Bremer Immobilienmarkt Grundstückspreise klettern weiter

Der Bremer Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat jetzt neue Bodenrichtwerte für das Stadtgebiet festgelegt. Nur in ganz wenigen Wohnquartieren ist der Quadratmeter noch unter 100 Euro zu haben.
10.03.2019, 05:28
Lesedauer: 4 Min
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Grundstückspreise klettern weiter
Von Detlev Scheil

Die starke Nachfrage nach Baugrundstücken und Immobilien lässt deren Preise in Bremen weiter steigen. Das zeigen die jüngsten Auswertungen des unabhängigen Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Bremen, die zu neuen, höheren Bodenrichtwerten auf Bremer Rekordniveau führten. Zwar fallen im Bremer Nordosten mit seinen eh schon hohen Grundstückspreisen die Steigerungen verhältnismäßig moderat aus, aber in anderen Stadtteilen setzt sich die Aufholjagd rasant fort.

„In den Gebieten mit hohen Bodenrichtwerten wie Schwachhausen und Östliche Vorstadt ist offenbar die Preisspitze allmählich erreicht, sodass die Richtwerte nur um fünf oder zehn Euro pro Quadratmeter erhöht worden sind“, erläutert Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretender Leiter von Geoinformation Bremen. „Viele andere Stadtteile haben Nachholbedarf. Das Preisniveau zog dort bei Verkäufen deutlich an und führte zu Aufschlägen von jeweils zehn bis 20 Euro.“

425 Angaben für Bremen

Für das Bremer Stadtgebiet sind zum Stichtag 31. Dezember 2018 insgesamt 425 Richtwerte neu bestimmt worden. Acht Richtwerte sind neu hinzugekommen, weil sich die Preise in den entsprechenden Zonen unterschiedlich entwickelt haben. Die Bodenrichtwerte sind nicht nur wichtige Orientierungswerte für Verkäufer und Kaufinteressenten, sondern auch für das Finanzamt unter anderem bei Erbfällen interessant. Künftig werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer sein. Die Richtwerte sind – wie der Name schon sagt – zwar nicht bindend, doch Käufer und Verkäufer bekommen mit diesen Werten gute Anhaltspunkte für die Festlegung des Kaufpreises eines unbebauten oder auch bebauten Grundstücks.

In der Regel alle zwei Jahre wird die Bodenrichtwertkarte aktualisiert. Dafür wertet der Gutachterausschuss, dem neben Mitarbeiter von Geoinformation unter anderem Architekten, Makler sowie Vertreter von Bauträgern und der Finanzbehörde angehören, die aktuelle Kaufpreissammlung aus. Basis dieser Sammlung sind die notariell beglaubigten Käufe und Verkäufe von Grundstücken.

Nach der jüngsten Festsetzung reicht die Preisspanne bei Wohnbaugrundstücken von 30 Euro in Seehausen bis 1200 Euro pro Quadratmeter im Schwachhauser Ortsteil Barkhof sowie auf dem Stadtwerder nahe der umgedrehten Kommode und in der absoluten Spitze 1600 Euro an der Contrescarpe bei den Wallanlagen. Wegen der ungebrochen starken Immobiliennachfrage sind die Bremer Werte fast durchweg heraufgesetzt worden. Preisstillstand gibt es lediglich im dörflichen Strom und Seehausen.

Huchting ganz vorn

Die höchsten Steigerungen bei Grundstücken für Reihen- und Einfamilienhäuser betreffen Huchting (plus 24 Prozent), Vegesack (plus 18 Prozent), die Vahr (plus 18 Prozent) sowie Osterholz und Blumenthal (jeweils plus 17 Prozent). Wenn es um Bauland für Mehrfamilienhäuser geht, beträgt die Preissteigerung in den Stadtteilen Burglesum, Huchting, Osterholz, Vahr und Walle sogar mehr als 20 Prozent. „Das liegt daran, dass besonders in diesen Stadtteilen Eigentumswohnungen in Wohnanlagen zu stattlichen Preisen verkauft werden konnten“, erläutert Ernst Dautert. Das sei auf Bodenrichtwerte durchgeschlagen. Gerade die ältere Generation sucht derzeit verstärkt Wohnungen mit Fahrstuhl, die zu gehobenen Preisen angeboten werden. Neben Seehausen ist nur noch im Blockland sowie in den Blumenthaler Ortsteilen Rekum, Farge, Lüssum-Bockhorn und Rönnebeck sowie in Teilen von Oslebshausen der Quadratmeter Grund und Boden für weniger als 100 Euro zu haben.

