Andreas Schmidt hat sein erstes Brettspiel herausgebracht Schwachhauser lässt Minimönche fliegen

Schwachhausen. Ein Besuch der Spielemesse in Essen ist für Andreas Schmidt in jedem Jahr Kür und Pflicht zugleich. Diesmal ist der Schwachhauser sehr gerne an die Ruhr gefahren. Mit "ShenShi" stellte er erstmals ein eigenes Brettspiel auf der Messe vor.
02.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Schwachhauser lässt Minimönche fliegen
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Ein Besuch der Spielemesse in Essen ist für Andreas Schmidt in jedem Jahr Kür und Pflicht zugleich. Diesmal ist der Schwachhauser besonders gerne an die Ruhr gefahren. Mit "ShenShi" stellte er erstmals ein eigenes Brettspiel auf der Messe vor.

Bereits seit 2003 entwickelt der Schwachhauser mit den ausgeprägten Koteletten und den silbernen Heavy-Metal-Ringen Spiele. Rund 30 Prototypen hat er bislang gebaut, komplett mit Spielbrett und Figuren. Die Verlage zeigten sich zwar wohlwollend, klappen wollte es aber noch nicht. "Das ist vergleichbar mit einem Schriftsteller, der sein erstes Buch unterbringen will", sagt Schmidt. Nicht nur das Thema und die Aufbereitung müssen stimmen, auch Marketing und der Aufwand müssen mit dem Konzept und den finanziellen Möglichkeiten des Verlags vereinbar sein. "Man baut einen Prototypen und schickt ihn an die Verlage. Dort wird das Spiel getestet, und dann kommt es entweder heraus oder zurück", sagt Schmidt.

Meist kommt es zurück, obwohl der 39-Jährige eine große Bandbreite vorweisen kann. Würfel- und Kartenspiele hat er ebenso erdacht wie Strategie- und Handelsspiele. Angefangen hatte alles in einer schlaflosen Nacht 2003. Da kam ihm die Idee zum ersten eigenen Spiel. "Das war eine Fantasie-Handlung mit Rittern, Magiern und Geistern", erinnert er sich. Alle Skizzen und Zeichnungen zu diesem unveröffentlichten Erstling hat er aufbewahrt, ebenso wie die zu seinen anderen Spiele, die jeweils einen dicken Ordner füllen.

Zwischen der ersten Idee und dem fertigen Musterspiel liegen eine lange Zeit und viel Arbeit. Im Schnitt tüftelt er sechs Monate an Handlung und Konzept herum. Aktuell beschäftigt sich Schmidt mit sechs neuen Prototypen. Oft ändert er zwar nur eine Kleinigkeit im Spielaufbau oder Regelwerk. Die Auswirkungen auf das ganze Spiel seien aber oft so groß, dass er danach das ganze Spiel ändern müsse.

Das Ergebnis stellt er seinen Freunden vor, die das Spiel als erste testen. Auch Bremer Spielclubs oder wildfremde Leute in einem Café lädt er gerne zu einer Testrunde ein. "Wichtig ist zu sehen, ob die Handlung fasziniert und ob die Regeln funktionieren. Insgesamt, ob das Spiel Spaß macht. Das ist entscheidend."

Kleine Figur gab den Anstoß

Zu einer neuen Spielidee inspirieren manchmal Nebensächlichkeiten. Bei "ShenShi" war es eine kleine Königsfigur, die er auf einem Pariser Flohmarkt kaufte. Daraus entwickelte er im ersten Entwurf eine Handlung mit König und Königin. Nach mehreren Metamorphosen wurden daraus chinesische Großmeister und Meister als Spielfiguren. Das Spielbrett stellt einen Tempel dar, in dem die Mönche meditieren. Auf dem Pfad zur Weisheit und Erleuchtung müssen die Spieler Punkte sammeln - unter anderem, indem sie die gegnerischen Figuren schlagen. Dazu gibt es fliegende Teppiche, ein Spielbrett, das man verlassen und wieder betreten kann sowie als Zugabe einen Räucherkegel.

"Das ist aber nur ein Spaß, der hat keine Funktion", so der Autor. Außergewöhnlich ist, dass in der Spielebox auch der passende Soundtrack enthalten ist. Den hat die Hamburger Band "Erdenstern" komponiert, die Andreas Schmidt auf der Messe in Essen kennengelernt hat. So glücklich er über den Erfolg mit "ShenShi" auch ist, reich wird er damit nicht. Da macht sich der Schwachhauser keine Illusionen. "Es gibt hierzulande nur eine Handvoll Autoren, die davon leben kann", schätzt er. Trotzdem macht er weiter, denn das Entwickeln von neuen Spielideen ist für den gelernten Bankkaufmann und studierten Betriebswirt keine Frage des Geldes, sondern der Leidenschaft. "Das sind andere Welten, es macht einfach Spaß, darin einzutauchen."

Das Brettspiel "ShenShi" ist für 65 Euro bei Thalia, Obernstraße, und in der "Spielerei" im Viertel erhältlich.

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