Bauausschuss Schwachhause Versiegelung ist immer wieder Thema

Die Vorgartenversiegelung an einigen Stellen im Stadtteil wird regelmäßig in Schwachhausen thematisiert. Jüngst informierte sich der Bauausschuss beim Verein Umweltberatung Bremen zu diesem Thema.
04.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Mauerpfeffer, kleine Braunelle, kriechender Günsel – sie alle eignen sich für den Vorgarten. Und sie sorgen außerdem dafür, dass Insekten direkt vor der Haustür Nahrung finden. Die drei Bodendecker sind nur eine kleine Auswahl von rund 50 insektenfreundlichen Pflanzen, die von der Bremer Umweltberatung als Entscheidungshilfe in der Broschüre „Pflanzenliste Bremer Vorgärten“ zusammengefasst worden sind. Denn ebendort besteht oftmals Veränderungsbedarf, wie Imme Koopmann vom Referat Bauordnung jüngst im Schwachhauser Fachausschuss Bau und Stadtentwicklung berichtet hat. Anlass für den Tagesordnungspunkt war laut Ortsamtsmitarbeiter Thomas Berger der Grad der Vorgartenversiegelung an einigen Stellen im Stadtteil, der in regelmäßigen Abständen im Beirat thematisiert werde.

Aufmerksam wird die Baubehörde auf zu stark versiegelte Vorgärten auf unterschiedlichen Wegen. Manchmal durch Hinweise vom Ortsamt, von Nachbarn oder aufgrund eigener Beobachtungen, berichtete Koopmann. Dabei lasse sich nicht pauschal sagen, wie viel Versiegelung „zu viel“ oder aber noch im Rahmen sie. „Die Bauordnung besagt lediglich, dass unbebaute Flächen nicht wesentlich versiegelt werden dürfen“, erklärte sie. Klassische Elemente in den Vorgärten seien Müll- oder Fahrradboxen, aber auch Stellflächen für Autos.

Im ersten Schritt prüfe die Behörde anhand des Bebauungsplans oder anhand des Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs, ob die jeweiligen Bauten genehmigungsfähig seien. Der Paragraf besagt, dass ein Vorhaben zulässig ist, wenn es sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Im zweiten Schritt werde dann eine Anhörung an den Eigentümer geschickt, in der entweder ein Bauantrag gefordert oder aber dem Eigentümer mitgeteilt werde, dass die Bebauung nicht genehmigt werden könne. In jüngster Zeit habe die Behörde vergleichsweise häufig Absagen erteilt, was zumeist mit einem Widerspruch der Eigentümer beantwortet worden sei. „Das kann sich dann bis zu zwei Jahre hinziehen“, sagte Koopmann.

Während das übermäßige Versiegeln von Vorgärten in Bremen unzulässig ist, sind die sogenannten Schottergärten zwar grundsätzlich erlaubt, aber aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll, berichtete Dirk Hüter vom Umweltreferat dem Ausschuss. Schotter sorge in Kombination mit den darunterliegenden Vliesen dafür, dass der Boden kaum Sauerstoff und Nährstoffe bekomme und somit erheblich beeinträchtigt werde. Zudem seien Schottergärten beileibe nicht so pflegeleicht, wie gemeinhin angenommen, betonte Hürter. „Nach einiger Zeit siedeln sich Moos und Wildkräuter auf dem Schotter an“, sagte er, was auch in der neuen Info-Broschüre „Bremer Vorgärten“ nachzulesen sei, die ab sofort in den Ortsämtern ausliege. Wildkräutern reiche demnach schon ein wenig Substrat zwischen Schotter, Kies und Split, um zu sprießen. Eine Sanierung sei aufwendig und teuer. Sehr viel besser angelegt seien Zeit und Geld daher in einen gut geplanten, pflegearmen Vorgarten mit Bodendeckern, Stauden oder blühenden Büschen.

In dem Faltblatt finden sich außerdem zahlreiche Tipps, wie der Vorgarten mehreren Ansprüchen gerecht werden kann: dem nach Unterstellmöglickeiten für Mülltonnen und Räder und der Auflage, den Boden möglichst unversiegelt zu lassen. So könne für den Fahrradstellplatz im kleinen Vorgarten beispielsweise eine wassergebundene Decke eingeplant werden. Auch sogenannter Schotterrasen biete eine begrünte Oberfläche, auf der dennoch Mülltonnen und Kinderwagen rollen könnten. Durch die Kombination verschiedener Oberflächen lasse sich zudem auch auf kleinem Raum eine attraktive Gestaltung erreichen, verspricht die Info-Broschüre.

Vera Helling (Grüne) erklärte die Herausgabe der Broschüre als begrüßenswert. Interessant sei in diesem Zusammenhang, ob und wie die Vorgartengestaltung bei Neubauprojekten geregelt sei. „Neue Bebauungspläne gehen sehr detailliert auf Vorgärten ein“, versicherte Koopmann. Auf Nachfrage von York Golinski (Grüne), ob das häufig praktizierte Umnutzen der Tiefgarage als Keller und der ehemaligen Garagenzufahrt als Stellplatz zulässig sei, entgegnete Koopmann, dass eine Zufahrt nicht als Stellplatz genutzt werden dürfe. Christian Carstens (SPD) gab zu bedenken, dass in einer fahrradfreundlichen Stadt wie Bremen Fahrräder entsprechend sicher abgestellt werden können müssten. Koopmann betonte, dass bei Bestandsbauten immer im Einzelfall abgewogen werde. Wenn beispielsweise vier Wohnparteien in einem Altbau vor dem Haus Platz für zwölf Fahrräder benötigten, sei das in der Praxis „schwierig“.

Info

Zur Sache

Beratung per Telefon

Wer bei der Gestaltung seines Vorgartens eine Beratung im Einzelfall benötigt, kann sich unter Telefon 707 01 00 an die Bremer Umweltberatung wenden, wie Mitarbeiterin Karin Kreutzer mitteilte. In Kombination mit gemailten Fotos biete der Verein über diesen Weg eine niederschwellige anfängertaugliche Beratung an.

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