Grundstück an der Nancystraße wird noch geprüft Neuer Kita-Standort in Schwachhausen ruft Unmut hervor

Schwachhausen. Unlängst wurde der geplante Bau einer neuen Kita auf dem Spielplatz Arensburgstraße wegen des großen Protests der Anwohner wieder zu den Akten gelegt. Jetzt regt sich Widerstand gegen eine Bebauung der Grünfläche an der Ecke Nancy- und Vionvillestraße.
23.08.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neuer Kita-Standort in Schwachhausen ruft Unmut hervor
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Das Thema Kinderbetreuung ist in Schwachhausen offenbar immer für Aufregung gut. Unlängst wurde der geplante Bau einer neuen Kita auf dem Spielplatz Arensburgstraße wegen des großen Protests der Anwohner wieder zu den Akten gelegt. Jetzt regt sich Widerstand gegen eine Bebauung der Grünfläche an der Ecke Nancy- und Vionvillestraße.

Dort prüft die Sozialbehörde, ob der Platz für eine kleine Einrichtung zur Kinderbetreuung ausreicht. Auf der jüngsten Sitzung des Schwachhauser Beirats begründete Heidemarie Rose von der Jugend- und Sozialsenatorin die Notwendigkeit, in Schwachhausen weitere Plätze einzurichten. Danach liegt die Nachfrage bei den drei- bis sechsjährigen Kindern höher als das Angebot. In der jüngeren Vergangenheit haben Eltern deswegen oft nicht ihren Wunschplatz erhalten und mussten recht weite Wege in Kauf nehmen. 'Diese Situation ist nicht zufriedenstellend', so Rose.

Steigende Geburtenzahlen erwartet

Bei den unter Dreijährigen beträgt die Versorgungsquote 22,6 Prozent. 'Das ist eine gute Zahl, sie wird der Nachfrage aber nicht gerecht', sagt Heidemarie Rose. Für die Zukunft sei wegen der steigenden Geburtenzahlen im Stadtteil eine Verschärfung der Situation zu erwarten. 'Die Entwicklung der Kinderzahlen in Schwachhausen ist positiv, aber wir müssen die Infrastruktur entsprechend anpassen', betonte die Vertreterin der Behörde. Zumal in der benachbarten Östlichen Vorstadt und in Mitte auch eine hohe Nachfrage nach Kinderbetreuung vorhanden sei, die sich bis nach Schwachhausen auswirke.

Dieser Druck wird nur teilweise durch den neuen italienischen Kindergarten einer Elterninitiative aufgefangen. Die Verträge sind nach persönlicher Intervention von Bau-Staatsrat Wolfgang Golasowski unter Dach und Fach, sodass eine neue Einrichtung gebaut werden kann. 50 bis 60 Kinder sollen dort in Schwachhausen einen Platz finden. Die Investitionskosten betragen rund eine Million Euro.

Außerdem hat die St.-Ansgarii-Kirchengemeinde in der Hollerallee eine Voranfrage für einen Erweiterungsbau gestellt. Sie möchte bis zu zwei zusätzliche Gruppen für jeweils acht Kinder unter drei Jahre sowie 20 Drei- bis Sechsjährige unterbringen. Eine Sprecherin der Kirchengemeinde sagte, sie habe viele Eltern verzweifelt erlebt, weil sie keinen Platz für ihre Kinder hätten finden können. Sie sprach sich nachdrücklich für weitere Einrichtungen im Stadtteil aus. Es müsse ein Miteinander von Jung und Alt geben.

Dieser Satz setzte einen vorläufigen Schlusspunkt unter eine Diskussion, die Beiratssprecher Ralph Saxe (Grüne) als 'Streit um ungelegte Eier' bezeichnete. Zwar vertritt die Behörde die Ansicht, dass ein weiterer Kita-Bau mit 40 bis 60 Plätzen unumgänglich sei. Konkrete Pläne für das Gelände an der Nancystraße liegen jedoch noch gar nicht vor. Mit einem Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist vor Ende September nicht zu rechnen.

Die Vorteile dieses Grundstücks aus Sicht der Stadtgemeinde: Es gehört der öffentlichen Hand und ist von der Lage geeignet, um auch Kinder aus den angrenzenden Stadtteilen aufzunehmen. Auf der anderen Seite ist die Fläche mit rund 1200 Quadratmetern nicht nur vergleichsweise knapp bemessen, sondern auch teilweise mit altem Baumbestand bewachsen. 'Das Ergebnis ist völlig offen', versicherte Rose.

Zahlreiche anwesende Anwohner zeigten sich von den Plänen überhaupt nicht begeistert. Sie führten hauptsächlich die jetzt schon 'immense' Verkehrsbelastung der Nancystraße als Argument ins Feld. Wenn dann noch Kinder gebracht und abgeholt werden, wird es völlig katastrophal', so ein Anwohner. Beiratsmitglied Hans-Peter Weigel (Grüne) regte daraufhin an, im Rahmen der Machbarkeitsstudie auch den Verkehr und Möglichkeiten der Entschärfung zu untersuchen.

Ralph Saxe plädierte für eine Abwägung der Interessen. 'Wenn nichts anderes geht und nur der Verkehr dagegen spricht, halte ich das nicht für ein zentrales Argument. Das lässt sich lösen.' Der Beirat fühle sich im Übrigen der Allgemeinheit verpflichtet. Dies schließe auch die ausreichende Kinderbetreuung im Stadtteil ein. Heidemarie Rose warb schließlich um Geduld. Falls der Platz nicht ausreiche, um die Einrichtung wirtschaftlich zu betreiben, werde ein anderer Standort gesucht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+