Nelson-Mandela-Park

Ausführlich, aber nicht ergiebig

Im Mai hatte der Beirat Schachhausen einem Beschluss zur Rattenplage im Nelson-Mandela-Park gefasst. Fünf Monate mussten die Stadtteilpolitiker auf Antwort warten. Nun kam das Schreiben aus dem Innenressort.
09.11.2020, 05:00
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Von Maren Brandstätter

Fünf Monate nach seinem Beschluss zur Rattenplage im Nelson-Mandela-Park (wir berichteten) hat der Beirat Schwachhausen jetzt ein Antwortschreiben aus dem Innenressort bekommen. Der Beirat möge die verspätete schriftliche Stellungnahme entschuldigen, heißt es darin eingangs. Für eine umfassende Beantwortung seien Abstimmungsprozesse mit der Senatorin für Umwelt (SKUMS) sowie Gesundheit (SGFV) nötig gewesen, die insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie etwas mehr Zeit in Anspruch genommen hätten.

Zur Kernfrage des Beiratsbeschlusses, wie der Infektionsschutz aufgrund der seit Jahren bestehenden Rattenplage im Nelson-Mandela-Park gewährleistet werden soll, heißt es in dem Schreiben des Innenressorts, dass der Seuchenschutz der Senatorin für Gesundheit obliege. Von dort werde zum wiederholten Mal ein Schädlingsbekämpfer beauftragt, in diesem Fall über Immobilien Bremen (IB). Die Problematik sei bekannt, habe man dem Innenressort versichert, und es werde in regelmäßigen Abständen Gift ausgelegt. Ebenso wie der Beirat sei der Verantwortliche bei IB allerdings der Ansicht, dass das Gift keine nachhaltige Wirkung zeigen werde, ohne die Ursache zu bekämpfen. Und die liege im ausgesprochen guten Nahrungsangebot für Ratten, das im Nelson-Mandela-Park zurückgelassen werde.

In diesem Zusammenhang sei dem Ressort von Jugendgruppen berichtet worden, die sich regelmäßig am Antikolonialdenkmal aufhielten, und dort Nahrungsmittel zurückließen. „Wir haben daher den Verein Vaja angeschrieben und darum gebeten, dass die Streetworker die Jugendlichen sensibilisieren“, heißt es in dem Schreiben an den Beirat. Auch Menschen ohne Obdach hinterließen im Nelson-Mandela-Park Lebensmittel, die den Ratten als Nahrung dienten. So habe etwa das Zelt der Suppenengel von März bis Juli auf der Bürgerweide trotz ausreichender Müllgefäße und Polizeipräsenz liegengelassene Lebensmittel mit sich gebracht. Mittlerweile hätten allerdings die dezentralen Hilfsorganisationen sukzessive wieder geöffnet, sodass man eine Entlastung des öffentlichen Raums erwarte.

Der Umweltbetrieb Bremen (UBB) reinigt nach Auskunft der Innenbehörde einmal pro Woche die Grünflächen im Nelson-Mandela-Park und leert die Abfallbehälter je nach Bedarf.

Dabei sei den Mitarbeitern aufgefallen, dass sich die starke Rattenpopulation nicht nur durch achtlos liegengelassene Lebensmittelreste, sondern auch durch ausgestreutes Vogelfutter entwickelt habe. Aus dem Umweltressort habe es dazu jüngst die Rückmeldung gegeben, dass ein stadtweites Taubenfütterungsverbot gemeinsam verfolgt werden könne, sofern dabei Ausnahmen – etwa für Vereine – geregelt würden. Ein entsprechender Vorschlag für eine Allgemeinverfügung werde in Kürze auf den Weg gebracht.

Beim Gesundheitsressort sei von Inneres außerdem angeregt worden, eine Strategie zur Rattenbekämpfung für Bremen zu entwickeln, die Privateigentümer einbinde, um mehr Wirkung zu erzeugen. Beispielsweise könnte die regionale Rattenbekämpfung der Stadt stärker öffentlich kommuniziert werden und Privatpersonen gebeten werden, sich zeitgleich einzubringen. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung infolge der Corona-Pandemie habe sich das Gesundheitsressort mit dem Thema bislang allerdings noch nicht näher befassen können.

Was das Ahnden von liegengelassenem Müll im Nelson-Mandela-Park betrifft, teilt die Innenbehörde mit, dass ordnungsrechtliche Maßnahmen hier nur schwer durchzusetzen seien. „Das liegt daran, dass die Müllverursacher den Müll nicht genau in dem Moment entsorgen, wenn Ordnungskräfte in der Nähe sind“, heißt es in dem Schreiben der Behörde. Die Zuordnung des Mülls im Nachhinein sei indes nur in seltenen Fällen möglich. Das Aussprechen von Platzverweisen wiederum sei nur dann möglich, wenn es zur Abwendung einer Gefahr erforderlich sei. Zudem müsse ein Platzverweis sehr gut begründet sein und würde vermutlich nur in wenigen Ausnahmefällen helfen.

Die Stellungnahme des Senators sei ausführlich – das zeige, dass man sich über das Problem Gedanken mache, kommentiert Beiratssprecherin Gudrun Eickelberg (Grüne) die Stellungnahme von Inneres. „Im Ergebnis kommt aber nicht viel rum“, kritisiert sie. „Die Rattenproblematik besteht seit Jahren, die getroffenen Maßnahmen sind demnach nicht ausreichend.“ Der Verein Vaja sei in der Vergangenheit auch vom Beirat schon gebeten worden, vor Ort tätig zu werden, und das Taubenfüttern für Vereine zuzulassen, schaffe das Problem auch nicht aus der Welt. „Durch die Verdrängung bestimmter Bevölkerungsgruppen vom Bahnhof hat man etliche Probleme in benachbarte Gebiete verschoben, ohne sich dort dann zu kümmern“, sagt Eickelberg. „Das gilt für den Bereich um den Rudolf-Hilferding-Platz, für die Wallanlagen und eben auch für den Nelson-Mandela-Park.“

Der Beiratsausschuss für Soziales wird das Thema auf die Tagesordnung seiner nächsten Sitzung setzen, die bislang allerdings noch nicht terminiert ist.

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