Workshop Literatur nimmt noch Jugendliche auf Schüler organisieren Lesungen für Schüler

Schwachhausen. Ein ambitioniertes Projekt hat Ursel Bäumer ins Leben gerufen: den "Workshop Literatur". Dahinter steckt die Idee, dass Schüler anderen Schülern Literatur näherbringen wollen. Der gleichnamige Verein veranstaltet Lesungen und Workshops. Interessierte Jugendliche können sich beteiligen.
07.02.2010, 08:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Behrens

Schwachhausen. Schüler wollen Schülern Literatur näherbringen: Der Verein 'Workshop Literatur" veranstaltet Lesungen und Workshops mit Autoren. Es ist ein ambitioniertes Projekt, an dem sich weitere interessierte Jugendliche beteiligen können. Roman Graf, der Preisträger zum Literatur-Förderpreis der Stadt Bremen, leitete die jüngste Schreibwerkstatt im Wallsaal der Zentralbibliothek.

Die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Ursel Bäumer organisierte im Jahr 2005 den ersten Workshop und den Verein. Schnell fanden sich Kooperationspartner: das Lyrikfestival 'Poetry on the Road', der Förderpreis des Literaturpreises der Stadt Bremen, die 'Bremer Netzresidenz', die sich mit literarischen Projekten im Internet befasst, sowie das Globale-Festival für Autoren mit Migrationshintergrund.

Der Schriftsteller Wilfried N'Sondé kam den Schülern besonders nah. Er wanderte von Tisch zu Tisch, um mit den Jugendlichen ihre Texte zum Thema Liebe zu besprechen. Der kongolesische Autor, der zum Lyrikfestival 'Poetry on the Road' in Bremen war, nahm die Einladung von 'Workshop Literatur' ans Kippenberg-Gymnasium an.

Tipps für den Spannungsbogen

Jeder Schriftsteller vermittelte seinen eigenen Stil. So rappte Doppel-U mit den Schülern, während die türkischstämmige Autorin Yadé Kara den Begriff Heimat thematisierte und der Schweizer Schriftsteller Roman Graf den Jugendlichen Ratschläge gab, wie sich Spannung erzeugen lässt: 'Ich will gewisse Informationen haben, aber das Bild soll erst durch meine Gedanken vervollständigt werden - so entsteht Spannung.'

Oberstufenschüler aus Huchting und Obervieland nahmen an dem Workshop teil. Einige Texte wurden im Plenum besprochen. Dazu gehörte auch das Werk von Néle Kirschstein.

'Ich gehe um die Ecke und da steht er: majestätische Körperhaltung, gebleckte Zähne', las sie vor. Die 15-Jährige beschreibt in ihrem Text einen Hund, der am Ende den Erzähler angreift.

Néles Text wird gelobt

Ihr Werk findet bei Mitschülern und auch bei Roman Graf Anerkennung. Gerne würde sie später als Schriftstellerin oder Journalistin arbeiten. Der Autor Roman Graf ermutigt sie.

Mittlerweile besteht das Team von 'Workshop Literatur' aus Vanessa Guinan-Bank, Marika Gonther, Jan Goebel und Fabian Othmerding aus Schwachhausen sowie Nadia de Vries aus der Neustadt.

Dass die fünf jungen Leute alle das Kippenberg-Gymnasium besuchen, ist eher ein Zufall. Alle Bremer Schüler, die sich der Gruppe anschließen möchten, sind willkommen. 'Wir versuchen mittlerweile auch, aus den Oberstufenkursen Leute rauszupicken. Manche Schüler haben schon einen halben Roman in der Schublade', sagt Ursel Bäumer.

Wenn wieder eine Veranstaltung ansteht, 'arbeiten wir wie ein Uhrwerk", sagt Fabian Othmerding. Gefördert von einer Stiftung, veranstaltet die Gruppe jährlich zwischen vier bis fünf kostenlose Workshops im Wallsaal der Zentralbibliothek, immer in Verbindung mit dem Besuch der Lesung eines Autoren.

Am Anfang viel Skepsis

Am Anfang war noch viel Skepsis vorhanden. 'Viele der Lehrer hatten Angst, dass sie für die Workshops etwas bezahlen müssen", sagt die Projektleiterin. Die Schüler ließen sich schneller für die Workshops begeistern.

Die jungen Autoren können ihre im Workshop entstandenen Texte zudem im Internet bewundern. 'Manche Schüler kommen da richtig aus sich heraus", sagt Marika Gonther. 'Als mein erster Text damals online war, habe ich ihn mir immer wieder selber angesehen.'

Aus der aktuellen Gruppe ist sie am längsten dabei, vier Jahre schon, und sie kommt sehr viel zum Schreiben. 'Wir berichten über die Workshops und Lesungen und führen Interviews mit den Autoren', sagt Vanessa Guinan-Bank. 'Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass die auf uns herabsehen', sagt Marika Gonther.

Schüler stellen oft kritische Fragen

Als die Anfrage vom 'Workshop Literatur' gekommen sei, habe er nicht einen Moment gezögert, sagt Roman Graf. 'Die Schüler stellen einem oft sehr kritische Fragen, mit denen man sonst nicht konfrontiert wird.

'Leider ist nicht genug Zeit, um jeden der Texte zu besprechen, und so gibt der Autor den Schülern noch einen Ratschlag mit auf den Weg: 'Schriftsteller müssen Texte mehrmals lesen, um zu merken, wie sie gemacht sind. Dafür ist es besser, wenige Bücher mehrmals gründlich zu lesen, als zehn Bücher schnell.'

Im Moment träumt die Gruppe von einem Wochenendseminar für Schüler, die noch tiefer in die Materie einsteigen wollen. 'Dann könnte man die Texte endlich mal richtig in mehreren Arbeitsschritten verfeinern', sagt Ursel Bäumer.

Weitere Informationen über den 'Workshop Literatur' gibt es im Internet auf der Website www.workshop-literatur.de.

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