Gründerin „Omas gegen Rechts“

Monika Salzer auf Lesereise in Bremen

Die Gründerin der Bewegung "Omas gegen Rechts" machte am Wochenende im Forum Kirche an der Hollerallee halt. Bei ihrem Auftritt kritisierte die Österreicherin die politischen Verhältnisse ihrer Heimat.
20.10.2019, 20:17
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Von Hanni Steiner
Monika Salzer auf Lesereise in Bremen

Monika Salzer , Gründerin der „Omas gegen Rechts“, las im Forum Kirche.

Christina Kuhaupt

Sie wollen „dem Rad in die Speichen fallen“, bevor der Karren im braunen Morast landet. Der oft zitierte Satz des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, Dietrich Bonhoeffer, ist für Monika Salzer ein Leitmotiv. Die Gründerin der wachsenden Bewegung der „Omas gegen Rechts“ ist zurzeit auf Lesereise durch Norddeutschland. Am Wochenende machte sie auch in Bremen Station. Auch vier Opas saßen im Forum Kirche an der Hollerallee zwischen den rund 50 Frauen – Opas sind in der Bremer Initiative willkommen.

Kritik an der Politik

Monika Salzer, evangelische Theologin und Psychotherapeutin, geht als Österreicherin mit den politischen Verhältnissen in ihrer Heimat hart ins Gericht. Sie führte die von 2017 bis zum Mai dieses Jahres regierende rechtsnationale Koalition aus ÖVP und FPÖ als warnendes Beispiel für ein langsames Gleiten in eine illiberale Demokratie oder Schlimmeres vor: durch finanzielle Austrocknung zivilgesellschaftlicher Gruppen, Umbau des Verwaltungsapparats, Einflussnahme auf die Medien, Umbau der Sozialsysteme. Den Bogen überspannt hatte die Regierung schließlich mit einem Gesetz zur Einführung der 60-Stunden-Arbeitswoche – und das inzwischen bekannte Ibiza-Video, das Kungeleien des ehemaligen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache (FPÖ) aufdeckte, ließ das Fass endgültig überlaufen.

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Eine solche Entwicklung lässt den Omas mit den charakteristischen roten Mützen keine Ruhe, nicht nur in Österreich. Aus einer Keimzelle von sieben Frauen wurde 2017 in Wien eine Facebookgruppe und schließlich ein Verein mit zunächst 400 Mitgliedern. „Das hat Ruhe reingebracht“, bekennt Monika Salzer, denn das rasante Wachstum der Initiative habe zunächst Chaos verursacht. Inzwischen gibt es eine Struktur, ein Grundsatzprogramm, Webseiten – und das Buch der 71-jährigen Gründerin.

„Das ist kein literarisches Werk“, betont die Autorin. Sein Titel: „Omas gegen Rechts – Warum wir für die Zukunft unserer Enkel kämpfen“, erschienen im September 2019 im Droemer-Verlag in München. Es ist Vieles zugleich: ein gut lesbar geschriebenes Manifest, ein Bericht über den Werdegang der Initiative, eine Analyse rechten Machtstrebens und ein Rückblick auf die Entwicklung Monika Salzers zu dem, was sie heute ist: die politisch hellsichtige, energische und gleichzeitig charmante Speerspitze an einer Bewegung älterer Frauen.

"Das ist unsere Demokratie und die lassen wir uns nicht zerstören!"

„Wir sind alle politisch denkende, kompetente Frauen, die die Demokratie für ihre Kinder und Enkel erhalten wollen“, sagt sie. „Das ist unsere Demokratie und die lassen wir uns nicht zerstören!“ Dass diese Frauen nicht in Küche und Keller für die Familie arbeiten, strickend still in der Ecke sitzen und die Politik den Männern überlassen, stößt vor allem bei diesen auf Ablehnung.

Und so ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ein zweiter wichtiger Strang in dem Buch und in der Arbeit der Omas: „90 Prozent abwertender Reaktionen auf unser Auftreten stammen von Männern“, resümiert
Monika Salzer und die Frauen im Forum Kirche nicken. Sie kennen das auch in Bremen nur zu gut. Oft sind sie auch auf den „Fridays for future“-Demonstrationen unterwegs – und die jungen Leute finden die Omas einfach cool.

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Eines eint beide Bewegungen: „Die wahre Revolte liegt heute in der Sanftheit“, urteilte die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 26. September. Das ist ungewöhnlich. Keine Flaschenwürfe, keine brennenden Barrikaden. Dafür aber etwas, womit Rechte nicht so gut umgehen können: Humor. Auch an diesem Abend in Bremen wurde viel gelacht.

Weitere Veranstaltungen der Omas in Norddeutschland sind im Internet unter „Omas gegen Rechts Bremen“ aufgelistet. Eine ganz besondere gibt es am 6. November um 19 Uhr im Lagerhaus, Schildstraße 12-19: Der türkischstämmige deutsche Journalist von der Tageszeitung „Welt“, Denis Yücel, der in der Türkei in Haft war, liest aus seinem Buch.

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