Nobelherberge

Park Hotel in Bremen bekommt Radikalkur für zehn Millionen Euro

Das Park Hotel, Bremens einziges Fünf-Sterne-Haus, wird in den nächsten Monaten von Grund auf renoviert. Eigentümer und Pächter stecken gemeinsam zehn Millionen Euro in die Immobilie.
23.09.2019, 19:09
Lesedauer: 5 Min
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Park Hotel in Bremen bekommt Radikalkur für zehn Millionen Euro
Von Jürgen Hinrichs
Park Hotel in Bremen bekommt Radikalkur für zehn Millionen Euro

Das Park Hotel ist das einzige Fünf-Sterne-Haus in Bremen und besticht durch seine Lage zwischen Hollersee und Bürgerpark.

Frank Thomas Koch

Die Perle Park Hotel soll wieder glänzen – das ist das Ziel in den nächsten Monaten, wenn für das Fünf-Sterne-Haus am Hollersee annähernd zehn Millionen Euro investiert werden. Eigentümer und Pächter der Immobilie haben sich für diesen Kraftakt zusammengetan und stemmen die Kosten der Renovierung gemeinsam. Das Leitmotiv ist Luxus, nur vom Feinsten und entsprechend teuer. Gleichzeitig soll das Hotel ein Ort für die Bremer sein, die am Nachmittag bei Tee und Törtchen oder Cocktails und Canapés in der großen Kuppelhalle sitzen, um sich verwöhnen zu lassen.

„Wir wollen das Haus zu seinen Wurzeln zurückführen“, sagt Jörg Böckeler, Chef der Kölner Hotelkette Dorint, zu der das Park Hotel seit sechs Jahren gehört. Heute weht deshalb die Flagge des Unternehmens vor dem Haupteingang, doch das ist bald Vergangenheit. Zwar bleibt der Pächter der gleiche, aber er drängt sich in Zukunft nicht mehr auf. Das Park Hotel steht dann wieder für sich allein, kein Zusatz mehr im Namen. Zusammen mit den drei anderen Fünf-Sterne-Häusern von Dorint in Deutschland wird es als Luxusmarke beworben. Die Manager haben sich eine Bezeichnung dafür ausgedacht: „Hommage Hotels Luxury Collection“.

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Mehr Gäste und höhere Preise

Böckeler redet nicht lange drumherum: „Wir investieren und wollen dafür mehr Auslastung.“ Aktuell liege das Park Hotel zwischen 65 und 68 Prozent. Das Ziel sei, rund zehn Prozent obendrauf zu packen. Mehr Gäste, aber auch höhere Preise. Heute kann ein Doppelzimmer im günstigsten Fall 120 Euro kosten, Frühstück inbegriffen. Das ist dann vorbei. „Es werden Preise sein, die in Luxushotels üblich sind“, kündigt der Dorint-Chef an.

Dafür muss das Unternehmen aber erst einmal in die Vollen gehen. Das Park Hotel ist eine einzige Baustelle. Überall wird gehämmert, gestemmt und gebohrt. Und das bei laufendem Betrieb. Reine Nervensache, für die Gäste und das Personal. Karsten Kenneweg (44) ist der Direktor, er hat sich seine Lockerheit bewahrt, steht aber unter dem enormen Stress, mit dem größeren Teil der Arbeiten bis zum Ende des Jahres fertig zu sein. „Wir packen zunächst jedes der 100 Zimmer im Haupthaus an“, sagt Kenneweg. Alles raus, heißt das. Die Räume werden mehr oder weniger entkernt. Neue Tapeten, Farben und Teppiche auch auf den Korridoren. Das gleiche in der Kuppelhalle, später in der Bar und im

Restaurant.

Dorint Park Hotel wird saniert - Karsten Kenneweg

„Wir packen zunächst jedes der 100 Zimmer im Haupthaus an“, sagt Direktor Karsten Kenneweg.

Foto: Frank Thomas Koch

Der Direktor führt durch den Eingangsbereich. Er ist schon nicht mehr wiederzuerkennen. Kennewegs Büro – weg. Dort entsteht stattdessen gerade ein Salon, in dem die neuen Gäste begrüßt werden und wo sie auf das Hotel und auf Bremen eingestimmt werden. Auf der anderen Seite des Eingangs wird es nicht mehr den einen Empfang geben, sondern drei kleinere Tresen. Im Ganzen soll eine Atmosphäre entstehen, die ein Erlebnis ist. Von der ersten Minute an etwas Besonderes.

Das 63 Jahre alte Hotel hatte zuletzt Zeiten mitgemacht, die weniger rosig waren. Es gab erkennbar einen Sanierungsstau, auch wenn immer mal wieder Geld in die Immobilie gesteckt wurde. 2004 entstand für mehr als elf Millionen Euro der Ostflügel mit großem Wintergarten. Damals war die Sparkasse Bremen noch unter den Eigentümern. Vier Jahre später wurden die 50 Zimmer im Westflügel komplett erneuert. Und nachdem Dorint übernommen hatte, wurden für drei Millionen Euro der Festsaal und die angrenzenden Banketträume angepackt. Immer noch gab es aber viele Bereiche und Zimmer, die schlicht abgewohnt waren. Die Bar zum Beispiel atmet den verbrauchten Charme der 1980er-Jahre. Sie wird nun von Grund auf erneuert, wohl aber erst im kommenden Jahr.

