Hitze und Trockenheit

Stresstest fürs Bremer Stadtgrün

Bremer Einwohner und Bäume haben dieser Tage eines gemeinsam: einen großen Wasserbedarf. Deshalb sind der Umweltbetrieb und Mitarbeiter des Bürgerparks im Dauereinsatz, um ihre Pflanzen zu versorgen.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Stresstest fürs Bremer Stadtgrün
Von Maurice Arndt
Stresstest fürs Bremer Stadtgrün

Im Bürgerpark bekommen Bäume alle drei bis vier Tage Wasser, je nach Lage und Art. Die großen Exemplare versorgen sich zum Teil aber selbst.

Christina Kuhaupt

Die gut 300 000 Bäume, die es allein auf dem Bremer Stadtgebiet gibt, und die etwa 570 000 Einwohner haben aktuell vor allem ein gemeinsames Bedürfnis: Wasser. Die Hitze und dazu die Trockenheit stellen die Natur vor eine Herausforderung. Die Stadt steuert dagegen.

„Wir sind täglich mit mehreren Tankwagen unterwegs, um den Bäumen Wasser zu geben“, sagt Kerstin Doty, Sprecherin des Umweltbetriebes Bremen. Die Bäume werden direkt aus dem Schlauch gegossen. Dicke, grüne, um den Baumstamm drapierte Säcke, wie man sie aus anderen Städten kennt, findet man in Bremen nicht.

Zumindest bisher: „Im Moment reicht unser System. Wir schauen aber immer wieder, was man besser machen kann. Es ist nicht auszuschließen, dass wir diese Säcke auch mal anschaffen. Denn: Die heißen und trockenen Sommer werden schließlich immer wieder kommen“, sagt Doty.

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Die grünen Säcke haben kleine Wasserauslässe auf dem Boden. So können sie einmal befüllt werden und geben dann eine Zeit lang konstant Wasser an den Boden ab. Das sei vor allem für Straßenbäume praktisch, erklärt Tim Großmann, Direktor des Bürgerparks. Er setzt in seinem Park zum Schutz vor dem Wetter auf Reisigmatten, die junge Bäume vor einem Sonnenbrand schützen sollen. Zudem werden die Pflanzen wie beim Umweltbetrieb direkt bewässert.

Im Bürgerpark bekommen Bäume alle drei bis vier Tage Wasser, je nach Lage und Art. Aufgrund der Menge der Bäume wird deshalb jeden Tag bewässert. Das Wasser bekommen vor allem Junganpflanzungen und Birken, die nur flache Wurzeln haben – sowohl im Bürgerpark als auch bei den öffentlichen Flächen. Junge Bäume sind besonders anfällig für die Hitze und brauchen deshalb mehr Pflege als altes Gehölz. "Ältere Bäume haben lange Wurzeln, die tief in die Erde gehen.

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Wir sehen zwar, dass sie auch unter den trockenen Temperaturen leiden, eigentlich finden sie aber in tieferen Erdschichten genügend Wasser. Es wäre aber auch nicht machbar die alten Bäume zu bewässern. Sie brauchen aufgrund ihrer Größe schlicht zu viel Wasser", erklärt Großmann. Selbst bei den jungen Bäumen entspricht eine Wässerung 80 bis 100 Litern. Die Wasserversorgung sollte aber kein Problem sein, da zum Wässern unter anderem auch Seen und Flüsse genutzt würden, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts.

Neben dem Bäumen stehen im Bürgerpark dieser Tage die Rhododendren im Fokus. Auch sie brauchen viel Wasser, um das Wetter zu überstehen. „Das ist leider eine Folge des Klimawandels. Ursprünglich musste man Rhododendren in Nordwestdeutschland im Sommer nicht gießen“, sagt Parkdirektor Großmann. Nun muss – sollte der Regen ausbleiben – die Feuerwehr am Wochenende wieder anrücken, um beim Bewässern zu helfen. Auch der Umweltbetrieb wird von den Brandlöschern unterstützt. „Sie sind, zusammen mit der SWB, eine große Hilfe für uns“, sagt Tittmann.

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Doch nicht nur die Bäume sind in Gefahr. Durch das Wetter werden Bäume auch zur Gefahr für Menschen. Denn der Wassermangel macht das Gehölz instabil. Vor allem Bäume mit morschem Holz, sogenanntes Totholz, sind anfällig. Einem praktisch schon abgestorbenen Ast könnte die Trockenheit den letzten Schubs geben, sodass er abfällt. „Wir kontrollieren deshalb unsere Bäume regelmäßig auf Totholz“, sagt Großmann. Doty vom Umweltbetrieb berichtet: „Wir kontrollieren Bäume das ganze Jahr über, auch aus Gründen der Verkehrssicherheit. Rund 80 000 Bäume stehen auf Stadtbremer Gebiet an der Straße.“ Wird kaputtes Holz entdeckt, wird es entweder abgestützt oder entfernt.

Allerdings fallen Äste manchmal auch ohne Vorwarnung auf den Boden. Grünholzabbruch nennt das der Fachmann. Grund könnten auch hier die Hitze und Trockenheit sein. Ganz genau wisse man das nicht, sagt Bürgerparkchef Großmann. Erst kürzlich krachte ein großer Ast neben der Kita Schwedenhaus in Osterholz zu Boden. Das Phänomen ist zwar nicht neu, doch es tritt immer häufiger auf, wie Großmann feststellt. Und es ist gefährlich: "Die Äste fallen ohne Vorwarnung herunter und sind nicht klein.

Sie sind zum Teil fünf bis sechs Meter lang und haben im Schnitt einen Durchmesser von 20 Zentimeter." Neben dem Bremer Grün sind auch die Tiere im Gehege im Bürgerpark von der Hitze betroffen. Spezielle Maßnahmen werden deshalb aber nicht unternommen, sagt Tierpfleger Christian Panhorst. "Wir sorgen dafür, dass genügend Wasser in der Sule für die Schweine ist und füllen ihr Trinkwasser nach. Schatten haben sie genug."

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Zur Sache

Richtiges Verhalten im Park

Die Hitze macht den Bäumen das Leben nicht leicht. Das größere Problem ist jedoch die Trockenheit. Durch das wenige Wasser sind Bäume leichter entzündlich. Das betrifft zwar in erster Linie Nadelbäume, die es in Bremen kaum gibt. Doch auch Laubbäume können Feuer fangen. Deshalb gilt auf Bremer Grünflächen: Keine glimmenden Zigarettenstummel wegwerfen und erst reicht kein offenes Feuer machen. „Grillen ist aktuell noch mehr verboten als sonst“, appelliert etwa Tim Großmann an die Besucher des Bürgerparks. Auch Shishas sollen nicht in Parks geraucht werden, denn ihre Kohle könnte ebenfalls Brände entzünden.

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