Das vordere Schwachhausen ist abgesehen vom Spitzenwert 1200 Euro im Barkhof-Viertel mit Bodenpreisen zwischen 385 und 820 Euro verzeichnet. In Neu-Schwachhausen gilt eine Bandbreite von 385 bis 620 Euro. In Horn-Lehe kletterten die Preise um 14 Prozent auf 240 bis 490 Euro. Oberneuland erlebte ebenfalls einen Preisanstieg um 14 Prozent auf 210 bis 300 Euro, und in Borgfeld stiegen die Preise um zwölf Prozent auf 230 bis 320 Euro.

Für den Stadtteil Hemelingen insgesamt ergibt sich ein Preisanstieg um 16 Prozent. Im Ortsteil Hemelingen gelten Bodenwerte zwischen 130 und 250 Euro, in Sebaldsbrück 155 bis 210 Euro, in Arbergen 150 bis 180 Euro und in Mahndorf 180 bis 220 Euro.

Noch spürbar kostspieliger ist Hastedt mit 320 bis 370 Euro. Fast gleich nebenan, in den Ortsteilen Hulsberg und Peterswerder der Östlichen Vorstadt, klettert das Preisniveau moderat auf 520 bis 725 Euro. Noch darüber liegen Fesenfeld mit 830 und das Steintor mit 1050 Euro pro Quadratmeter.

Info

Zur Sache

Neuer Überblick im Internet

Die Bremer Bodenrichtwerte können im Internet auf einer Plattform der niedersächsischen Gutachterausschüsse unter www.gag.niedersachsen.de gegen eine Gebühr abgerufen werden. Eine Nutzung für 15 Minuten, bei der auch Ausdrucke erstellt werden können, kostet fünf Euro. Abgerechnet wird über Giropay oder Paypal. Vielnutzer können ein Jahresabonnement abschließen. Die neuesten Bremer Bodenwerte sind momentan dort noch nicht online, in nächster Zeit sollen sie nach Auskunft von Geoinformation Bremen jedoch hinzugefügt werden.

Ab Dienstag, 12. März, geht außerdem der neue Internetauftritt „Boris-D“ mit der Adresse www.bodenrichtwerte-boris.de online. Dazu wird es auch eine App Boris-D geben. Es ist handelt sich um ein kostenloses Bodenrichtwertinformationssystem für (fast) ganz Deutschland. Beteiligt sind beim Start zwölf Bundesländer, darunter auch Bremen und Niedersachsen. Baden-Württemberg, das Saarland und Sachsen-Anhalt sind noch nicht dabei, wollen sich aber mittelfristig anschließen. Ob auch Sachsen mitmacht, ist noch unklar. Die Bodenrichtwerte können in der Regel bis in das Wohnquartier hinein angeschaut werden, Ausdrucke sind aber in Bremen und Niedersachsen nicht zugelassen. Während Niedersachsen zum großen Teil bereits die topaktuellen Werte in Boris-D zeigt, folgen die jüngsten Bremer Richtwerte erst in den nächsten Wochen, ältere Bremer Werte gehen jedoch sofort online.

Wer Bremer Kartenauszüge mit den Richtwerten wünscht, kann sie über das Service-Center Bau, Contrescarpe 72, Telefon 361 46 53, E-Mail Geodatenservice@geo.bremen.de bestellen. Ein Auszug bis DIN A3 kostet 25 Euro, ein Kartenblatt für einen Teilbereich Bremens 70 Euro, alle drei Karten für Bremen sowie die Karte für Bremerhaven 195 Euro.

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