Jüdischer Kindergarten stellt beim Tag der offenen Tür sein Betreuungsmodell vor / Noch Plätze frei Offen für andere Religionen

Von Carolin Henkenberens
20.01.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Carolin Henkenberens

Schwachhausen. Ob Deutsch, Russisch, Hebräisch oder Englisch: Der Kindergarten der Jüdischen Gemeinde in der Schwachhauser Heerstraße 117 versteht sich als integrative Betreuungseinrichtung. Auch wenn die religiöse Erziehung und der jüdische Glaube fest in das Erziehungskonzept integriert, sind 40 Prozent der betreuten Kinder keine Juden. Die Vorsitzende der Gemeinde, Elvira Noa, erklärte am Tag der offenen Tür das Betreuungsmodell.

Die Räume in der Schwachhauser Heerstraße unterscheiden sich nicht sonderlich von denen eines städtischen Kindergartens: Spielplatz, Mal-Ecke, viel Platz zum Toben. Dennoch gibt es einige Unterschiede.

"Wir feiern mit den Kindern die jüdischen Feiertage und jeden Freitag den Sabbat", erläutert Elvira Noa, die Mitglied im Referat Zuwanderung und Integration der Bürgerschaft ist. "Und wir bereiten nicht-jüdische Familien darauf vor, dass wir kein Weihnachten und Ostern feiern."

Vor dem Essen ein Segensspruch

In den Gruppenräumen hängen Plakate mit den wichtigsten Feiertagen. Als nächstes steht "Purim" an, jüdischer Karneval. Vor dem Essen würden die Erzieherinnen mit den Kindern einen hebräischen Segensspruch sprechen und die Jungen beim Essen die traditionelle Kippa tragen, führt Noa näher aus. Bei Kindern nicht-jüdischer Herkunft gebe es ab und zu ein paar Verwirrungen, gibt Elvira Noa zu. "Aber wir erklären den Kindern alles."

Obwohl jüdische Gebete auf Hebräisch sind, lernen die Kinder es nicht explizit im Kindergarten. "Das wäre eine Überforderung", sagt Noa. "Die meisten müssen erst einmal Deutsch lernen. Wir übersetzen die Gebete für die Kinder und manchmal singen wir die erste Strophe auf Hebräisch, die zweite auf Deutsch und die dritte auf Russisch", berichtet die Gemeindevorsitzende.

Die Gründe, warum jüdische Eltern ihre Kinder zu ihr in den Kindergarten schicken, kennt Noa genau: "Die jüdischen Einwanderer sind oft selbst von ihren Wurzeln so entfremdet, dass sie sich in der Gemeinde zu Hause fühlen." Der Großteil der 1200 Gemeindemitglieder stamme aus Russland oder Staaten der ehemaligen Sowjetunion. "Viele Kinder kennen die Rituale von Zuhause nicht", weiß die Gemeindevorsitzende. Ein weiterer Grund seien die städtischen Kindergärten, vermutet die Gymnasiallehrerin, die bei einigen Eltern nicht beliebt sind. "Bei uns gibt es eine individuellere Förderung und eine wärmere Betreuung", ist Noa überzeugt.

Die Jüdische Gemeinde betreut zurzeit 59 Kinder, davon gehen 40 in den Kindergarten und die übrigen in den Hort. Für die Mädchen und Jungen, die den Hort besuchen, gibt es eine Sonderregelung mit der angrenzenden Grundschule an der Carl-Schurz-Straße. Sie können die Grundschule besuchen, damit sie direkt nach der Schule zum Hort gehen können. Dort warten Hausaufgabenbetreuung und Projektarbeiten auf sie.

Im Kindergarten gibt es einen festen Wochenrhythmus: Montags darf jedes Kind sein eigenes Spielzeug mitbringen, dienstags ist Sport-Tag, jeden Mittwoch steht Basteln auf dem Programm und donnerstags Musikunterricht. Freitags wird Sabbat gefeiert. Zudem können zusätzliche Module wie Kunst-, Tanz- oder Englischunterricht gebucht werden. In der "Mäusegruppe" sind Kinder zwischen drei und vier Jahren untergebracht, die "Katzengruppe" ist für Vorschulkinder. Jeweils zwei Erzieherinnen betreuen eine Gruppe. Und mittags gibt es jüdische Gerichte nach koscherer Art aus zwei verschiedenen Küchen, da im jüdischen Glauben Milch und Fleisch nicht zusammen zubereitet oder gegessen werden dürfen.

Im Kindergartenjahr 2011/12 gibt es noch freie Plätze im Jüdischen Kindergarten, der auch Kinder anderer Religionen aufnimmt. Kontakt und Informationen unter Telefon 4985104

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