Ertrag soll für 150 Flaschen reichen / Hobbywinzer unterstützen soziale Projekte Schwachhauser starten Weinlese

Bereits seit sechs Jahren keltert der Weinhändler Ralph Saxe aus den Trauben der Weinstöcke in der Wachmannstraße den "Wachmannwein Uralte Rebe". Mit den Erlösen aus der Weinproduktion unterstützt die kleine Winzergenossenschaft gemeinnützige Projekte in Schwachhausen. "Die Arbeit macht einfach Spaß", sagt Saxe.
20.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Schwachhauser starten Weinlese
Von Jörn Hüttmann

Bereits seit sechs Jahren keltert der Weinhändler Ralph Saxe aus den Trauben der Weinstöcke in der Wachmannstraße den "Wachmannwein Uralte Rebe". Mit den Erlösen aus der Weinproduktion unterstützt die kleine Winzergenossenschaft gemeinnützige Projekte in Schwachhausen. "Die Arbeit macht einfach Spaß", sagt Saxe.

Schwachhausen. "Die Trauben sind ein Spiegelbild des Wetters der vergangenen Monate", sagt Ralph Saxe. Mit durchnässter Regenjacke steht er unter einem großen Rebstock auf der Terrasse des Altbremer Hauses Nummer 15 in der Wachmannstraße. In seinen Händen hält er die ersten Trauben der Schwachhauser Weinlese. "Es war lange Zeit zu kühl und zu trocken", erklärt Saxe. "Aber in den vergangenen Wochen haben die Trauben noch einmal gut zugelegt."

Die Schwachhauser Weinlese kann mittlerweile auf eine sechsjährige Geschichte zurückblicken. "Über die Jahre haben sich gut 20 Hobbyweinbauern in der Winzergenossenschaft Wachmannstraße zusammengeschlossen", sagt Ralph Saxe. Die erste Lese beginnt je nach Wetterlage ab Mitte September und kann sich in guten Jahren bis weit in den Oktober hinein ziehen. Ab Mitte November sollen dann die ersten Flaschen des begehrten "Wachmannwein Uralte Rebe" abgefüllt sein.

Trotz des durchwachsenen Wetters in diesem Jahr ist Saxe mit der ersten Traubenlese sichtlich zufrieden: Mit einem kleinen Messgerät, einem Refraktometer, bestimmt Saxe den Zuckergehalt der Trauben, den sogenannten Oechsle-Wert. "Aktuell liegen wir bei etwa 70 Oechsle", sagt Saxe. "Das ist kein überragender Wert, aber durchaus ausreichend für einen Wein mit Qualitätsniveau." Zudem würden die Trauben mit jedem weiteren Sonnentag noch an Süße zulegen, weiß Ralph Saxe, der in der Wachmannstraße einen Weinladen betreibt und gleichzeitig für die Grünen als Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft angehört. "Am Ende der Lese werden wir wohl eher im Bereich um 80 Oechsle liegen."

Der große Weißweinstock hinter dem Haus Nummer 15, in dem Birgit Dorow wohnt, ist eine der besonderen Reben im Schwachhauser Anbaugebiet: "Es ist einer von drei Weinstöcken, die über hundert Jahre alt sind", erklärt Dorow. Die Rebe wurde bereits im Jahr 1903, kurz nach Fertigstellung des Hauses, gepflanzt. "Dieser Brauch war damals weit verbreitet und sollte dem Haus und seinen Bewohnern Glück bringen", sagt Saxe. Auch dass die Weinlese auf der Terrasse von Birgit Dorow startet, hat mittlerweile Tradition: Schon die ersten Trauben für den "Wachmannwein Uralte Rebe" stammen von dem 109-jährigen Weinstock. "Ich hatte damals 30 Kilo Trauben und wusste nicht, wohin damit. Da habe ich Herrn Saxe gefragt, ob er damit nicht etwas anfangen könnte", sagt Birgit Dorow. "Daraus ist dann schnell die Idee für den Wachmannwein entstanden", erklärt Ralph Saxe.

Jetzt werden jedes Jahr etwa 150 Flaschen des Schwachhauser Hausweins abgefüllt. "Dafür brauchen wir gut 300 Kilo Trauben", sagt Ralph Saxe. Die Trauben stammen nicht nur aus der Wachmannstraße, sondern auch aus den Querstraßen. "Wir haben eine ziemlich bunte Mischung. Insgesamt ist es aber deutlich mehr Rot- als Weißwein", sagt Ralph Saxe. Im Rekordjahr 2009 konnten so sogar einmal 300 Flaschen produziert werden. Die Weinherstellung liegt von Beginn an in der Hand von Ralph Saxe, der als Weinhändler über das nötige Fachwissen verfügt. Nach der Weinlese bringen die Mitglieder der Winzergenossenschaft die Trauben in den Weinladen von Saxe. Dort werden sie zuerst per Hand von den restlichen Ästen getrennt. Anschließend werden sie gepresst und in großen Glasballons zum Gären angesetzt.

Während des Gärungsprozesses, der bei Rotwein bis zu zehn Tagen dauern kann, füllt Saxe den Wein immer wieder um: "Bei jedem Umfüllen schütten wir den Bodensatz weg. So verlieren wir zwar ein wenig Flüssigkeit, aber der Wein wird immer klarer", sagt Saxe. Bevor der fertige Wein seinen Weg zu den Verbrauchern findet, ist also viel Handarbeit gefragt. Die Flaschen dürfen jedoch nicht normal verkauft werden: "Bremen ist kein Weinanbaugebiet, deshalb machen wir nur Hauswein", sagt Saxe. Trotzdem ist der Wein in Saxes Laden zu bekommen, gegen eine Spende von 15 Euro. Die gesammelten Gelder spendet die Winzergenossenschaft jedes Jahr an gemeinnützige Organisationen: Nach der Weinlese im Vorjahr konnten 1000 Euro an den Notruf für vergewaltigte Frauen am Barkhof übergeben werden. An welche Organisation die Spenden in diesem Jahr gehen werden, steht noch nicht fest.

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