Mehr als tausend Wacholderdrosseln als Wintergäste Im Schwarm nach Schwachhausen

Schwachhausen. Schützungsweise mehr als tausend Wacholderdrosseln sind in Schwachhauser Gärten eingefallen. Als Uwe Kröger an diesem Morgen aus dem Fenster blickte, traute er seinen Augen nicht: Überall wimmelte es von diesen Vögeln.
18.01.2010, 08:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Im Schwarm nach Schwachhausen
Von Detlev Scheil

Schwachhausen. Uwe Kröger in der Georg-Gröning-Straße in Schwachhausen traute seinen Augen nicht: Als der pensionierte Lehrer am Morgen aus dem Fenster in der oberen Etage schaute, wimmelte es in den Gärten des Wohnquartiers nur so vor Vögeln. Schätzungsweise mehr als tausend Wacholderdrosseln waren in Schwachhausen eingefallen und versammelten sich auf und unter den Obstbäumen.

'Unwillkürlich dachte ich an den Film ?Die Vögel? von Alfred Hitchcock, ohne dass der Schwarm allerdings bedrohlich wirkte', sagt Uwe Kröger. Mit seiner Digitalkamera dokumentierte er den Anblick und stellte dem Stadtteil-Kurier die Aufnahmen zur Verfügung.

Der Singdrossel zum Verwechseln ähnlich

Auf den ersten Blick sieht die Wacholderdrossel aus wie eine Singdrossel, sie hat aber eine deutlich rotbraun glänzende Brust. Zu erkennen ist sie auch am Ruf, einem kräftigen 'tschack, tschack'.

Dass Wacholderdrosseln in dieser großen Zahl aus Nord- und Nordosteuropa mitten in die Stadt einfallen, kommt zwar eher selten vor, ist aber nicht einmalig. So wurde dieses Phänomen bereits am Jahresbeginn 1985 in Schwachhausen beobachtet, wie in dem Buch 'Die Vögel Bremens' von Joachim Seitz und Kai Dallmann nachzulesen ist.

Vor allem in strengen Wintern kommt 'Turdus pilaris', so die lateinische Bezeichnung, als so genannter Invasionsvogel massenhaft aus Skandinavien und Sibirien zum Beispiel nach Deutschland und Frankreich.

Nahrungsnot lockt sie in die städtischen Gärten

'Die Wacholderdrosseln leiden unter Nahrungsknappheit durch den schneereichen Winter', berichtet Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Weil es in den ausgeräumten Agrarlandschaften immer weniger Beerensträucher gebe, kämen die eigentlich sehr scheuen Vögel in unsere Gärten und Grünanlagen, wo sie Vogelbeeren, Liguster und Rosensträucher abernteten.

Das gehe ratzfatz. Höchstens eine Woche brauchen die Wacholderdrosseln, dann sind die Büsche geplündert. Auch aus Schwachhausen ist der Schwarm nach einigen Tagen wieder abgezogen.

In früheren Zeiten, weiß Hofmann, wurde die Wacholderdrossel zu Tausenden gefangen, weil sie als Delikatesse galten. Die 'Krammetsvögel', wie sie in Anlehnung an die 'Krammetsbeere' (Wacholderbeere) auch genannt werden, wurden gerupft und in Butter gebraten auf den Tisch gebracht. Zum Würzen verwendete man neben Salz gestoßene Wacholderbeeren.

Im Sommer nisten Wacholderdrosseln an der Blocklander Wümme

Als Brutvogel ist die Wacholderdrossel im Sommer in Bremen mit etwa 70 bis 100 Paaren anzutreffen - und zwar überwiegend in flussnahen Bereichen von Wümme und Lesum. Etwa seit dreißig Jahren nistet dieser Vogel an der Blocklander Wümme.

Im Abschnitt zwischen Kuhsiel und Dammsiel wurden die meisten Paare gesichtet, doch auch am Lehester Deich und in Katrepel südwestlich der Borgfelder Wümmewiesen wurden Paare beobachtet. Die Tiere aus Sibirien und Skandinavien, die uns jetzt besuchen, seien etwas größer als die heimischen Krammetsvögel, stellt der Nabu fest. Wer den Vögeln helfen wolle, könne Apfelstücke und Rosinen im Garten auslegen.

Tipps zur Anlage und Pflege eines Naturgartens, wie er von Vögeln gern angenommen wird, und zu den Singvögeln gibt ein Infopaket des Nabu. Gegen sechs Euro in Briefmarken kann es beim Nabu, Stichwort 'Wintervögel', Contrescarpe 8, 28203 Bremen, bestellt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+