuch zu empfangen. Mit der Einschränkung, dass die Besuchszeit maximal zwei Stunde betrage und die Besuche jeweils eine Woche lang ausschließlich von derselben Person gestattet seien. Problematisch sei die Auflage, dass der Mund-und-Nasen-Schutz nicht abgelegt werden dürfe, erzählte Seidel. Da viele Bewohner mehr oder weniger stark von Schwerhörigkeit betroffen seien, könnten sie während der Unterhaltungen nicht die Mundbewegungen ihres Gegenübers beobachten, was die Verständigung mitunter erheblich beeinträchtige. Da sich mit den Lockerungen der Besuchsregelung auch die Eintrittspforte für das Virus wieder vergrößere, sei es unbedingt angezeigt, mehr Corona-Tests in den Einrichtungen durchzuführen, betonte Seidel.

Personell sei die Situation nach wie vor eine große Herausforderung, berichtete sie außerdem. Da gemeinsame Veranstaltungen derzeit entfielen, setze das Personal verstärkt auf Einzelangebote, was unterm Strich natürlich erheblich mehr Zeit in Anspruch nehme.

In den Übergangswohnheimen für Geflüchtete waren die Herausforderungen im Zuge der Corona-Maßnahmen in den vergangenen Wochen sehr unterschiedlich. Generell hätte er sich mehr Unterstützung seitens der Gesundheitsbehörde gewünscht, erklärte Uwe Eisenhut, Leiter des Fachbereichs Asyl beim Träger Arbeiterwohlfahrt (Awo). Insbesondere die Quarantäne infizierter Bewohner ohne erkennbare Symptome sei mitunter wegen fehlender Einsicht schwierig gewesen.

In der Unterkunft an der Gabriel-­Seidl-Straße sei der Unmut nach mehreren Wochen Kita- und Schulschließung merklich angestiegen, schilderte Einrichtungsleiter Heydar ­Malari dem Ausschuss. Das sei kaum verwunderlich, wenn man bedenke, dass 20 der insgesamt 50 Bewohner unter sechs Jahre alt seien. Die Erwachsenen habe man über die bestehenden Auflagen informiert und auf dem Laufenden gehalten, berichtete er. Anders als etwa an der Kurfürstenallee sei die Ansteckungsgefahr in der Einrichtung allerdings geringer, da die Appartements über eigene kleine Küchenzeilen und Bäder verfügen.

Im Übergangswohnheim an der Kurfürstenallee gibt es indes Duschen für alle. Gekocht wird in einer Gemeinschaftsküche. Als ein Bewohner und zwei Mitarbeiter vor mehreren Wochen positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren, seien die Quarantänemaßnahmen daher extrem aufwendig gewesen, berichtete Einrichtungsleiterin Claudia Janzen. Die Bewohner hätten die Regeln dennoch gut angenommen, betonte sie. Seit die Quarantäne wieder aufgehoben sei, seien keine weiteren Corona-Fälle mehr nachgewiesen worden.

In den Kampa-Häusern an der H.-H.-Meier-Allee seien die Eltern mit der permanenten Betreuung ihrer Kinder mitunter überfordert, teilte Mhamed Hakki mit, der bei der Awo für ambulante Betreuung zuständig ist. „Dort leben Großfamilien“, erklärte er zum Hintergrund. Die kleinste davon zähle acht Mitglieder. Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen ließen sich deshalb nicht leicht einhalten. Auch das Lernen übers Internet sei für die Kinder aufgrund unzureichender technischer Ausstattung nur bedingt möglich, erzählte er. „Die meisten Kinder sind seit ein oder zwei Jahren in Deutschland und waren gerade dabei, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen“, sagte Hakki. Für sie sei der plötzliche Abbruch durch die Schulschließungen daher sehr schwierig gewesen. Immerhin aber könnten sie den vergleichsweise großzügigen Platz vor den Kampa-Häusern zum Spielen nutzen und somit die weggefallenen Sportangebote einigermaßen kompensieren, betonte er.

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