20.000 Besucher im Bremer Bürgerpark

Eine Nacht voller Poesie, „Musik und Licht am Hollersee“

Fackelschein und Feuerwerkskaskaden, das sind die Zutaten, die bei „Musik und Licht am Hollersee“ nicht fehlen dürfen. Rund 20.000 Menschen genossen die Veranstaltung Sonntagabend.
08.09.2019, 22:13
Lesedauer: 3 Min
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Eine Nacht voller Poesie, „Musik und Licht am Hollersee“
Von Sigrid Schuer
Eine Nacht voller Poesie, „Musik und Licht am Hollersee“

Tausende säumen das von Fackeln erleuchtete Ufer des Hollersees. Die Menschen genießen die Musik. Die Stimmung ist fröhlich und friedlich.

Christina Kuhaupt

Als das Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte die „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel spielt und dazu Feuerwerkskaskaden in den Nachthimmel steigen, da ist das Gänsehaut-Gefühl perfekt. Die Kaskaden spiegeln sich im lackschwarzen Hollersee, der von vielen brennenden Fackeln gesäumt wird. Rund 20.000 Menschen haben am Sonntagabend der 31. Ausgabe von „Musik und Licht am Hollersee“ gelauscht.

Und ganz zum Schluss, so ist es guter Brauch, wird gemeinsam das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius angestimmt. Die Musik stammt übrigens, anders als berichtet, nicht von Franz Schubert, sondern von Johann Abraham Peter Schulz. Die anrührende, zuversichtliche Stimmung, die das Lied verbreitet, unterstreicht die fröhliche und friedliche Atmosphäre, die diese Spätsommer-Nacht verströmt.

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So bleiben auch die Gäste, die nicht mal eben schnell vom Garten des Park Hotels in schützende Innenräume huschen können, trotz vorüberziehender grauer Wolken, von Kälte und Regenschauern verschont. Und das ist auch gut so, denn die ersten hatten bereits nachmittags im Sonnenschein ihre Picknickdecken am Hollersee ausgebreitet, um sich die besten Plätze mit Blick auf das Orchester zu sichern. Später dran sind die Freundinnen Aida Rodriguez und Bahaar Rizri, die ihren musikalischen Hund Achilles mitgebracht hat. Der weiße Spitz ist allerdings ob der Menschenmenge ein wenig nervös. Auch wenn, anders als beim „Sommer in Lesmona“, kein größeres Camping-Equipment im Bürgerpark erlaubt ist, breiten Familien ihre kulinarischen Schätze auf ihren Picknickdecken aus.

Musik und Licht am Hollersee

Der Bass Christoph Heinrich steht als Gast vom Theater Bremen auf der Bühne und singt eine Arie aus Mozarts „Don Giovanni“.

Foto: Christina Kuhaupt

Genau einen Platz ganz nach ihrem Geschmack nah am Wasser haben Yvonne Hrosch und Christian Kersten, der eigens aus Sandkrug angereist ist, sowie Caroline und Uwe Schröder noch um halb sechs ergattert. Gerade stoßen sie mit Roséwein an, dazu gibt es Tortilla, Oliven, Ananas und Melone. Apropos „Sommer in Lesmona“: Viele Stammgäste von „Musik und Licht“ sind regelmäßig auch beim Festival der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in Knoops Park mit dabei. Praktisch, so kann Brigitta Kappich ihren Fascinator mit schwarzem Tüllschleier gleich zwei Mal einsetzen. Die Bremerin ist mit ihrer Schwester Gudrun Gräfing und ihrer Freundin Birgit Bodmann aus Achim an den Hollersee gekommen. Am meisten freuen sich die Damen vor Konzertbeginn auf das Feuerwerk: „Wir lieben diese Atmosphäre“, betonen sie und ergänzen: „Das ist eine tolle Leistung, wie die jungen Leute hier spielen!“

So geht Dirigent Martin Lentz mit seinem Jugendsinfonieorchester gleich zu Beginn in die Vollen und serviert nach Richard Strauss‘ wuchtiger Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ drei veritable sinfonische Brocken. Als Reverenz an die Sommertournee des Orchesters durch Skandinavien die mal lyrische, dann wieder dramatisch zugespitzte „Hamlet-Ouvertüre“ des dänischen Komponisten Niels W. Gade. Gefolgt von je zwei Sätzen aus Dmitri Schostakowitsch‘ Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2, in dem der 22-jährige Pianist Niklas Woebs zu glänzen weiß, und Antonín Dvoráks „Sinfonie aus der Neuen Welt“. Das junge Orchester versteht sich bestens darauf, die vorwärtsdrängende Aufbruchstimmung adäquat über die Rampe zu bringen. Und Jasper Seibert, ehemaliger Cellist des Orchesters, weiß mit seiner locker-flockigen Moderation zu punkten. Ganz vorne an den Absperrgittern drängt sich das Publikum, Smartphones werden gezückt.

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Ebenfalls schon Tradition ist es, dass immer wieder Mitglieder des Opernensembles des Theaters Bremen bei „Musik und Licht“ gastieren. Der Bass Christoph Heinrich steht nach drei Jahren wieder auf der Bühne. Und geht gleich mit dem Ständchen „Deh, vieni alla finestra“, das Mozart in seiner Oper „Don Giovanni“ eigentlich einem Bariton auf den Leib komponiert hat, musikalisch fremd. Trotz seiner tieferen Stimmlage macht er das aber ganz vorzüglich. Ab dem 20. Oktober wird er als Giovannis Diener Leporello im Theater am Goetheplatz auf der Bühne stehen. Eine absolute Wunscharie, die er an Lentz und sein Orchester herangetragen hat, ist ein Ausschnitt aus Amilcare Ponchiellis Venedig-Oper „La Gioconda“, in der er sich hörbar wohl fühlt.

Und so machen sich am Ende viele, noch ganz beseelt von Johann Strauß‘ „Kaiserwalzer“, beschwingten Schrittes auf den Heimweg.

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