Neue Pastorin in St.-Remberti-Gemeinde

Neue Pastorin frisch im Amt

Esther Joas hat am 1. November ihre Pfarrstelle in der St.-Remberti-Gemeinde angetreten. Die 35-Jährige freut sich auf ihre Aufgaben und die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen und die Arbeit in der Geminde.
03.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth

Wunderschön, nicht zu groß und richtig heimelig sei sie, die Kirche der evangelischen St. Remberti-Gemeinde, schwärmt Esther Joas. Sie habe den Bau mit dem weit herabgezogenen Walmdach sofort ins Herz geschlossen. Noch dazu erinnere er sie mit dem vielen Grün drum herum an ihre Heimatkirche in Utting am Ammersee. Genauso warme Worte hat die Pastorin für ihre neue Gemeinde. „Die Menschen zeichnet ein hohes ehrenamtliches Engagement aus. Das ist längst nicht selbstverständlich. Unsere Mitglieder sind mit Herzblut bei der Sache und leisten wertvolle Arbeit.“ Seit dem 1. November vervollständigt sie das Pastorenteam der St.-Remberti-Gemeinde in Schwachhausen. Die 35-Jährige freut sich auf ihre Aufgaben und die Zusammenarbeit mit Isabel Klaus und Uli Bandt. Der intensive Austausch biete die Möglichkeit, sich gegenseitig zu inspirieren und voneinander zu lernen.

Esther Joas Kindheit und Jugend ist geprägt von einem christlichen Umfeld und der Weltoffenheit ihrer Familie. Für das Theologiestudium nahm sie trotzdem einen Umweg. „Ich wurde in Regensburg geboren, habe aber die ersten Lebensjahre in Tansania verbracht. Meine Eltern haben dort als Ärzte in einem Missionskrankenhaus gearbeitet. Sobald ich richtig laufen konnte, bin ich morgens raus aus dem Haus und erst abends wiedergekommen. Meine Eltern brauchten sich keine Sorgen machen, ich war gut versorgt“, berichtet Joas schmunzelnd. Schon als Vierjährige ging sie mit den anderen aus dem Dorf in die örtliche Kirche. „Die drei bis vier Stunden seien wie im Fluge vergangen, da wurde geklatscht und gesungen. Das war ein richtiges Fest.“

Mit sechs Jahren der Kulturschock

Als Esther Joas sechs war, ging es zurück nach Deutschland – per Abenteuer mit dem Toyota durch die Sahara. Bei den Großeltern in Bad Heilbrunn dann der erste Schnee und zugleich ein frühkindlicher Kulturschock. „Deutschland war so ruhig und still. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.“ Die Familie zog nach Oberbayern und die Eltern eröffneten eine Landarztpraxis. Joas besuchte ein nahe gelegenes Gymnasium, das einem katholischen Kloster angeschlossen war. „Ich bin ökumenisch geprägt. Mein Vater ist katholisch, meine Mutter evangelisch. Ich habe eine katholische Schule besucht, wurde aber evangelisch getauft und konfirmiert.“ So engagierte sie sich aktiv in der evangelischen Jugendarbeit ihrer Heimatkirche. Nach dem Abitur ging sie nach München zum Studieren. Sie hatte sich für Medizin entschieden. Schon nach kurzer Zeit stellte sie aber fest, dass die Naturwissenschaft sie mitunter langweilte. Ihr Interesse für die Geisteswissenschaft erwachte indes immer mehr. Besonders die Theologie reizte sie. „Das Studium ist unheimlich vielseitig. Trotzdem habe ich noch fünf Semester lang parallel Veranstaltungen besucht, bis ich mich in Medizin exmatrikuliert habe.“

