Verein "Die Wachmannstraße" feiert: 10. Stadtteilfest am 2. Juli / Detailreiche Broschüre zur Vergangenheit des Quartiers erscheint

Eine Erfolgsgeschichte vollendet ihr erstes Jahrzehnt

Schwachhausen. Was vor zehn Jahren als Experiment startete und teils mit großer Skepsis betrachtet wurde, ist eindeutig zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Der Verein "Die Wachmannstraße" hat in dem Jahrzehnt nicht nur in Schwachhausen, sondern weit darüber hinaus Aufmerksamkeit erregt. Nirgendwo sonst in Bremen gibt es eine vergleichbare Institution, die sich sowohl aus Anwohnern wie aus Geschäftsleuten zusammensetzt und das sympathische Miteinander von Wohnen und Einkaufen so tatkräftig fördert.
27.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Eine Erfolgsgeschichte vollendet ihr erstes Jahrzehnt
Von Detlev Scheil

Schwachhausen. Was vor zehn Jahren als Experiment startete und teils mit großer Skepsis betrachtet wurde, ist eindeutig zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Der Verein "Die Wachmannstraße" hat in dem Jahrzehnt nicht nur in Schwachhausen, sondern weit darüber hinaus Aufmerksamkeit erregt. Nirgendwo sonst in Bremen gibt es eine vergleichbare Institution, die sich sowohl aus Anwohnern wie aus Geschäftsleuten zusammensetzt und das sympathische Miteinander von Wohnen und Einkaufen so tatkräftig fördert.

Nun steht die Geburtstagsfeier an, jedenfalls der erste Teil davon: Zum 10. Wachmannstraßenfest wird für Sonnabend, 2. Juli, eingeladen. Eine bunte Sommersause für Groß und Klein verspricht der Verein. Nach den Erfahrungen der Vorjahre rechnet er neben den Stammbesuchern aus Schwachhausen mit zahlreichen Gäste aus benachbarten Stadtteilen. Teil zwei der Feier folgt am 27. August kurz nach dem zehnten Jahrestag der Vereinsgründung.

Anlässlich des zehnten Geburtstags erscheint zum Wachmannstraßenfest eine hochwertige Broschüre über die Wachmannstraße. Darin zeichnet die Historikerin Christine Holzner-Rabe, die bei vergangenen Festen die beliebten historischen Stadtteilrundgänge leitete, die Geschichte des vor gut hundert Jahren nach und nach bebauten Straßenzugs detailliert nach. Und sie beschreibt prägnant die Baustile, Haustypen, Sozialstruktur und "verschwundene Bauten". Ergänzend gibt es Beiträge von früheren und jetzigen Vorstandsmitgliedern über die Entwicklungen bis heute. Die in 500 Exemplaren gedruckte Broschüre wird zum Selbstkostenpreis von fünf Euro beim Wachmannstraßenfest in etlichen dortigen Geschäften verkauft.

Im August 2001 hatten 17 Gründungsmitglieder den Weinhändler Ralph Saxe zu ihrem Vorsitzenden und den Anwohner Benno Marquering zum Stellvertreter gewählt. Die Mitgliederzahl stieg kontinuierlich an. Aktuell liegt sie bei 134, je ungefähr zur Hälfte Geschäftsleute und Anwohner. Saxe, bis heute Vorsitzender, blickt jetzt mit Stolz auf das Jahrzehnt zurück und ist dankbar für das harmonische und engagierte Miteinander. Selbstverständlich ist die positive Grundstimmung keineswegs, denn auch in der Wachmannstraße kommt es immer wieder mal zu Konflikten - sei es in Verkehrsfragen oder bei Alltagswidrigkeiten. Häufig ist es dann der Wachmannstraßenverein, der sich mit erstaunlichem Ideenreichtum Lösungen einfallen lässt, mit denen alle glücklich sind.

"Der Verein ist beispielgebend, weil er unterschiedliche Interessen bündelt, um gemeinsam etwas für den Standort zu erreichen", sagt Ralph Saxe. Er erinnert sich: "Bei der Gründung hieß es von so einigen: 'Das kriegt ihr niemals hin, Geschäftsleute und Anwohner sind sich nicht grün'". Doch in der Wachmannstraße habe man es hinbekommen - und wie. Ein schönes Beispiel sei der Kulturausschuss des Vereins, erzählt Saxe: "Die zehn Leute freuen sich jedes Mal, dass sie zusammenkommen, sie reden und trinken - bis irgendwann dann auch die Tagesordnung abgearbeitet wird."

"In unserer Straße macht's die Mischung", sagt Schatzmeisterin Renate Viets. "Es ist keine reine Geschäfts- oder Wohnstraße, sondern ein guter Mix. Die Anwohner schätzen es, dass sie Geschäfte vor der Tür haben, und die Ladeninhaber freuen sich über die starke Kundenbindung. Das ist eine Nachbarschaft, die gut funktioniert." Gerade auch die Wachmannstraßenfeste hätten dazu beigetragen, den Zusammenhalt immer weiter zu festigen, stellt Vorstandsmitglied und Anwohnerin Ursula Dopatka fest. Sie findet es bemerkenswert, dass der große städtische Straßenzug auch einen dörflichen Charakter habe: "Man kennt sich und tauscht sich gerne aus, es herrscht eine große Verbundenheit, und man fühlt sich geborgen."

Obwohl das Wachmannstraßenfest jedes Jahr - auch finanziell - eine Herausforderung sei, lohne sich dieser Aufwand auf jeden Fall, sind sich die Vorständler einig.

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