Kriminalliteratur

Eine Frau mit viel Lust auf Sprache

Mit ihrem zweiten Roman hat sich Meike Dannenberg in der deutschen Krimiszene endgültig einen Namen gemacht. An ihrem allerersten, allerdings unvollendeten Werk arbeitete sie mit elf Jahren.
31.03.2019, 06:57
Lesedauer: 4 Min
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Von Silja Weißer
Eine Frau mit viel Lust auf Sprache

Mit ihrem zweiten Roman hat sie sich auf dem deutschen Krimi-Markt etabliert: Meike Dannenberg, Autorin aus Schwachhausen.

PETRA STUBBE

Graue Spuren ziehen sich über das Titelblatt. Wohin sie führen? Das bleibt dem Leser zu ergründen. Unterstützt wird er dabei von Nora Klerner, Spezialistin des BKA für Verbrechen gegen Minderjährige. „Gefährdet“ lautet der Titel des neuen Romans aus der Feder von Meike Dannenberg, in der sich alles um die Entführung zweier Kinder aus dem eher feineren Milieu Hamburgs dreht. Das Mysteriöse an der Tat: Es gibt keine Lösegeldforderungen und auch keine Spur, zumindest zunächst.

Mit dem 415-Seiten-Werk aus dem btb-Verlag hat sich die Autorin aus Schwachhausen auf Deutschlands Krimi-Markt etabliert. Bereits ihr erster Roman „Blumenkinder“, bei dem sie die Lüneburger Heide als Schauplatz eines Verbrechens wählte, verkaufte sich gut. Ihre Debüt-Lesung von „Gefährdet“ in der Bremer Stadtbibliothek war mehr als gut besucht.

Woher der Erfolg? Woher der Drang? „Ich konnte nicht anders, ich habe schon immer geschrieben“, überlegt Dannenberg und lacht, wenn sie sich an ihren allerersten Roman erinnert, den sie im Alter von elf Jahren begann und bei dem sie nach zehn Seiten aufgab. Doch der Drang zu schreiben blieb, Journalismus schien eine Alternative. Aufgewachsen in einem Haushalt voller Bücher und mit lesebegeisterten Eltern verspürte die Autorin ein stetiges Bedürfnis, Sprache zu Papier zu bringen.

Die Begeisterung für das Prosaschreiben möchte Dannenberg teilen, zu diesem Thema gibt sie einen Workshop „Kreatives Schreiben“ in der Manufaktur am Emmaplatz. Sie folgt damit der Einladung von Birgit Schreiber, Schreibtrainerin, Kursleiterin und Autorin des Buches „Schreiben zur Selbsthilfe“.

Einfach loslegen

„Viele würden auch gerne schreiben, wissen aber nicht worüber“, sagt Dannenberg. Andere setzten sich mit der Motivation an den Schreibtisch, einen Bestseller zu landen. Dieser Ansatz hemmt aber, ist sie sich sicher. Einfach loslegen und dann üben, üben, üben, konzentriert und wach bleiben, fasst sie zusammen. Auch solle man sich frei machen von dem Gedanken „wer möchte das lesen?“.

Während ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Redakteurin beim Büchermagazin lernte Dannenberg diverse Autoren kennen, unter anderem Charlotte Link oder Simon Beckett, die genau das bestätigten. Viel Handwerk, viel Lehrgeld und viel Übung machen einem Bestseller aus, dessen Erfolg so mancher Autor weniger mit Selbstverständlichkeit als mit Demut hinnimmt. „Da gibt es keinen Genie-Gedanken dahinter. Niemand schreibt ein Buch, ohne sich zuvor auszuprobieren“, führt Dannenberg aus. Ein gesundes Maß an Selbstkritik sowie der besonders harte Vorgang des wiederholten Überarbeitens führten am Ende zu einem lesenswerten Ergebnis. Der ständige Antrieb bei der oft zermürbenden Arbeit: die Lust auf Sprache und die Lust darauf, mit Sprache Bilder zu erzeugen. Immer im Hinterkopf seien bei ihr die Fragen nach Gefühl und Sinnlichkeit und der Wunsch, dass der Leser Schauplätze und Atmosphäre auch erleben kann.

Das Schreiben zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der 44-jährigen Autorin. Ständiger Begleiter war früher, wie sie zugibt, ihr „sehr blumig geschriebenes Tagebuch“. Mit Mitte 20 kam sie mit einem Fantasy-Roman auf einen der vorderen Plätze bei einem Wettbewerb. Während ihres Studiums der angewandten Kulturwissenschaften in Lüneburg arbeitete sie für die Landeszeitung in Lüneburg, veröffentlichte nebenbei Liebesgeschichten und belegte Schreibseminare an der Universität zum Thema Literaturkritik. Für kulinarische Führer reiste sie nach Schweden und Sylt und mit einer Freundin füllte sie eine Radiosendung beim Universitätsradio zum Thema Literatur.

Liebe zu Lüneburg

Dass Initialzündungen für die ersten Erfolgsgeschichten nicht spektakulär sein müssen, beweisen ihre Ansätze für die Krimireihe. „Ich wollte zunächst über die Stadt schreiben, die ich sehr liebe, Lüneburg, aber auch schon immer mal über die, in der ich aufgewachsen bin“, erinnert sie sich an die Idee zu „Blumenkinder“ und „Gefährdet“. Die gebürtige Bremerin wuchs ab dem ersten Lebensjahr in Hamburg auf. Den Schubs für den zweiten Band gab ihr ein Bekannter, der als Hafeninspektor in Hamburg arbeitet und ihr berichtete, wie Gefahrengut kontrolliert wird. Dass es Container-Begasung gibt, war Dannenberg bekannt, nur nicht, in welchem Umfang. Diese realen Methoden finden sich detailliert in der fiktiven Geschichte „Gefährdet“ wieder.

Für ihre Recherche ging Dannenberg nicht nur Schauplätze ab, sondern schipperte mit einem Fischer im Hafen zwischen den Booten umher. „Da bekommt man noch mal einen ganz anderen Blick als bei einer der Hafenrundfahrten“, weiß sie. Schon als Kind erkundete sie diese ganz eigene Welt mit großem Interesse, für die NDR-Sendung „Achtung, Klappe!“ mit elf Jahren als Hafenreporterin.

Für die Figuren in ihrer Geschichte kreiert die Autorin Mischfiguren, wie sie es nennt. Autobiografisch zu arbeiten sei hinderlich, ebenso wie Bekannte und Freunde eins zu eins zu skizzieren. „Dann ist man mehr der Realität verpflichtet als der Geschichte“, so Dannenberg. Figuren bräuchten Raum für Entwicklungen.

Diese und viele weitere Regeln und Erfahrungen hat sich die Autorin im Laufe der Zeit angeeignet und möchte sie nun erstmals an Schreibbegeisterte weitergeben. Vorerfahrungen müsse niemand mitbringen, betont Dannenberg. „Ich will gar nicht wissen, wer bereits was geschrieben hat“, sagt sie. Vielmehr gehe es in dem Grundlagenseminar darum, sich von inneren kritischen Erwartungen frei zu machen, eine wertschätzende Atmosphäre zu schaffen, Sprache erlebbar zu machen und Möglichkeiten kennenzulernen, Figuren zu entwickeln und Handlung zu schärfen. Mit viel Freude an der Sache.

Weitere Informationen

Der Schreibsalon mit Meike Dannenberg geht Sonntag, 5. Mai, von 10 bis 17 Uhr. Kosten: 70 Euro pro Person inklusive eines kleinen Snacks. Anmeldungen unter workshop@meikedannenberg.de.

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