Direktor der US-Militärregierung

Grabstelle von Thomas Francis Dunn bleibt erhalten

Seit 2017 kümmerte sich niemand mehr um das Grab des ehemaligen Direktors der US-Militärregierung in Bremen. Die Folge: das Grab verkam. Doch nun soll es ein adäquates Gedenken an Thomas Francis Dunn geben.
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karina Skwirblies
Grabstelle von Thomas Francis Dunn bleibt erhalten

Das Grab von Thomas Francis Dunn auf dem Riensberger Friedhof.

Karina Skwirblies

Zwei Jahre lang hat er zusammen mit Bürgermeister Wilhelm Kaisen die Geschicke des Landes Bremen entscheidend mitgestaltet: Thomas Francis Dunn, der Direktor der US-Militärregierung in Bremen. Er amtierte von Dezember 1946 bis November 1948. Seine Grabstelle auf dem Riensberger Friedhof ist nun auf Dauer gesichert. Die Wilhelm-Kaisen-Stiftung, die Senatskanzlei und auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte haben sich dafür eingesetzt, dass der Grabstein und damit das Gedenken an Thomas Francis Dunn bestehen bleibt.

Dass der in New York/Brooklyn geborene Amerikaner Dunn 1964 im Alter von 61 Jahren in Bremen begraben wurde, ist seiner persönlichen Lebensgeschichte geschuldet. Von Beruf war er Speditionskaufmann, der zunächst in New York, später in Afrika und Europa tätig war. In Europa waren London und ab Juni 1945 Bremen seine Stationen. In Bremen war er Teil der War Shipping Administration. Dunn sollte ein Inventar der deutschen Handelsflotte erstellen. Nachdem seine Dienststelle 1946 aufgelöst wurde, ernannte man Thomas Francis Dunn im Dezember zum Direktor der US-Militärregierung für Bremen. Der Experte für Schifffahrt und Logistik sollte sich um den Wiederaufbau der Hafen- und Verkehrsinfrastruktur kümmern.

Zusammen mit Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen erlebte Dunn den Hungerwinter 1946/47 und war dabei, als Bremen im Januar 1947 als Stadtstaat wiederhergestellt wurde. Kaisen lobte in seinen Memoiren Thomas Francis Dunn und seinen Nachfolger Admiral Jeffs: „Bremen verdankt den beiden sehr viel, auch manche finanzielle Zuwendung, die Bremens Institute brauchen konnten.“ Als Dunn sein Amt auf eigenen Wunsch niederlegte, bescheinigte Kaisen ihm, „der Verbreitung demokratischer Gesinnung in unserer Stadt als wahrer Freund seiner notleidenden Bevölkerung gedient“ zu haben.

Wohnung an der Contrescarpe

Die nächsten Stationen von Dunn waren Rotterdam, London, Hamburg und schließlich wieder Bremen. Hier gründete er zusammen mit seinem Sohn Robert Edward die Maritime Cargo Agency GmbH. Mit seiner Frau Eleanora, die er 1925 in New York geheiratet hatte, lebte er an der Contrescarpe mit Blick auf die Wallanlagen.

Während einer Reise in der Schweiz starb Thomas Francis Dunn am 26. Oktober 1964 an einem Herzinfarkt. Seine Frau Eleanora wurde 1992 neben ihm auf dem Riensberger Friedhof beerdigt.

Bis 2017 sorgte ein Sohn Dunns für die Grabpflege. Dann lief der Vertrag mit dem Friedhof aus, die Pflege wurde nicht mehr bezahlt, und das Grab verkam. Diesen Zustand bemerkte eine Abordnung, die in diesem Jahr anlässlich eines Ehrentags von Wilhelm Kaisen den Riensberger Friedhof besuchte. Volker Kröning von der Wilhelm-Kaisen-Stiftung war darunter. Er berichtet, dass bei dem Rundgang auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte und der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Frank Imhoff, dabei gewesen. Und beide hätten sich dafür ausgesprochen, die Grabstelle von Dunn langfristig zu erhalten.

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Daraufhin hätten sich die Senatskanzlei und die Friedhofsverwaltung für eine Lösung eingesetzt. „Die Sache ist gelöst“, freut sich Volker Kröning jetzt. „Die Grabstelle ist erhalten geblieben und der Stein, der umzukippen drohte, ist gelegt worden. Das ist ein adäquates Gedenken an Thomas Francis Dunn. Es ist eine Lösung auf immer.“ Schließlich sei Dunn der wichtigste Weggenosse Kaisens bei der Wiederherstellung der Selbstständigkeit Bremens gewesen, betonte Kröning im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Grabstein soll gelegt werden

Kerstin Lührßen, stellvertretende Leiterin des Protokolls der Senatskanzlei, und Irma Gerken, Leiterin des Riensberger Friedhofs, hatten gemeinsam an der Lösung gearbeitet. „Wir haben den Kontakt in die USA gesucht“, berichtet Kerstin Lührßen. Doch die Familie Dunns habe es abgelehnt, die Grabstelle weiterhin zu betreuen. „Wir haben in Bremen keine Ehrengräber und wollten das Grab an der ursprünglichen Stelle erhalten.“ Der Stein sei dafür geeignet, liegend in einer Rasenfläche zu verbleiben, sagt Lührßen. So kamen Friedhofsleitung und Senatskanzlei überein, den Stein zu legen. Um den Stein herum solle eine ansehnliche Rasenfläche entstehen. Die Friedhofsverwaltung habe darauf verzichtet, den Platz anderweitig zu vergeben. „Dies ist insgesamt eine sehr gute und einvernehmliche Lösung“, erklärt Lührßen.

Wer die Pflege und Erhaltung des Grabes unterstützen möchte, kann laut Friedhofsverwaltung gerne eine Patenschaft übernehmen. Interessierte können sich per Mail an office@ubbremen.de wenden. Wer das Grab von Thomas Francis Dunn auf dem Riensberger Friedhof, Friedhofstraße 51, besuchen möchte, findet die Grabstelle im Gräberfeld D, Nummer 0008.

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