Für Ausgleichspflanzungen vor Ort

Schwachhauser Anwohner starten Online-Petition

Ziel ist es, notwendige Baumfällungen zum Bau der Fernwärmetrasse auf ein Minimum zu reduzieren.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter
Schwachhauser Anwohner starten Online-Petition

Martin Lukas und Birgit Heinrich in der H.-H.-Meier-Allee, für deren Umgestaltung und die Erhaltung der Bäume sie Vorschläge machen.

PETRA STUBBE

Gegen die geplante Fernwärmetrasse der SWB von Horn über Schwachhausen in die Vahr hat Martin Lukas nichts einzuwenden – mit den Begleitumständen ist der Schwachhauser allerdings nicht einverstanden. In einer Online-Petition fordert er deshalb gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Birgit Heinrich eine alternative Bauplanung, um die Baumfällungen für die Fernwärmeleitung auf ein Minimum zu reduzieren. Und um zu verhindern, dass der Baumersatz außerhalb Schwachhausens gepflanzt wird.

Bislang haben sich rund 450 Unterzeichner Lukas' und Heinrichs Petition auf der Online-Plattform Openpetition angeschlossen. Perspektivisch soll der Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft Adressat für die gesammelten Unterschriften sein. Wann genau, kann Lukas im Moment noch nicht sagen.

Gemäß der derzeitigen Planung seien entlang der gesamten Trasse 123 Bäume mit Sicherheit und weitere 80 Bäume möglicherweise zur Fällung vorgesehen, heißt es in der Petition. Dazu kämen sogenannte Grenzfälle, weshalb man unterm Strich mit insgesamt 152 Baumfällungen kalkuliere. Diese Größenordnung sei unverhältnismäßig und inakzeptabel, so die Petenten. Sie beeinträchtige die Umwelt-, Stadtbild- und Wohnqualität erheblich.

Keine verlässlichen Zahlen

In etwa treffe die in der Petition genannte Anzahl der betroffenen Bäume zwar zu, erklärt SWB-Sprecher Friedhelm Behrens auf Nachfrage, „genau wissen wir das aber erst, wenn der Antrag auf Planfeststellung fertig ist“. So lange könne sich die Zahl noch in die eine oder andere Richtung ändern, „und wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es zu Irritationen kommt, wenn sie sich ändert“.

Daher verzichte die SWB darauf, konkrete Zahlen zu nennen, bis die Planungen endgültig abgeschlossen seien. „Was wir aber bereits heute sagen können ist, dass wir keine unnötigen Baumfälligen planen, da diese in jedem Fall zur Ablehnung unseres Antrags führen würden“, betont Behrens. In einem Fall wird er dann aber doch etwas konkreter, da hier die Detailplanungen bereits abgeschlossen sind: „Stand heute werden wir am Schwachhauser Ring weniger als fünf Bäume fällen müssen“, sagt der SWB-Sprecher. Bezüglich der H.-H.-Meier-Allee könne er noch keine verlässliche Zahl nennen.

Insgesamt sei davon auszugehen, dass alle drei Stadtteile ungefähr im gleichen Maße von Baumfällungen betroffen sein werden, sagt Behrens. Das Ziel der geplanten Fernwärmetrasse, die Abschaltung des Kohlekraftwerks Hastedt, wird in der Petition von Lukas und Heinrich grundsätzlich begrüßt. Allerdings nur als Zwischenziel, betont Lukas. Denn im Grunde widerspreche der Ausbau einer Müllverbrennungsanlage dem Zukunftsmodell einer nachhaltigen Energie- und Kreislaufwirtschaft, die das Hausmüllaufkommen durch Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling verringern würde, sagt er.

„Stadtbild beeinträchtigt“

Durch die geplanten Baumfällungen würde laut der Petition neben der Umweltqualität auch das Stadtbild entlang der Trasse erheblich beeinträchtigt werden. Schließlich würden die Bäume insbesondere entlang der H.-H.-Meier-, der Richard-Boljahn- und der Kurfürstenallee die teils monotone Block-Architektur deutlich aufwerten. Daher seien Ausgleichspflanzungen andernorts nicht geeignet, um „den erheblichen Verlust an Umwelt-, Stadtbild- und Lebensqualität“ in den betroffenen Straßen und Stadtvierteln zu kompensieren.

Um möglichst viele Neupflanzungen direkt in den betroffenen Straßen zu ermöglichen, ist Lukas' Ansicht nach eine Umgestaltung vor Ort notwendig. Am Beispiel der H.-H.-Meier-Allee erläutert er, wie sich seiner Meinung nach mehr Platz für neue Bäume schaffen ließe: Da das Autoverkehrsaufkommen auf der breiten Straße vergleichsweise gering sei, könnten sich Autos und Fahrräder hier eine Spur teilen – ähnlich wie in der Wachmannstraße und der Parkallee.

Durch die so eingesparte Verkehrsfläche sowie eine Umgestaltung der Parkflächen und des nicht mehr genutzten Radwegs zu Quer- statt Längsparkplätzen könnte sehr viel Platz für neue Bäume geschaffen werden, meint Lukas. „Dadurch können zwingend notwendige Fällungen auf einer Straßenseite durch Baumpflanzungen auf der anderen Straßenseite kompensiert werden – insbesondere im stadtnahen Abschnitt der Straße.“ Auch für alle übrigen Trassenabschnitte müsse man sich freilich Gedanken über eine Neuordnung der Verkehrs- und Parkflächen machen, um Platz für standortnahe Ersatzpflanzungen zu schaffen, betont er.

„Ihr gutes Recht“

Seine Ideen zur Umgestaltung der H.-H.-Meier-Allee hatte Lukas bereits im Juni im Umweltausschuss des Schwachhauser Beirats vorgestellt. Ortsamtsleiterin Karin Mathes hatte daraufhin nachdrücklich an die mehrjährigen Debatten des Beirats zu diesem Thema erinnert, an deren Ende das aktuell praktizierte und bewährte Konzept eines Schutzstreifens für Fahrradfahrer gestanden habe. Die SWB-Vertreter hatten ihrerseits erklärt, Lukas' Ansinnen nicht nachkommen zu können, da die Neugestaltung von Straßen nicht in ihren Kompetenzbereich falle.

Zur aktuell laufenden Online-Petition befragt, erklärt Beiratssprecherin Gudrun Eickelberg (Grüne): „Dass Bürgerinnen und Bürger bei einem Bauvorhaben wie der Fernwärmetrasse aktiv werden, war zu erwarten, und es ist ihr gutes Recht.“ Die Auswirkungen des Trassenbaus auf die Umwelt seien auch vom Beirat als sehr heikel empfunden worden. „Nach intensiven Gesprächen mit der SWB, die ich als Beiratssprecherin geführt habe, konnten wir immerhin die Zusage für ein Umweltbudget für den Stadtteil erreichen“, sagt sie. „Wir werden als Beirat weiterhin das Verfahren eng begleiten und die Belange Schwachhausens vertreten.“

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