Beteiligung an der Spielleitplanung in Schwachhausen: Grundschüler bewerten ihr Quartier Junge Spielplatz-Tester schauen genau hin

Schwachhausen. In Schwachhausen werden Experten in die Spielplatzleitplanung eingebunden: die Kinder. Trotz Minusgraden sind die Schüler der Grundschule Freiligenrathstraße an diesem Morgen als Spielplatz-Tester in ihrem Quartier unterwegs.
31.01.2010, 08:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Junge Spielplatz-Tester schauen genau hin
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Es ist zu kalt zum Spielen an diesem Morgen. Die Temperatur weit im Minusbereich, da bleiben die Hände in den Handschuhen und die Jacken bis oben zu. Aber zum Herumtollen sind die Kinder auch nicht nach draußen gekommen, sondern um die Spielmöglichkeiten in Schwachhausen zu beurteilen. Im Zuge der Aufstellung einer Spielleitplanung werden auch die Kinder - und später auch die Jugendlichen des Stadtteils - beteiligt.

Nach den Grundschulen An der Gete und Carl-Schurz-Straße sind die Kinder der Grundschule Freiligrathstraße an der Reihe: Insgesamt 21 Mädchen und Jungen gehen an diesem Morgen in drei Gruppen durchs Quartier. Jeweils zwei vertreten ihre Klasse.

Als Protokollanten sind unter anderem Nicole Wiedemann und Jürgen Brodbeck vom Verein Spiellandschaft Stadt dabei, außerdem Tamara Duffner-Hüls vom Amt für Soziale Dienste (siehe Interview unten).

Schulhof unter der Lupe

Erste Station der Kinder ist ihr Schulhof, wo sie jeden Tag während der Pausen herumtoben. Das Gelände ist zusätzlich nachmittags zum Spielen geöffnet. Es bekommt relativ gute Noten. 'Der Schulhof ist gut, aber er hat sich verändert.

Früher war er besser, da gab es mehr Spielmöglichkeiten', meint Claas (9) aus Schwachhausen. Auch die achtjährige Carla hat nichts zu meckern, sie findet das Gelände gut: 'Hier ist alles in Ordnung.'

Sauber sieht anders aus

Dann trennen sich die Kinder. Erste Anlaufstelle der 'grünen' Gruppe ist der Spielplatz Freiligrathstraße in unmittelbarer Nachbarschaft der Grundschule. Mit ihrer Kritik an dem langweilig wirkenden Areal halten die Kinder nicht hinter dem Berg. So lasse die Sauberkeit zu wünschen übrig, wie einige der jungen Juroren deutlich bemängeln.

'Hier liegen ja noch Raketen von Silvester rum!', sagt ein Junge. Außerdem fehle eine Rutsche, auf der Tischtennisplatte sei kein Netz vorhanden. Die Schaukel sehe man kaum, weil sie hinter einer Hecke verborgen ist.

Hügel ist zu flach

Zwar lädt der Schnee zum Rodeln ein, der Hügel auf dem Spielplatz ist aber dafür nach Ansicht der Kinder nicht hoch und steil genug. 'Hier ist nicht viel los', bestätigt Tamara Duffner-Hüls, die für die Spielplätze im Nordosten zuständig ist.

Claas findet aber auch Positives: Immerhin ist überhaupt eine Tischtennisplatte vorhanden, und der verwinkelte Platz eigne sich gut zum Verstecken.

Jetzt aber weiter, die vom Stehen kalten Füße wollen bewegt werden. Durch die Richard-Dehmel-Straße und die Katzbachstraße zieht die Gruppe weiter. Unterwegs zeigen die Mädchen und Jungen, wo sie wohnen und welche Möglichkeiten zum Spielen es für sie in der Nähe gibt.

Als Treffpunkt wichtig

'Viele Kinder in Schwachhausen haben zu Hause einen kleinen Garten zur Verfügung, in dem sie spielen können', sagt Jürgen Brodbeck. Um sich mit Gleichaltrigen zu treffen, sei der öffentliche und halböffentliche Raum gleichermaßen wichtig. Dort werden sie jedoch nicht überall gerne gesehen.

'Übereinstimmend bei allen drei Streifzügen haben die Kinder kritisiert, dass sie häufig weggejagt werden. Das ist ein großes Problem in Schwachhausen', fasst Brodbeck zusammen. Weitere Kritikpunkte seien Müll und Schmutz auf den Spielplätzen, Hunde und Hundekot sowie Graffiti.

Schleichwege sind wichtig für Kinder

'Wichtig für Kinder ist auch die Durchgängigkeit des Quartiers. Für sie sind Schleichwege eine Möglichkeit, dem Autoverkehr aus dem Weg zu gehen. Diese sollten nicht plötzlich enden', sagt Tamara Duffner-Hüls. Dies sei etwas, was verstärkt bei der Stadtplanung berücksichtigt werden müsse.

Auch Stichwege zwischen der Wohnbebauung sind für Kinder wichtige Spielmöglichkeiten. 'Auf der Straße spielen wir gar nicht. Zu gefährlich', erzählt Anton.

Gute Noten für Spielplatz Schenkendorfwiese

Mittlerweile sind die Kinder auf dem Spielplatz Schenkendorfwiese angekommen und vergeben hier ausschließlich gute Noten. Mit Rutsche, Kletterstangen, Platz zum Kicken, Wippen, Rutsche und Matschecke mit Wasserpumpe ist der Platz gut ausgestattet und bietet viel Abwechslung.

Der Clou ist die Seilpyramide, die von einigen Kindern gleich erklettert wird. Und der Hügel ist sogar hoch genug für eine kleine Fahrt auf dem Schlitten.

Über die Loignystraße und die Großbeerenstraße ist die Kurfürstenallee das nächste Ziel. Die stark befahrene Straße haben die Kinder als Gefahrenpunkt ausgemacht. Auch der Beirat Schwachhausen macht sich bereits seit Jahren für eine Entschärfung durch Tempolimit und Ampelanlagen stark.

Der Streifzug endet wieder an der Grundschule. Für die Beteiligten war es nicht nur sehr kalt, sondern auch sehr aufschlussreich. 'Manches hat man gewusst, aber es ist gut, wenn die Kinder die Dinge aus ihrer Sicht erzählen', lobt Duffner-Hüls das Projekt.

Im Zuge des Beteiligungsverfahrens findet speziell für die Eltern von Kindern im Alter bis sechs Jahren am Donnerstag, 11. Februar, in der Schule an der Fritz-Gansberg-Straße eine Versammlung statt. Beginn ist um 20 Uhr. Alle Interessierten sind willkommen

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+