Bremer Die Partei-Mitglied im Interview

Sandor Herms: „Ich werde von der Basis ausgelacht“

Sandor Herms (Die Partei) verdankt sein Mandat im neu gewählten Schwachhauser Beirat einem Kniffel-Sieg. Im Interview spricht er darüber.
25.06.2019, 11:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Sandor Herms: „Ich werde von der Basis ausgelacht“

Sandor Herms im Porträt für Interview Stadtteilkurier am 24.6.

Sandor Herms

Herr Herms, mit Ihnen wird erstmals ein Mitglied einer Spaßpartei im Schwachhauser Beirat sitzen – waren Sie auf diesen Ernstfall vorbereitet?

Sandor Herms: Sie irren sich, die FDP saß auch schon vorher im Beirat. Mit mir zieht erstmals eine seriöse Kleinpartei ein. Und ja, ich habe bereits vor der Wahl angefangen trockene Beiratslektüre zu lesen, wie zum Beispiel alte Protokolle oder dieses Ortsgesetz da. Ich war und bin also bestens vorbereitet.

Fürchten Sie, dass die anderen Fraktionen Sie nicht ernst nehmen, oder hoffen Sie drauf?

Das ist mir relativ egal. Wer Die Partei nicht ernst nimmt, wird von mir auch nicht ernst genommen

Für die Kurfürstenallee wollen Sie künftig Mautgebühren von Nicht-Schwachhausern erheben. Was soll mit dem unverhofften Geldsegen passieren?

Geldsegen? Die Mauteinnahmen sollen lediglich der Erhaltung des Mautbetriebs dienen. Quasi als völlig sinnlose Beschäftigungstherapie für den Beirat, die aber immerhin Arbeitsplätze schafft.

Sie glauben nicht, dass etwas Geld für den Beirat übrig bliebe? Die Kurfürstenallee ist doch gar nicht schlecht frequentiert.

Wie gut die Kurfürstenallee noch frequentiert sein wird, hängt davon ab, ob wir die Schwachhauser Heerstraße erfolgreich in eine Fahrradstraße umwandeln. Falls dann trotzdem Geld übrig bleibt, lassen wir Hindernisparcours auf die Kurfürstenallee bauen.

Glauben Sie, dass Ihr Vorschlag, die Schwachhauser Heerstraße zur Fahrradstraße umzuwidmen, im Beirat durchgewunken wird, oder rechnen Sie mit kritischen Anmerkungen aus den anderen Fraktionen?

Man sollte bei unseren Anträgen auf alles gefasst sein. Immerhin wird Hannover dieses Jahr auf Antrag von Die Partei eine Hansestadt.

Um das Problem der Viertquartalskinder in den Griff zu bekommen, haben Sie ein Verbot von ungeschütztem Geschlechtsverkehr im ersten Quartal vorgeschlagen – wie stellen Sie sich die Überwachung dieser Regelung vor?

Videoüberwachung ist da die beste Lösung. Dann fühlt man sich auch gleich viel sicherer in den eigenen vier Wänden. Sprachassistenten könnten Paare zudem an die Verhütung erinnern, wenn sie verdächtige Geräusche wahrnehmen.

Sehen Sie die Überwachung im Ressort Kinder und Bildung oder bei Inneres angesiedelt?

Beim Innenressort. Die weiten doch eh gerade die Videoüberwachung aus.

Um Neueinstellungen wird man dann wohl nicht herumkommen – wie hoch schätzen Sie die Bewerberresonanz ein?

Oh, die wird aus unangenehmen Gründen sehr hoch sein.

Bei so vielen konstruktiven Vorschlägen werden Sie der Partei-Parole „Inhalte überwinden“ nicht wirklich gerecht – gab es bereits Kritik von der Basis?

Unsere Vorschläge waren schon immer kon­struktiv und sehr gut, wie zum Beispiel unsere geplante Pyramide. Ich werde eher von der Basis ausgelacht, weil ich jetzt vier Jahre zu langweiligen Beiratssitzungen hin muss.

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War das nicht Ihr erklärtes Ziel?

Doch schon, ich habe mir meinen Listenplatz für die Beiratswahl hart bei einer Runde Kniffel gegen meine drei Mitbewerber erkämpft. Aber ich glaube, nicht jeder in der Basis ist wirklich neidisch auf ein Beiratsmandat, ganz im Gegenteil.

Mit den immensen Baukosten für eine Pyramide am Hauptbahnhof will Ihre Satirepartei sicherstellen, dass Bremen seinen Status als Schlusslicht der Republik behält – sähen Sie den andernfalls in Gefahr?

Ne, nicht wirklich. Aber sicher ist sicher. Und Schlusslicht hin oder her, eine Pyramide wäre einfach supertoll. Und auch deutlich schöner als dieses neue City Dings da am Bahnhof.

Wenn Sie es sich aussuchen dürften: Neben welcher Fraktion hätten Sie im Beirat gerne Ihren festen Platz?

Als jüngstes Mitglied im Beirat würde ich gerne neben einigermaßen Gleichaltrigen sitzen. Dann können wir heimlich in der letzten Reihe lustige Youtube-Videos gucken und verlegen kichern, bis wir von der Ortsamtsleiterin ermahnt werden und nach der Sitzung zur Strafe die Geschäftsordnung dreimal an die Tafel schreiben müssen.

Das Gespräch führte Maren Brandstätter.

Info

Zur Person

Sandor Herms ist Langzeitstudent. Der 25-Jährige ist in den USA geboren, in Bremen aufgewachsen und lebt seit fünf Jahren in Schwachhausen.

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