Festival "Zwiesprache Lyrik" wird in den Stadtteilen vorbereitet / Zahlreiche Veranstaltungen im März Orte für Banner der Dichtkunst gesucht

Im März wird sich in ganz Bremen alles um die schöne Dichtkunst drehen, denn zum dritten Mal wird die Aktion "Zwiesprache Lyrik" mit Autorenlesungen und Schülerprojekten gestartet. Dann sollen in den Stadtteilen auch große Banner mit zweisprachigen Gedichten zu finden sein. Dieses Jahr werden die öffentlichen Veranstaltungen erstmalig von "Lyrik-Lotsen" auf Stadtteilebene organisiert.
16.01.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sandy BradtKe

Im März wird sich in ganz Bremen alles um die schöne Dichtkunst drehen, denn zum dritten Mal wird die Aktion "Zwiesprache Lyrik" mit Autorenlesungen und Schülerprojekten gestartet. Dann sollen in den Stadtteilen auch große Banner mit zweisprachigen Gedichten zu finden sein. Dieses Jahr werden die öffentlichen Veranstaltungen erstmalig von "Lyrik-Lotsen" auf Stadtteilebene organisiert.

Schwachhausen. Das Organisationsteam der Veranstaltungsreihe "Zwiesprache Lyrik" hatte im vergangenen Jahr mit 60 Terminen ein enormes Pensum zu bewältigen. Um das Programm in diesem Jahr besser handhaben zu können, werden die Programmpunkte nach Stadtteilen aufgeteilt und organisiert. "So fällt es leichter, über alles einen Überblick zu behalten", erläutert die Bremer Autorin Olivia Douglas. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren als Autorin an dem Projekt beteiligt und wird dieses Mal als Schwachhauser Lotsin alles organisieren, was während des Lyrik-Monats in Schwachhausen stattfinden wird. Douglas fungiert dabei auch als Ansprechpartnerin im Stadtteil.

Für Horn-Lehe und die Neustadt konnten bislang noch keine Lotsen gefunden werden. "Es wäre schön, wenn sich für diese beiden Stadtteile noch zwei Leute finden würden, die Lust haben, die Organisation zu übernehmen", sagt Douglas. Bislang laufen die Strippen der lotsenlosen Stadtteile noch bei Heide Marie Voigt aus Kattenturm zusammen.

Dialog fördern

Sie initiierte vor drei Jahren das Projekt "Zwiesprache Lyrik-Soziale Plastik&Stadtraum Bremen". Anlässlich des Welttages der Poesie am 21. März soll die dritte literarische Gattung alljährlich stadtweit in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Neben den Autoren, die eigene Gedichte lesen und mit Musikern und Künstlern anderer Sparten in den Dialog treten, werden auch Schulklassen ihre erarbeiteten Dichtungen vortragen.

In wenigen Wochen geht laut Douglas das Programm in Druck, bis dahin müsse es komplett sein. Wer sich also noch als Autor oder mit einem Lese-Ort an der Aktion beteiligen möchte, sollte sich so schnell wie möglich melden. In Frage kommen etwa Orte wie Schauspielstätten, Bürgerhäuser, Bibliotheken, Buchhandlungen, Geschäfte oder auch Privatleute, die ihre Räume zur Verfügung stellen.

In den Stadtteilen Mitte, Östliche Vorstadt, Schwachhausen, Woltmershausen, Huchting, Horn-Lehe und Vegesack werden noch Hängeorte für die zweieinhalb mal fünf Meter großen Banner gesucht. Die Gedichte stammen aus der ganzen Welt und werden sowohl in der Sprache des Autors als auch in deutscher Sprache auf die Werbebanner gedruckt. Wer eine Fläche anbieten kann, sollte sich ebenfalls bei "Zwiesprache Lyrik" melden.