Kenneweg hat das Hotel von der Pike auf kennengelernt. Er war in dem Haus Lehrling, und ist danach hinaus in die weite Welt mit Stationen in England, Saudi-Arabien, Polen, Südkorea und zuletzt China. Vor zweieinhalb Jahren ist der gebürtige Sulinger zurückgekehrt. In der Dorint-Zeit war es der vierte Wechsel an der Spitze der Bremer Nobelherberge. Nicht gut für ein Haus, das viele Stammgäste hat.

Dorint Park Hotel wird saniert -

Der Eingangsbereich wird von Grund auf neu gestaltet und bekommt einen Salon.

Foto: Frank Thomas Koch

Hinzu kam in der Vergangenheit der erbitterte Streit unter den Eigentümern der Immobilie. Die Sparkasse hatte ihre Anteile an die Bremer Kaufleute Joachim Linnemann und Kurt Zech verkauft. Ziel der beiden war, das Park Hotel der eigenen Atlantic-Hotelgruppe einzuverleiben. Der Mehrheitsgesellschafter, ein Kölner Fonds, war damit nicht einverstanden, er wehrte sich nach Kräften, auch vor Gericht, und setzte sich schließlich durch. Linnemann und Zech sind raus.

Jetzt noch die Bauarbeiten, und dann soll Ruhe sein. Ruhe, Luxus und Gediegenheit. Von den 175 Zimmern, darunter 20 Suiten, werden drei abgeknapst: Zwei für einen Yoga-Raum, eines für das neue Büro des Direktors. Kenneweg bleibt nahe bei den Gästen, das ist ihm wichtig. Er muss sich jetzt sputen, ein Termin. Alle Mitarbeiter des Hotels werden in den nächsten sieben Wochen geschult: Sprache, Gang, Mimik, Make-up, der ganze Habitus, die Haltung. Luxus will gelernt sein.

Dorint expandiert in Bremen

Zur neuen Luxusmarke von Dorint gehören neben dem Park Hotel das Maison Messmer in Baden-Baden, der Söl‘ring Hof auf Sylt und der Nassauer Hof in Wiesbaden. Jedes der vier Häuser hat eine besondere Geschichte und ist stark auf den einzelnen Ort bezogen. Allen gemeinsam soll unter anderem eine Gastronomie sein, die auf lokale Angebote und auf Slow Food setzt. „Für unser Luxussegment brauchen wir eine Hotelpersönlichkeit“, sagt Dorint-Chef Jörg Böckeler im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Das Park Hotel betreibt Dorint seit sechs Jahren. Hinzugekommen sind in Bremen in diesem Jahr das ehemalige Best-Western-Hotel in der Vahr und das Swissôtel am Hillmannplatz, das seit dem 1. Juni den Namen Dorint City-Hotel Bremen trägt. In beiden Fällen sind mit den Eigentümern der Immobilien langjährige Pachtverträge abgeschlossen worden. Böckeler spricht von einem strategischen Wachstum, sein Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland und der Schweiz mehr als 50 Hotels mit zusammen 3300 Mitarbeitern.

Der Kopf hinter Dorint ist seit vielen Jahren Dirk Iserlohe, er führt heute den Aufsichtsrat. Ende 2016 hatte Iserlohe mit anderen Investoren die Finanzholding Honestis AG gegründet, um der kriselnden Hotelkette zu frischem Geld zu verhelfen. Seitdem stehen die Zeichen auf Expansion.

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Neben der Luxusmarke „Hommage“ entwickelt Dorint das Segment „Essential by Dorint“. Das frühere Best-Western-Hotel in der Vahr ist eines der ersten Häuser, das so eingeordnet wurde. Es verfügt über 146 Zimmer und trägt drei Sterne. Böckeler übersetzt Essential mit einem Rund-um-Service: „Das ist Tag für Tag ein Sonntagsfrühstück und jede Hilfe, die ein Gast benötigt.“ In den nächsten sechs bis acht Monaten werde in der Vahr in die Gastronomie investiert, kündigt der Manager an. Für das Dorint City-Hotel, ein Vier Sterne-Haus, sei der Plan, die 230 Zimmer zu renovieren, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

„Wir setzen tiefes Vertrauen in Bremen“, sagt Böckeler. Die Stadt sei mit ihrem hohen Industrieanteil und der internationalen Ausrichtung ein idealer Hotelstandort, allein schon wegen der Geschäftsreisenden. Bremen habe aber auch für Touristen viel zu bieten, die Stadt sei attraktiv und erlebbar. „Dorint bringt Kunden, Dynamik und Kapazitäten mit, so haben beide Seiten etwas davon“, erklärt der Geschäftsführer.

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