Selbst Hamburger bestellen den an Stadthäusern gereiften Wachmannwein / Wenig Ernte im kühlen Sommer

Die Weinlese in Schwachhausen beginnt

Schwachhausen. Der viele Regen und die niedrigen Temperaturen haben den Weinstöcken in Schwachhausen nicht gut getan. "Wir haben bis zu 70 Prozent Ernterückgang", sagt Ralph Saxe, während er die Franziusstraße entlanggeht und den Zustand der Ranken begutachtet. Die Weinlese hat begonnen, und der Hobbywinzer muss mit einer Reihe von Totalausfällen fertig werden.
26.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Weinlese in Schwachhausen beginnt
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Der viele Regen und die niedrigen Temperaturen haben den Weinstöcken in Schwachhausen nicht gut getan. "Wir haben bis zu 70 Prozent Ernterückgang", sagt Ralph Saxe, während er die Franziusstraße entlanggeht und den Zustand der Ranken begutachtet. Die Weinlese hat begonnen, und der Hobbywinzer muss mit einer Reihe von Totalausfällen fertig werden.

Den "Wachmannwein Ururalte Rebe" produziert Saxe seit fünf Jahren aus Trauben, die allesamt in Schwachhausen gereift sind. Die Auflage ist überschaubar, im Spitzenjahr 2009 wurden aber immerhin mehr als 300 Flaschen abgefüllt. Pro Stück sind 15 Euro Spende fällig. Den Erlös stellt der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete und Vorsitzende des Wachmannstraßen-Vereins einem guten Zweck zur Verfügung. In diesem Jahr wird das Geld wahrscheinlich einer Einrichtung in Gröpelingen zugute kommen.

Beim Rundgang durchs Quartier gibt es aber nicht nur blattlose Reben zu beklagen, die durch Mehltau geschädigt wurden. Es gibt auch einen großen Weinstock, der fast haushoch nach oben gerankt ist und voller roter Trauben hängt. "Im vergangenen Jahr haben wir hier auf einem Kran geerntet, so viele Früchte hingen da dran", erinnert sich Saxe. Ein trauriger Anblick hingegen bietet sich in der Altmannstraße: Der Weinstock hat kaum noch Blätter und nur wenige Trauben. "Der hat eindeutig im Frühjahr Frost mitgekriegt", lautet Saxes Urteil.

Keltern im Hinterzimmer

Als Weinhändler verfügt er über das Wissen, um den Wachmann-Tropfen im Hinterzimmer seines Ladens zu keltern. Zuerst gilt es aber, den Oechsle-Wert zu bestimmen: Dieser Wert gibt den Zuckergehalt der Trauben an. "Je höher der Wert, desto besser wird die Qualität des Weins", erläutert der Experte. Zunächst träufelt er etwas Traubensaft auf das Prüffeld eines Refraktometers, eines optischen Prüfinstruments. Sachse blickt hinein und liest einen Wert von 73 Oechsle ab. "Das ist gutes Qualitätswein-Niveau, in den klassischen Weinbaugebieten wäre das auch in Ordnung", sagt er. Insgesamt rechnet er aber mit einem geringeren Zuckergehalt. Kein Vergleich zu 2009, als er einen Oechsle-Wert von 120 maß. "Ein paar schöne Tage sind noch nötig, gerade am Schluss kann sich noch viel tun." Saxe hofft auf zusätzliche Sonne bis zum zweiten Lesetermin am 10. Oktober.

Bei der Weinherstellung werden die Trauben zunächst gepresst. Die Flüssigkeit setzt Saxe mit Hefe in großen Glasballons an. "Am nächsten Morgen fängt das schon an zu blubbern, weil sich Alkohol und Kohlensäure bilden", erklärt er. Dieser Gärungsprozess dauert bei Rotwein rund zehn Tage. Weißwein gärt Saxe im Kühlschrank, um die Entwicklung zu verlangsamen.

Erstmalig hat er sich von einem befreundeten Winzer Milchsäurebakterien besorgt, die er dem Wein nach der Gärung zuführen will. Die Mikroorganismen wandeln Apfel- in Milchsäure um und machen den Wein weniger herb. Während der Gärphase wird die trübe Flüssigkeit mehrfach umgefüllt. Dabei bleibt jeweils der Bodensatz zurück. "Das dient der Filtration, am Ende ist der Wein klar." Der Nachteil sei, dass dabei ein Teil der Flüssigkeit verloren gehe.

"15 bis 20 Kilo Trauben ergeben zehn Liter Wein", schätzt Saxe. In diesem Jahr rechnet er mit einer Ausbeute von rund 130 Flaschen. Wie in jedem Jahr hat er bereits eine Reihe von Vorbestellungen. Präsentiert wird die neue Abfüllung beim Candle-Light-Shopping in der Wachmannstraße am Donnerstag, 17. November. "Es gibt mittlerweile auch Sammler, die sich von jedem Jahrgang ein paar Flaschen sichern", erzählt Saxe. Sogar Nachfragen aus Hamburg hat er erhalten - von Weinsammlern, die sich für den Schwachhauser Tropfen interessieren. "Das ist natürlich skurril, ein Wein aus Bremen", sagt Saxe.

Für ihn selbst dient die ganze Aktion nicht nur einem guten Zweck, die Herstellung macht auch Spaß. "Es ist ein gutes Gefühl, den eigenen Wein zu trinken", sagt Saxe. Fragt sich nur, wie er schmeckt, der Wachmannwein? Der Winzer jedenfalls ist überzeugt von seinem Produkt: "Die Weine haben keine handwerklichen Fehler. Sie besitzen ein charakteristisches Bouquet und zeichnen sich durch eine angenehme Fruchtigkeit aus."

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