Sportvereine in Schwachhausen

Sport auf Abstand

Auf Sportplätzen unter freiem Himmel ist das Training in der Mannschaft wieder möglich, wenn die Hygieneregeln und der Abstand eingehalten werden. Darauf bereiten sich die Schwachhauser Sportvereine nun vor.
11.05.2020, 05:38
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Von Maren Brandstätter
Sport auf Abstand

Beim Verein Bremen 1860 werden 32 Felder mit dem Kreidewagen markiert. So ist der Platz für jeden Sporttreibenden deutlich zu erkennen.

PETRA STUBBE

Es ist wieder etwas Leben in die Sportvereine gekommen. Durfte vor zwei Wochen zunächst paarweise unter freiem Himmel trainiert werden, sind es inzwischen kleine Gruppen, die sich zum Sport treffen dürfen – immer vorausgesetzt, dass sich alle an die coronabedingten Hygieneregeln halten. In Schwachhausen hat man sich gewissenhaft auf das neue Freiluft-Angebot vorbereitet.

Auf dem Außengelände von Bremen 1860 ist der künftige Radius jedes einzelnen Sportlers weithin erkennbar. 32 Felder haben 1860-Geschäftsführer Sebastian Stern und seine Kollegen mit dem Kreidewagen markiert. „Bewegungsinseln“ hat Stern sie getauft. Hier – und nur hier – dürfen die Sporttreibenden ihren Mundschutz ablegen. Auf dem restlichen Vereinsgelände sind die Masken Pflicht, sagt Stern. „Wir sind bewusst vorsichtig – Schutz steht an erster Stelle“, betont er. Sieben Mitarbeiter seien ausschließlich dafür eingeteilt, um sicherzustellen, dass sich alle an die Regelungen halten.

Jede Abteilung soll ab diesem Montag eine Platzzeit für die erste Woche bekommen – wenn alles reibungslos läuft, soll in der kommenden Woche eine zweite Platzzeit dazukommen. Direkt am vergangenen Donnerstag loszulegen, nachdem Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Lockerungen verkündet hatte, war für Stern keine Option. Bei 6000 Mitgliedern sei das Koordinieren der Außenplatzbelegung nichts, was man mal eben auf die Schnelle erledige, erklärt er. Den Donnerstag habe er unter anderem dafür genutzt, sämtliche Abteilungen abzutelefonieren und sie nach ihren Bedarfen zu befragen. Und nach ihren Möglichkeiten, sich an die bestehenden Auflagen zu halten. Das sei für Sportarten wie Rugby nicht ganz leicht, sagt Stern. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass die Spieler ebenfalls eine Platzzeit für das Training unter freiem Himmel in Anspruch nehmen. „Für Konditionstraining auf der Stelle“, sagt Stern. Mehr sei im Moment nicht drin, aber immerhin könnten die Spieler nach Wochen der Abstinenz mal wieder als Mannschaft zusammenkommen. Um unnötige Kontakte zu anderen Sportteams zu vermeiden, hat Stern jeweils 30 Minuten Wechselzeit vor und nach jeder Trainingseinheit der einzelnen Sportgruppen auf dem Außengelände eingeplant. Und wenn es mal regnet? Dann hofft der Geschäftsführer, dass er ein Bayernzelt auf dem Platz aufstellen darf – ohne Wände, versteht sich.

Im Tennis-Verein BTV 1896 an der Scharnhorststraße läuft der Betrieb bereits seit Ende April wieder auf Sparflamme. Außerhalb der Tennisplätze ist Mundschutz Pflicht und Klönschnack untersagt – damit es weder auf noch vor der Sportanlage zu Menschenansammlungen kommt. Trotz der Einschränkungen ist Hinnerk Mysegades froh, dass überhaupt wieder Leben auf dem Gelände ist. „Wir hatten anfangs befürchtet, dass die Mitglieder aufgrund der Kommunikationsregelung etwas enttäuscht sein würden“, erzählt der Vorstandsvorsitzende. Doch davon sei bislang nichts zu spüren. „Es gab noch keinerlei Beschwerden – alle sind froh, überhaupt wieder Tennis spielen zu dürfen“, sagt er.

Doppel gibt es derzeit allerdings so gut wie keine auf den Plätzen. Einzige Ausnahme: alle Spieler leben in einem Haushalt. Um das im Falle einer behördlichen Kontrolle nachweisen zu können, müssen die Spieler ihre Ausweise dabeihaben. Ansonsten werden beim BTV ausschließlich Einzelspiele ausgetragen – und die dürfen nicht länger als eine Stunde dauern. Außerdem ist das wöchentliche Pensum jedes Mitglieds auf vier Spiele beschränkt, erzählt Mysegades. So sei gewährleistet, dass alle zum Zuge kämen.

Neben den Spielfeldern ist das Bistro einer der zentralen Plätze auf dem BTV-Vereinsgelände. Dem Spielbetrieb von der Sonnenterrasse aus zuzusehen, ist in der Sommersaison beliebt, aber zurzeit ebenfalls tabu. Allerdings bieten die Betreiber kleine Snacks und Getränke an, erzählt Mysegades. „Aber ausschließlich zum Mitnehmen“, betont er. Der Verzehr sei laut Regelkatalog des Vereins im Umkreis von 50 Metern zum Bistro nicht gestattet.

Finanziell halten sich die Einbußen des BTV 1896 bislang in Grenzen. Die Einnahmen, auf die der Verein derzeit verzichten muss, sind in erster Linie die Platzmieten von Gastspielern. Angesichts des begrenzten Platzangebots durch die weiterhin geschlossenen Hallen ist das Spielen auf den Plätzen derzeit ausschließlich den Mitgliedern vorbehalten. Da aber in der Geschäftsstelle ohnehin nur eine feste Mitarbeiterin beschäftigt sei, sorge er sich um die finanzielle Situation des Vereins im Moment noch nicht übermäßig, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Bei Bremen 1860 indes sind 55 Mitarbeiter fest angestellt. Für die sei seit der Schließung Kurzarbeit angesagt, die im Zuge der Lockerungen nun langsam zurückgefahren werden soll, erzählt Geschäftsführer Sebastian Stern. Wie der Verein die bislang ausgefallenen Einnahmen kompensieren soll, wisse er noch nicht. Die Stadt zahle zwar trotz Schließung weiterhin die Hallenmiete für Kitas und Schulen. Dennoch seien die finanziellen Löcher durch ausfallende Kurse und Ferienbetreuung immens. Als Geschäftsführer, aber auch als Vater hoffe er nun, dass zumindest das Sommerferienprogramm des Vereins in irgendeiner Weise stattfinden könne. „Wir haben Anmeldungen für rund 2000 Kinder.“

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