2016 schloss sie ihr Theologiestudium erfolgreich ab. Noch im selben Jahr ging sie mit Sohn und Lebensgefährten nach Bremen für das zweieinhalbjährige Vikariat. Eigentlich wollte sie promovieren, entschied sich dann aber doch für die Ausbildung zur Pastorin bei der Bremischen Evangelischen Kirche. „Man lernt alle Arbeitsfelder kennen – und lieben, wie in meinem Fall“, erzählt sie schmunzelnd. „Es gibt wohl kaum einen Beruf, der vielfältiger ist. Ich bin so nah dran am Leben der Menschen, darf sie von der Geburt bis zum Tod begleiten. Es ist eine sehr erfüllende Arbeit, für die man manchmal bis an die Grenzen gehen muss, die aber auch unglaublich viel Spaß macht.“ Die Abkehr vom Medizinstudium hat sie nicht im Mindesten bereut. „Während des Vikariats habe ich ein Praktikum in der Krankenhausseelsorge gemacht. Ich weiß noch, welch gutes Gefühl es war, dass ich nicht die gestresste Ärztin war, sondern die Zuhörende, die Zeit hatte, am Bett zu sitzen und einfach nur da zu sein.“ Als Pastorin sei kein Tag wie der andere. Man erlebe die ganze Spannbreite des Menschseins.

Im März 2019 schloss sie ihr Vikariat ab. Anschließend folgte der sogenannte Entsendungsdienst. „In Bremen vertritt man in der Regel Vakanzen und wird dort eingesetzt, wo gerade jemand gebraucht wird.“ Die frisch gebackene Pastorin war zunächst ein halbes Jahr im Gemeindeverbund Immanuel und Walle tätig und wechselte dann in die Wilhadi-­Gemeinde mit dem angegliederten ökumenischen Projekt „Überseekirche“. Dort hat sie unter anderem die Quartierentwicklung begleitet. „Wir konnten viele Projekte anstoßen und verwirklichen. Darunter die große Brachfläche an der Konsul-Smidt-Straße, die wir mit Bambus bepflanzt haben. Etliche Kooperationen sind entstanden, zum Beispiel mit der Hochschule für Künste oder der Gewoba. Leider wurden viele Projekte durch den Lockdown ausgebremst.“

Lange Tradition in der Gemeinde

Seit November bringt sie ihren Tatendrang und ihre Ideen in die St.-Remberti-Gemeinde ein. So wird sie künftig für den Konfirmandenunterricht zuständig sein. Sie freue sich schon, im Sommer das erste Mal mit einer Gruppe ins Freizeitheim nach Hohenfelde an die Ostsee zu fahren. Das sei eine Tradition, die bereits Generationen von Gemeindemitgliedern erleben durften. Eine Herzenssache ist der Pastorin die Öffnung der Kirche hin zur Stadt als auch für andere Lebensformen, Kunst und Kultur. Wie können unterschiedliche Gottesdienstformate Menschen verschiedener Generationen und Lebenssituationen erreicht werden? „In unserer Gemeinde funktioniert vieles sehr gut. Es gibt gewachsene Strukturen“, sagt Joas. „Leider ist es momentan nicht so einfach für mich, die Gemeindemitglieder persönlich zu treffen. Viele kenne ich bisher nur vom Telefon. Hinzu kommt, dass die Maske das persönliche Gespräch erschwert und die Distanz erhöht, dadurch das ein Großteil der Mimik verborgen bleibt.“

Coronabedingt muss zudem ihre Einführungsfeier in das nächste Jahr verschoben werden. Auch Pastorinnen und Pastoren würden derzeit viel Homeoffice machen und sich per Zoom-Konferenz austauschen, berichtet die Theologin. Die Entscheidung im Frühjahr, dass Seelsorger nicht in Pflegeheime gehen durften, hält sie für eine Fehlentscheidung. „Kirchen und Glaube sind ein stabilisierender Faktor, das wird oft vergessen. Natürlich gibt es Menschen, die derzeit nicht den Gottesdienst besuchen mögen. Für diejenigen haben wir ein Online-Format geschaffen, das zeitgleich zum Sonntagsgottesdienst ausgestrahlt wird.“ Für die Adventszeit hat die Gemeinde Aktionen im Freien geplant. Es fehlen einfach Feste, gemeinsam zu essen und zu trinken, sagt Joas. Die Menschen brauchen jetzt umso mehr etwas Warmes für die Seele.

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