Beirat Schwachhausen beschließt Forderungskatalog

Mehr Bahnverkehr ja, mehr Lärm nein

Schwachhausen. Wenn sich die Regionalkonferenz der Stadtteilparlamente mit dem Bahnlärm befasst, geht der Beirat Schwachhausen mit konkreten Vorstellungen und Forderungen in die Beratungen. Auf der jüngsten Sitzung schloss sich die Mehrheit einem entsprechenden Antrag der Grünen an. CDU und FDP enthielten sich der Stimme.
29.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Bahnverkehr ja, mehr Lärm nein
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Wenn sich die Regionalkonferenz der Stadtteilparlamente mit dem Bahnlärm befasst, geht der Beirat Schwachhausen mit konkreten Vorstellungen und Forderungen in die Beratungen. Auf der jüngsten Sitzung schloss sich die Mehrheit einem entsprechenden Antrag der Grünen an. CDU und FDP enthielten sich der Stimme.

Streitpunkt zwischen der Bahn einerseits sowie zahlreichen Beiräten und Anwohnern der Bahnlinie andererseits ist die Lärmbelastung durch den Ausbau von Gleis 1. Durch die Baumaßnahme will die Bahn ihre Kapazitäten im Güterverkehr deutlich erhöhen. Für den Beirat und insbesondere für die Grünen bedeutet dieser Konflikt einen Spagat. Einerseits wird die Verlagerung von Transportgütern von der Straße auf die Schiene ausdrücklich begrüßt. Andererseits will man aber auch die Belastung der Anwohner verringern.

Umrüstung von Güterwaggons

In seinem Antrag fordert Schwachhausen nicht nur aktive Lärmschutzmaßnahmen für die betroffenen Wohngebiete. Auch die Bürger sollen gehört werden und ein Mitspracherecht erhalten. Oberste Priorität soll aber vor allem die Umrüstung von Güterwaggons bekommen. Der Beirat fordert die Bahn auf, alte Brems- und Achssysteme durch moderne, leisere Systeme zu ersetzen. Ferner verlangt der Beirat unter anderem eine Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge. In diesen Punkten sind sich Politiker und Anwohner einig. Hans-Jürgen Kröger aus der besonders betroffenen Hohenlohestraße fragte, warum die Bahn bislang nicht zu der Forderung nach Tempo 30 Stellung genommen habe. Dies holte Matthias Oetting von der DB ProjektBau postwendend nach. "Eine Temporeduzierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Strecke", sagte er. Eine solche Maßnahme sei nicht machbar. Für diese Argumentation zeigte Beiratssprecher Ralph Saxe Verständnis. Aus

wirtschaftlichen Gründen sei die Haltung nachvollziehbar. Andererseits gelte es, die gesundheitliche Gefährdung für die Anwohner abzustellen. Dazu sei die Behandlung des Themas in den Regionalkonferenzen das "einzig mögliche" Mittel, so Saxe.

Laut Hans-Jürgen Kröger sind in Bremen 120000 Menschen vom Bahnlärm betroffen. Bis 2015 werde sich die Anzahl der Güterzüge verdoppeln. Auch ihre Länge werde zunehmen. Insofern müsse langfristig eine andere Trasse gefunden werden.

Oetting stellte dem Beirat die geplanten Lärmschutzmaßnahmen vor. Danach ist südlich und nördlich der Bahnstrecke eine drei Meter hohe Schallschutzwand geplant. Durch die Böschung an der Hohenlohestraße werde der Aufbau teilweise bis zu fünf Meter hoch. Weil der Effekt vor allem nachts wegen der niedrigeren Grenzwerte nicht ausreicht, wird es für die Anwohner zusätzliche passive Lärmschutzmaßnahmen geben, etwa an Fenstern, Gauben und Dächern. Wer Anspruch hat, wird durch die Untersuchung eines Schallgutachters bestimmt. "Kosten entstehen den Anwohnern nicht", stellte Oetting klar. Wegen des Schattenwurfs durch die Wand seien nicht alle Anwohner von der Maßnahme begeistert. Für den Barkhof wird es sowieso eine andere Lösung geben. Untersuchungen haben dort selbst bei einer sechs Meter hohen Wand keine Lärmminderung gezeigt. Die Bahn setzt in dem Bereich daher komplett auf passive Maßnahmen.

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