Jonas und Lukas Korn haben die Debatten um den Elefanten recherchiert / Landespreis des Bundespräsidenten

Schüler erforschen Kolonialgeschichte

Schwachhausen. Mit einer Arbeit über das Antikolonialdenkmal, das dem Hermann-Böse-Gymnasium direkt gegenüber steht, hat Jonas Korn zusammen mit seinem Bruder Lukas die Geschichte des Elefanten aufgearbeitet. Im Juni haben beide bereits den Landespreis des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten gewonnen. Jetzt könnten sie auch auf Bundesebene ausgezeichnet werden.
06.10.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sandy Bradtke

Schwachhausen. Mit einer Arbeit über das Antikolonialdenkmal, das dem Hermann-Böse-Gymnasium direkt gegenüber steht, hat Jonas Korn zusammen mit seinem Bruder Lukas die Geschichte des Elefanten aufgearbeitet. Im Juni haben beide bereits den Landespreis des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten gewonnen. Jetzt könnten sie auch auf Bundesebene ausgezeichnet werden.

Vor einem Jahr begannen die beiden Schüler mit der Recherche und sammelten Material aus dem Staatsarchiv, der Stadtbibliothek sowie der Staats- und Universitätsbibliothek. Ab Neujahr konnten Jonas (19) und sein zwei Jahre jüngerer Bruder dann mit dem Schreiben der Texte beginnen. Besonders interessant sei es für Jonas Korn aus Findorff gewesen, die Protokolle der Bürgerschaftssitzungen durchzugehen: "Man kann den genauen Wortlaut nachlesen und nachempfinden, wie tumultartig es bei diesen Sitzungen oft zugegangen ist", erzählt er.

Das Thema der diesjährigen Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs, bei dem sich in Bremen 125 Schüler mit 43 Beiträgen beteiligt haben, war "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte". Dabei sollte untersucht werden, wie kontrovers ein geschichtliches Ereignis damals war. "Unser Fazit über das Bremer Mahnmal ist so ausgefallen, dass es nicht das Hauptthema der Zeit gewesen ist, aber zum Politikum gemacht wurde, um sich in der Öffentlichkeit zu profilieren", fasst der Abiturient die Recherche zusammen. Im Oktober will er in Münster anfangen zu studieren - allerdings weder Politik noch Geschichte, sondern Biologie.

Fasziniert von der Qellenarbeit

Sich mit einem Thema länger auseinanderzusetzen, findet Jonas Korn sehr interessant: "Ich beschäftige mich gern mit Quellen und analysiere dann die Ergebnisse." Auch an Jugend forscht hat er bereits teilgenommen. Die Idee, eine Arbeit über den Elefanten zu schreiben, kam Jonas Korn, weil er sich vorher wenig mit der Geschichte des Mahnmals auskannte. "Außerdem ist es ein wichtiges bremisches Denkmal", findet er.

Nach Aussage von Ulrich Sittermann, der die Arbeit betreut hat, haben Jonas und Lukas Korn nun gute Chancen, einen Preis auf Bundesebene zu gewinnen. Der Lehrer behandelt gerade mit einer neunten Klasse die Themenschwerpunkte deutsches Kaiserreich und Kolonialismus im Unterricht. Er organisierte ein Zusammentreffen zwischen seiner Geschichtsklasse und Jonas Korn, Ralph Saxe und Gudrun Eickelberg vom Verein "Der Elefant".

Bei der Begegnung stellte Jonas Korn den Neuntklässlern seine Arbeit noch einmal vor und erklärte, dass Bremen stark mit den Kolonien verbunden gewesen ist.

Nach dem ersten Weltkrieg fiel es der Hansestadt schwer, sich mit dem Verlust der deutschen Kolonien abzufinden. Vor allem Handelsfirmen sprachen sich für einen Wiedergewinn der ehemals deutschen Kolonien aus. 1926 reichte die koloniale Arbeitsgemeinschaft Bremen einen Antrag zur Errichtung eines Reichskolonial-Denkmals ein und sorgte damit für heftige Debatten in der Bürgerschaft. Erst fünf Jahre später wurde dem Bau zugestimmt.

Zunächst blieb der Elefant verhüllt

"Nachdem der Elefant erbaut worden ist, blieb er mehrere Monate verhüllt und wurde nicht eingeweiht", erzählt Jonas Korn. Man fürchtete, dass das Monument weniger an die gefallenen deutschen Soldaten erinnern, als vielmehr der kolonialen Propaganda dienen sollte. Jonas Korn hat bei seinen Nachforschungen entdeckt, dass sich daraufhin ein Verein zur Förderung der Einweihung des Denkmals gründete. Im Juni 1932, ein Jahr vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde der umstrittene Denkmalbau durch einen Senatsbeschluss offiziell eingeweiht.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Bremen die "Stadt der Kolonien" und 1938 wurde in der Hansestadt die erste Reichstagung des Reichskolonialbundes abgehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der aus dunkelroten Oldenburger Klinkern gemauerte Elefant in Vergessenheit.

Erst 1987 wurde das zehn Meter hohe Kolonial-Ehrenmal erstmals umfassend restauriert - und dann 1990, als der afrikanische Staat Namibia seine Unabhängigkeit feierte, zum Anti-Kolonial-Denkmal umgewidmet. Seitdem erinnert eine Bronzetafel an die deutsche koloniale Vergangenheit.

Noch heute heißt eine Straße in Walle nach dem deutschen Kolonialisten und Afrikaforscher Carl Peters. Dieser wurde wegen seiner rassistischen Einstellung 1897 unehrenhaft aus dem Reichsdienst entlassen. Adolf Hitler hob diese Verurteilung 1937 posthum auf, womit Carl Peters rehabilitiert war. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden in verschiedenen deutschen Städten zahlreiche Straßen und Plätze nach Carl-Peters benannt, die seit den 1980er-Jahren aber teilweise wieder umbenannt wurden.

In Bremen blieb der Straßenname erhalten und wurde lediglich zu einer anderen Person mit Namen Peters umgewidmet. Er soll seitdem an einen Strafrechtsreformer erinnern. "Das ist eine ziemlich halbherzige Lösung", kritisiert Ralph Saxe. Seiner Meinung nach muss der Name völlig von dem Bremer Straßenschild verschwinden.

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