Kunst

Die Bildsprache der Inka und Maya

Bremen. Zwei Herzen schlagen in der Brust von Rosa Jaisli. Eines schlägt für Chile, das Land, in dem sie geboren wurde, und eines für Bremen, das ihr zur zweiten Heimat geworden ist. Die Bildhauerin verarbeitet ihre Erfahrungen mit den Themen Macht und Vergänglichkeit in ihren Skulpturen, die man jetzt besichtigen kann.
07.01.2010, 21:47
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Die Bildsprache der Inka und Maya
Von Andreas D. Becker
Die Bildsprache der Inka und Maya

Mit Hammer und Meißel: Die Schwachauser Bildhauerin Rosa Jaisli arbeitet in ihrem Hemelinger Atelier an einem Alabasters

Petra Stubbe

Bremen. Zwei Herzen schlagen in der Brust von Rosa Jaisli. Eines schlägt für Chile, das Land, in dem sie geboren wurde, und eines für Bremen, das ihr zur zweiten Heimat geworden ist. Die Künstlerin lebt seit 1975 in der Hansestadt. Kurz vorher verließ sie Chile wegen des Pinochet-Putsches und aus Angst vor der Militärdiktatur. In ihren Skulpturen verarbeitet die Bildhauerin ihre Erfahrungen mit den Themen Macht und Vergänglichkeit.

Dazu greift sie mit ihrer Formensprache Motive auf, die ihrer Faszination für alte Kulturen entstammen. „Das ist meine Muse und hat mich schon als Mädchen fasziniert“, erzählt sie beim Besuch in ihrem Atelier, das die Schwachhauserin bereits seit 15 Jahren in Hemelingen hat. Ein feiner weißer Staub liegt über den Einrichtungsgegenständen, über den zahlreichen Meißeln und Hämmern und über den unzähligen Kunstwerken, die ihr Lager bevölkern.

Rosa Jaisli ist fleißig und arbeitet fast jeden Tag in ihrem Atelier. „Den Drang, kreativ tätig zu sein, haben wohl alle Künstler“, sagt sie. Ihr bevorzugter Stein ist Alabaster, den sie aus Spanien bezieht. „Die sind sehr transparent und haben dunkle Einschlüsse. Alabaster hat Adern wie wir auch“, erzählt die Bildhauerin.

In den 20 Jahren, die sie schon mit dem Material arbeitet, hat Rosa Jaisli eine eigene Formensprache entwickelt. „Am Anfang steht eine Idee, und dann gibt es den Stein, mit dem ich mich auseinandersetze“, beschreibt sie die Entstehung ihrer Werke. Mit Hammer, Meißel und Schleifpapier setzt sie ihm so lange zu, bis er die Form freigibt, die ihr vorschwebt. Viele Skulpturen erinnern in ihren klaren Strukturen an Relikte der versunkenen Kulturen der Maya und Inka. „Es geht mir darum, nicht nur eine Figur zu entwickeln, sondern den Raum zum Sprechen zu bringen“, erzählt die 54-Jährige.

Das Ergebnis ist häufig eine Variation dessen, was man heute als architektonische Form kennt, das aber seinen Ursprung in Kulturen hat, die jahrhundertealt sind. Geometrische Elemente wie Böden, Treppen, Portale und Kuppeln verbindet sie zu dreidimensionalen Skulpturen, die in den vergangenen Jahren nicht nur in Bremen, sondern auch auf Ausstellungen in Paris, Amsterdam, Zürich, Posen und Santiago de Chile zu sehen waren.

Mittlerweile besucht sie wieder regelmäßig ihr Geburtsland. Besonders Nordpatagonien hat es ihr angetan. „Die Landschaft mit den vielen Vulkanen und Seen ist sehr schön“, schwärmt sie. Seit vergangenem Jahr hat Rosa Jaisli neben der Bildhauerei eine zweite künstlerische Ausdrucksform: Aus weißem Papier fertigt sie dreidimensionale Skulpturen, die sich allerdings nicht grundlegend von ihren steinernen Arbeiten unterscheiden. „Reizvoll ist die Auseinandersetzung mit einem anderen Material“, sagt sie.

Je nach Größe und Idee arbeitet sie unterschiedlich lange an einem Werk. Entscheidend sei jedoch lange Übung und viel Erfahrung. „Bis eine Form entsteht, die selbstverständlich aussieht, ist es ein langer Weg“, hat die Künstlerin erfahren. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist unter dem Motto „Raum der Stille“ vom 21. Februar bis 28. März im Nordflügel des St.-Petri-Doms zu sehen. Rosa Jaisli gibt auch regelmäßig Bildhauerseminare. Der nächste Kursus findet am Wochenende, 16. und 17. Januar, statt. Anmeldungen und weitere Informationen unter Telefon 7948618 oder per E-Mail an rosa_jaisli@yahoo.de.

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