Rattenplage und Toilettenproblem Wie der Nelson-Mandela-Park belebt werden soll

Eine neue Projektgruppe aus dem Stadtteil will Ideen zur Verbesserung der Zustände im Nelson-Mandela-Park zusammentragen. Große Probleme bereiten Ratten sowie die Nutzung von Obdachlosen als Toilette.
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Von Maren Brandstätter

Der Nelson-Mandela-Park soll belebt werden – auf diesen Plan verständigte sich der Beiratsausschuss für Soziales, Integration, Jugend und Kultur in seiner jüngsten Sitzung per Videokonferenz. Der Ansatz ist einer von mehreren, um die Aufenthaltsqualität für Menschen im Park nahe des Hauptbahnhofs zu erhöhen und zugleich gegen die dort zahlreich lebenden Ratten vorzugehen. Da deren Nahrungsquelle laut Bremer Umweltbetrieb (UBB) zum Großteil aus Vogelfutterresten und nicht entsorgten Essensabfällen besteht, will der Ausschuss durch eine Belebung des Parks hier auch die soziale Kontrolle verbessern.

Ein weiterer Ansatz, den Rattenbestand am Wachsen zu hindern, könnten nach Ansicht von Gabriele Schmidt (Linke) vogelsichere Abfallbehälter sein. Dadurch könne möglicherweise vermieden werden, dass Essensreste von Vögeln aus den Mülleimern auf den Boden befördert werden, wo sich dann wiederum die Ratten bedienen könnten. Außerdem sollten Schmidts Ansicht nach Schilder aufgestellt werden, mit denen Parkbesucher aufgefordert werden sollen, das Füttern von Vögel zu unterlassen und ihre Essensreste in den dafür vorgesehenen Müllbehältern zu entsorgen.

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Ortsamtsmitarbeiter Thomas Berger berichtete aus einem Gespräch mit dem UBB, dass in jüngster Zeit diverse Anstrengungen unternommen worden seien, um die Situation vor Ort zu verbessern. Sträucher und Büsche seien massiv zurückgeschnitten worden, was erhebliche Müllhinterlassenschaften offenbart habe. Außerdem habe der UBB die Müllbehälter im Park angeschweißt, da sie immer wieder von Unbekannten umgestoßen worden seien.

Das Aufkommen der Vogelfutterreste indes sei den Beobachtungen der Mitarbeiter zufolge tendenziell etwas zurückgegangen, berichtete Berger. Da die Kapazitäten für die Parkreinigung perspektivisch nicht ausreichend seien, habe der UBB für das kommende Jahr Sondermittel beantragt. Derzeit sei die zur Verfügung stehende Zeit für die Reinigungsarbeiten auf einen Tag in der Woche begrenzt.

Futterreste in erheblichen Mengen

Als Ausschussmitglied und Anwohner in Personalunion war Kay Middendorf (CDU) der Sitzung zugeschaltet. Er sei mittlerweile zum Sorgentelefon der Anwohner geworden, berichtete er, hob allerdings auch positiv hervor, dass die Rückschnittarbeiten des UBB Wirkung gezeigt hätten. Dadurch entfalle nun unter anderem die Möglichkeit, Drogen in den dichten Sträuchern zu verstecken. Besonders verheerend sei der Ordnungszustand im Park nach lauen Sommernächten, berichtete Middendorf weiter. Dann werde der Park zum Aufenthaltsort für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, die dort ihren Müll hinterließen. Die Beobachtungen des UBB zum Rückgang der Vogelfutterreste teilte Middendorf nicht. Es fänden sich nach wie vor Futterreste in erheblichen Mengen im Park. Ohne regelmäßige Kontrollen des Ordnungsdienstes lasse sich die Situation seiner Einschätzung nach perspektivisch nicht verbessern.

Die Präsenz des Ordnungsdienstes habe erfahrungsgemäß zur Folge, dass illegale Müllentsorgung nur für den Moment unterbleibe, wandte Jens Körber vom Senator für Inneres ein. Als sinnvoll erachtete er die Anregung von Wiebke Feuerhake (Grüne), den Park zu beleben und dadurch für die Bürger attraktiver zu machen. Dabei sei der Stadtteil gefordert, Ideen zu entwickeln, die dann mit dem UBB abgestimmt werden könnten. Bezüglich der Vogelfutterreste verwies Körber auf das stadtweite Fütterungsverbot für Tauben, dass sich derzeit in Vorbereitung befinde. Um die Rattenpopulation in den Griff zu bekommen, lege Immobilien Bremen zudem regelmäßig Rattengift aus.

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Ein fast noch größeres Ärgernis als die Rattenpopulation ist für die Anwohner laut Middendorf die Nutzung des Parks von Obdachlosen als Toilette. Das Toilettenproblem sei in der Stadt allgemein ein schwieriges Thema, das man bei Inneres aber auf dem Zettel habe, erklärte Körber. Ohne regelmäßige Betreuung würden öffentliche Toiletten schnell als Raum zum Drogenkonsumieren umgenutzt, sagte er.

Toilettengutscheine für die Bahnhofstoiletten

In diesem Zusammenhang hoffe er, dass der neu eingerichtete Konsumentenraum an der Friedrich-Rauers-Straße stärker von den Drogenabhängigen genutzt werde. Ein Prozess, der erfahrungsgemäß Geduld erfordere, wie Cornelia Barth, Leiterin der ambulanten Drogenhilfeorganisation Comeback, berichtete. Middendorfs Anregung, den Obdachlosen täglich einen Toilettengutschein für die Bahnhofstoiletten auszuhändigen, um die Situation im Park zu entspannen, hielt Barths Kollege Sebastian Hecht nicht für praktikabel. „Die meisten Obdachlosen haben im Bahnhof Hausverbot“, berichtete er. Zielführender sei es, das Angebot an öffentlichen Toiletten auszuweiten.

Der Ausschuss verständigte sich schließlich darauf, als nächsten Schritt mit dem UBB über die Möglichkeiten zu sprechen, Hinweisschilder und vogelsichere Müllbehälter im Park aufzustellen. Zudem unterstützt der Ausschuss den UBB in seinem Antrag auf zusätzliche Mittel für die Parkreinigung. Des Weiteren haben sich Wiebke Feuerhake, Kay Middendorf, Gudrun Löser-Dee (CDU) und Gabriele Schmidt bereit erklärt, sich als neue Projektgruppe Gedanken dazu zu machen, wie sich der Nelson-Mandela-Park beleben lasse.

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