Grundschule am Baumschulenweg in Schwachhausen

Erster Schultrakt vor dem Abriss

So langsam wird es ernst: Im kommenden Monat soll der erste Seitentrakt der Grundschule am Baumschulenweg abgerissen werden. Der Baustart ist für Anfang 2020 geplant.
29.08.2019, 05:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter
Erster Schultrakt vor dem Abriss
PETRA STUBBE

Zehn Zentimeter misst der Riss in der Wand der Klasse 1c mittlerweile. In der Breite, nicht in der Länge. Der Seitentrakt der Grundschule am Baumschulenweg, in dem der Klassenraum untergebracht ist, wurde seinerzeit auf Sand gebaut und sackt seit Jahren ab. Anders als der Südflügel der Schule ist er nicht mehr zu retten, haben Gutachten ergeben. Ebenso wenig wie die beiden benachbarten baugleichen Trakte. Kommenden Monat wird deshalb der erste von ihnen – vis-à-vis zum TSV Bremen 1860 – abgerissen. Für die Schüler steht als Ersatz seit einigen Tagen ein langgezogener Containerbau auf dem Pausenhof. 26 Einzelelemente zweigeschossig aneinandergereiht. Daneben acht weitere, die hier schon seit vier Jahren als Zusatztrakt für die mittlerweile knapp 400 Schüler stehen.

Dort, wo der erste Gebäudeflügel abgerissen wird, sollen weitere Container für die übrigen Schüler aufgestellt werden, damit der mit 13,8 Millionen Euro veranschlagte Neu- und Umbau der Schule möglichst schnell über die Bühne gehen kann. Schnell bedeutet in diesem Fall etwa anderthalb Jahre. „Würde separat neu gebaut und saniert werden, würde es etwa drei Jahre dauern, bis alles fertig ist“, erklärt Schulleiter Lars Beulke.

Um Eltern und Nachbarn einen Überblick über das geplante Bauvorhaben zu geben, hat die Schule am vergangenen Montag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Robert Bleschert vom beauftragten Architekturbüro KKLF in Berlin berichtete den zahlreich erschienenen Gästen, dass der Baustart für Anfang kommenden Jahres geplant ist, die Fertigstellung für Sommer 2021.

Bis Ende des Jahres sollen alle Klassen- und Fachräume in die Containerbauten umgezogen sein. Die Verwaltung wird in der ehemaligen Geschäftsstelle von Bremen 1860 untergebracht. Dort, wo derzeit noch die drei maroden Riegel stehen, wird Bleschert zufolge ab Frühjahr ein neuer Trakt entstehen. Zweigeschossig mit Satteldach, passend zum südlich gelegenen Schulgebäude, das erhalten und saniert werden soll. Die Küche im dortigen Erdgeschoss soll vergrößert werden, ebenso das Foyer, erklärte der Architekt. Ansonsten sei der Trakt den Fachräumen und dem Hausmeisterbereich vorbehalten.

Eine offene Atmosphäre im Blick

Der Neubau beherbergt künftig die Klassenräume, die fortan in sogenannten Cluster-Einheiten angelegt sein werden, berichtete Beulke. Dabei stünde eine Etage den zusammengeschlossenen Erst- und Drittklässlern, die andere den Zweit- und Viertklässlern zur Verfügung. Zwischen den Klassenräumen sind Differenzierungsräume geplant, die durch große Fensterscheiben aus den Klassenzimmern einsehbar sind, um eine möglichst offene Atmosphäre zu schaffen, erklärte Bleschert. Auch die Flure sollen Teil des Unterrichtsbereichs werden und nennen sich künftig offene Lernbereiche. Zwar seien die Klassenräume mit 70 Quadratmetern etwas kleiner als im Altbau, räumte der Architekt auf Nachfrage einer Mutter ein, dafür würden aber Materialregale ausgelagert, was unterm Strich sogar mehr Platz bedeute.

Nicht nur die Struktur innerhalb der Klassenräume soll künftig möglichst hell und offen gehalten werden, dasselbe gilt laut Bleschert auch für den Übergang in den Außenbereich. „Geplant sind bodentiefe Fenster mit direkten Zugängen nach draußen“, erzählte er. Gleichwohl sei an heißen Tagen Sonnenschutz gewährleistet, da alle Fensterfronten mit entsprechenden Außenrollos ausgestattet seien, betonte er auf Nachfrage. Diese seien deutlich effektiver als im Altbau.

Um in ihre neuen Container-Klassen zu gelangen, müssen die Grundschüler ab kommendem Frühjahr getrennte Wege gehen. Die einen vom Baumschulenweg entlang des Bauzauns, die anderen biegen direkt von der H.-H.-Meier-Allee auf den Zuweg zu ihren Klassenräumen ab. „Für die Bring- und Abholsituation bedeutet das eine enorme Entzerrung“, betonte Schulleiter Beulke. Dennoch seien die beiden Container-Komplexe freilich über einen Weg innerhalb des Schulgeländes miteinander verbunden.

Brunnen zum Abpumpen geplant

Eine der ersten Arbeiten auf der Baustelle soll laut aktuellem Planungsstand der Bau eines Teilkellers sein. Dort soll künftig die Haustechnik untergebracht werden. „Da der Keller in den Grundwasserbereich hineinreichen wird, werden wir den Wasserspiegel absenken müssen“, erklärte Bleschert. In der Nachbarschaft werde davon allerdings nichts zu bemerken sein, betonte er an die Reihe der Anwohner gewandt. „Wir werden rund um den Bereich Brunnen platzieren, die das Wasser abpumpen“, erläuterte er. Dieses gelange dann wieder zurück in den Baugrund, sodass quasi ein Kreislauf entstehe. Das Prozedere sei deutlich schonender als wenn das Wasser komplett abgepumpt werden würde, versicherte er.

Um die Pläne für den Neu- und Umbau verwirklichen zu können, sind bereits im Vorfeld einige Bäume auf dem Gelände der Grundschule gefällt worden. Das sei leider nicht zu verhindern gewesen, aber in enger Abstimmung mit dem Bremer Umweltbetrieb geschehen, erzählte Beulke. Selbstverständlich werde für entsprechenden Ersatz gesorgt, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen seien. Die Neubepflanzung sei schon jetzt Thema im Unterricht der beiden sogenannten Baumklassen, in denen jedes Kind einen eigenen Baum für die Ersatzpflanzung heranziehe, berichtete der Schulleiter. Unterm Strich werde der Außenbereich von der Baumaßnahme profitieren, versprach er, denn aufgrund der Zweigeschossigkeit des Neubaus werde sich der Gartenbereich erheblich vergrößern.

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