Die Banner sind für Douglas "ein Gegenpol für das, was wir in der Werbung erleben". Sie sagt: "Jeder weiß eigentlich, dass die Werbung oft lügt. Doch alle nehmen es hin. Für mich als Dichterin ist der leichte Umgang mit Sprache in der Werbung sehr schmerzhaft." Die Autorin verdammt die Werbeindustrie jedoch nicht in Bausch und Bogen. Wortspiele und witzige Werbung findet sie klasse. Die Gesellschaft müsse sich jedoch bewusst machen, "was mit dem Denken passiert, wenn ich legitimiere, dass in der Werbung gelogen wird".

Olivia Douglas lebt seit 40 Jahren in der Hansestadt. Ihre Schulzeit hatte sie in Brüssel verbracht. Dann kam Douglas zum Studieren nach Bremen. Nach dem Studium war sie als Lehrerin tätig. Seit einigen Jahren konzentriert sie sich auf das Schreiben. Douglas ist Mitglied des Bremer Literaturkontors, des Bremer Literaturhauses und Sprecherin des Bremer Autoren-Treffs. Die Übersetzung von Gedichten stellt so manchen Sprachmittler vor eine schwere Aufgabe.

"Es gibt Sprachgrenzen, aber Sprache verbindet auch", erläutert Douglas. Sie findet es spannend, wie ein Gedicht in einer anderen Sprache, einen anderen Charakter bekomme. "Man kann ein Gedicht nicht so einfach übersetzen", sagt Douglas, die neben ihrer Muttersprache auch Französisch und Englisch spricht.

Für ihre Gedichtsammlung "Poesie ohne Grenzen" hat Douglas sechs ihrer Gedichte in die zwei Fremdsprachen übersetzt. Fatma Gürel sollte die Verse auf Türkisch nachdichten. Doch diese fand zunächst nicht die richtigen Worte. "Wir setzten uns dann zusammen und arbeiteten gemeinsam daran", berichtet Douglas. So beschrieb sie ihrer Freundin zum Beispiel, dass man sich nicht nur freut, wenn man "jauchzt", sondern vor Freude sogar in die Luft springt. So fiel es Gürel dann leichter, das Wort auf Türkisch darzustellen.

Die Aktion zum Welttag der Poesie ist Douglas zufolge ein offenes Projekt "für Bremer von Bremern". Neben den Autorenlesungen ist die Arbeit mit Schulklassen in allen Stadtteilen ein wichtiger Bestandteil. Jedes Jahr im Februar schreiben die Schüler eigene Gedichte und tragen diese im März in öffentlichen Veranstaltungen vor. Die Schüler werden dabei von Autoren, Theaterpädagogen und Musikern unterstützt. "Die Jugendlichen haben die Erfahrung gemacht, dass kein Leben unbedeutend ist und auch sie etwas zu erzählen haben", so die Schwachhauserin. Die Reaktionen der jungen Menschen seien für sie sehr spannend gewesen.

Die Autorin ist davon überzeugt, dass jeder Mensch kreativ sein kann. In den Fällen, in denen es manchen schwer falle, ihre Gedanken schöpferisch auszudrücken, sei die Kreativität lediglich durch einen inneren Zensor oder Ängste verschüttet.

Während die Schüler ihre Kreativität neu entdecken, sollen die Besucher der Autorenlesungen vor allem Lyrik erleben. "Auch wenn man nicht alles gleich versteht, können Gedichte einen Menschen trotzdem tief berühren", betont Douglas. Deshalb seien die Veranstaltungen nicht nur etwas für Intellektuelle. "Bremen hat eine tolle Lyrik-Szene, die Leute kommen und hören einfach zu, das ist sehr schön", berichtet Douglas von ihren Erfahrungen bei ihren eigenen Lesungen.

Wer als Veranstalter mitmachen möchte, sich als Lyrik-Lotse engagieren will oder eine Hängefläche für ein Banner anbieten kann, wendet sich per E-Mail an zwiesprache.lyrik@web.de. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 873597.

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