Beirat bangt um Ortsbild

Kulenkampffallee Bremen: Mehr als 70 Bäume sollen verschwinden

Mehr als 70 Bäume könnten vom Rand der Kulenkampffallee verschwinden. Grund dafür: Eine neue Fernwärmeleitung wird geplant. Anwohner und Stadtteilpolitiker positionieren sich klar.
26.10.2018, 20:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter
Kulenkampffallee Bremen: Mehr als 70 Bäume sollen verschwinden

Leitungsrohre wie dieses werden zum Transport von Fernwärme genutzt. Das Bild wurde in Universitätsnähe aufgenommen.

Tristan Vankann

Mehr als 70 Bäume müssten in der Kulenkampffallee gefällt werden, um dort eine neue Fernwärmetrasse zu verlegen. Dennoch ist die Variante „Kulenkampffallee“ der derzeitige Favorit der SWB, um das Müllheizkraftwerk Findorff für rund 35 Millionen Euro mit dem Fernwärmenetz in der Vahr zu verbinden. Hintergrund ist laut SWB-Sprecher Friedhelm Behrens zum einen der Wunsch, den Einsatz von Steinkohle im Hastedter Heizkraftwerk zu reduzieren, das den Bereich aktuell versorgt. Zum anderen erlaube die angelieferte Müllmenge, dass das Heizkraftwerk Findorff nach einer technischen Erweiterung 1,5 mal mehr Wärme ausspeisen könnte, als derzeit.

Am vergangenen Donnerstag hat Behrens den aktuellen Stand der Planung in der Sitzung des Beirats Schwachhausen vorgestellt, zu der auch teils aufgebrachte Anwohner erschienen waren. Insgesamt habe die SWB sieben mögliche Routen für die Fernwärmetrasse in Betracht gezogen, von denen aber am Ende nur die Kulenkampffallee übrig geblieben sei, berichtete Behrens. Weitere Varianten seien die Achterstraße, der Schwachhauser Ring, die Emmastraße, die A 27, die Busestraße und die Riensberger Straße gewesen, die allesamt aus technischen oder ökologischen Gründen ausgeschieden seien.

Kritik an Transparenz

Der Beirat kritisierte nicht nur die Wahl der Trassenvariante, sondern auch die aus Sicht des Beirats dürftige Transparenz, was die Auswahl- und Ausschlusskriterien der einzelnen Varianten betreffe. „Was Sie vorhaben, wäre ein riesiger Eingriff ins Ortsbild“, betonte Dietrich Heck (Grüne). Auch seine Fraktionskollegin Barbara Schneider erachtete die Pläne der SWB als fragwürdig. Wenngleich sie den Verzicht auf Steinkohle grundsätzlich begrüße, seien die Veränderungen für die Kulenkampffallee angesichts der geplanten Baumfällungen dramatisch, sagte sie. „Es wäre dann keine Allee mehr.“ So sahen es auch die anwesenden Anwohner. Wolfgang Schober (Linke) appellierte in diesem Zusammenhang an die SWB, die Belange der Anwohner nicht geringer zu bewerten als technische oder ökologische.

Zum Stichwort Transparenz versicherte Jan Viehbrock-Heinken, Mitarbeiter des Verkehrsressorts, dass dem Beirat in Kürze detaillierte Informationen zu den einzelnen Trassenvarianten zugehen würden, bevor im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ein Votum erwartet werde. Den betroffenen Anwohnern werde am 1. November um 19.30 Uhr in der Schule an der Freiligrathstraße Gelegenheit gegeben, sich zu den Plänen der SWB zu äußern. Einer der Anwohner nutzte die Beiratssitzung für einen Vorschlag, mit dem sich die Kulenkampffallee möglicherweise umgehen ließe. „Warum verlegt man die Trasse nicht südlich des Bahndamms?“, erkundigte er sich. Dort seien seiner Meinung nach weit weniger Hindernisse zu erwarten als in der Kulenkampffallee. Behrens sagte zu, den Vorschlag mitzunehmen und zu prüfen.

Meike Baasen (SPD) erkundigte sich bei dem SWB-Mitarbeiter nach einer weiteren Alternative. „Wäre es nicht möglich, die Trasse oberirdisch entlang der A27 zu verlegen?“, fragte sie. Behrens entgegnete, entlang der Autobahn müsse eine Freifläche – etwa für spätere Ausbaumaßnahmen – vorgehalten werden. Außerdem würde die A27-Variante auch bedeuten, dass man eine Trasse durch den Rhododendronpark legen und insgesamt einige Hundert Bäume fällen müsste, gab er zu bedenken.

Bäume durch Fernwärme gefährdet

Auf Barbara Schneiders Nachfrage, wo die Nachpflanzungen für die gefällten Bäume an der Kulenkampffallee geplant seien, erfuhr der Beirat zumindest, wo sie nicht geplant sind: an der Kulenkampffallee. Laut des von SWB beauftragten Baumsachverständigen Andreas Block-Daniel würden die Wurzeln der Jungbäume Probleme mit der Fernwärmeleitung bekommen, da die trotz guter Isolierung Wärme abgebe. Die Bäume würden somit nicht in die Winterruhe kommen, erklärte er. Für die Nachpflanzungen werde in Kürze ein externer Umweltplaner beauftragt, der entsprechende Vorschläge ausarbeiten werde, teilte Behrens im Nachgang zur jüngsten Sitzung mit.

Ob die Fernwärme grundsätzlich alternativlos sei, wollte Hans-Peter Volkmann (CDU) vom SWB-Sprecher wissen. Behrens verneinte. Die Nutzung von Erdwärme sei beispielsweise eine elegante Lösung, sei aber deutlich teurer. „Für bezahlbare Wärmeversorgung ist Fernwärme gut geeignet“, sagte er. „Wir haben den Müll und können ihn so möglichst effizient nutzen.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+