Stadtteil-Check Schwachhausen "Der Bürgerpark ist einfach großartig"

Was denken die Schwachhauser über ihren Stadtteil? Um das herauszufinden war der Stadtteil-Kurier einen Vormittag lang auf dem Benqueplatz und hat zugehört.
15.09.2022, 08:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter

Ein Stand mehr als eigentlich üblich gesellt sich heute auf dem Wochenmarkt am Benqueplatz zu den Anbietern von Gemüse, Käse, Fisch, Fleisch und Brot. Der WESER-KURIER hat seinen Stadtteil-Check-Pavillon am Rand des Platzes aufgebaut. Anders als an den übrigen Ständen, können die Marktbesucher hier nicht ihr Geld lassen, sondern ihre Meinung abgeben. Darüber, was ihren Stadtteil für sie lebenswert macht, und was in Schwachhausen perspektivisch besser laufen könnte.

Unangefochtener Spitzenreiter unter allen genannten Orten, die Schwachhausen zu einem besonders attraktiven Stadtteil machen, ist der Bürgerpark. „Der ist einfach großartig“, sagt Wolfgang Ulrich. Der 71-Jährige, der gerade seinen Einkauf auf dem Markt beendet hat, lebt seit 1985 in Schwachhausen – mit zwei kurzen Unterbrechungen in der Neustadt und im Viertel. „Seitdem weiß ich die Ruhe in Schwachhausen noch mehr zu schätzen“, betont er. Hier bekomme er alles, was er braucht, und mit der Straßenbahn sei er ruckzuck in der Innenstadt. Auszusetzen habe er am Leben in Schwachhausen im Grunde gar nichts. „Außer vielleicht die dicht beparkten Straßen“, sagt er. „Für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator wird es häufig zu eng auf den Gehwegen – besonders an Tagen wie heute, wenn auch noch die Mülltonnen draußen stehen.“

Mehr Autos als Parkplätze

Der Parkdruck im Stadtteil ist es auch, der die Schwachhauser Ortspolitik am häufigsten beschäftigt, erzählt Beiratssprecherin Gudrun Eickelberg (Grüne). „Wir sind gebeutelt durch unsere Lage am Innenstadtrand“, sagt sie. Denn die gelte bei vielen Auswärtigen als prädestiniert, um ihre Autos in den Wohnstraßen abzustellen und dann mit der Straßenbahn in die City weiterzufahren. Dabei gebe es ohnehin schon mehr Autos in Schwachhausen als Parkplätze, sagt Eickelberg. Im Beirat herrsche seit Längerem Einigkeit darüber, dass Bewohnerparken ein Schritt in die richtige Richtung sei, „aber leider belegen wir auf der Prioritätenliste der Stadt einen der hintersten Plätze“, kritisiert sie.

Eickelbergs Kiez ist seit 26 Jahren „das Dreieck um die Wachmannstraße“. Die Anbindung sei optimal. Sie habe kein Auto und brauche auch keines, um überall hinzukommen. Darüber hinaus seien die Menschen im Wachmannquartier außerordentlich freundlich und offen. „Seit einigen Jahren gibt es auch endlich wieder mehr Kinder hier – das macht die Atmosphäre sehr lebendig.“ Und dann sei da natürlich die vielgelobte Nähe zum Bürgerpark.

Gediegene Atmosphäre

Auch Horst Lange hebt an erster Stelle die Qualität von Bremens größter Parkanlage hervor. Mit einer Einschränkung. „Anders als früher, gehe ich nachts nicht mehr in den Bürgerpark“, erzählt er. Da fühle er sich nicht mehr sicher. Als Rentner lebe es sich aber ansonsten ausgezeichnet in Schwachhausen, sagt der 80-Jährige. Die Atmosphäre sei gediegen, das Gastronomie-Angebot kaum zu toppen, ebenso wie die Anbindung an den ÖPNV. Wenn man davon absehe, dass der ruhende Verkehr dringend besser organisiert werden müsste, sei er hier wunschlos glücklich.

Als Sigrid Bubeck im Pavillon Platz nimmt, um über die Vor- und Nachteile ihres Stadtteils zu erzählen, ist die Parksituation ebenfalls ein zentrales Thema. „Die ist einfach grauenvoll“, moniert sie. Ganz besonders gelte das für die Carl-Schurz-Straße, die durch das aufgesetzte Parken, ihren desolaten Fahrbahnbelag und die kaputten Radwege eine immense Herausforderung für Radfahrer sei. „Und auch für Fußgänger, weil die Radfahrer oft auf den Gehweg ausweichen.“ Dass sie dennoch bereits seit 1988 in Schwachhausen lebt, liege vor allem an dem vielen Grün, der hervorragenden Anbindung und daran, „dass man hier im Stadtteil einfach alles bekommt“.

Wunsch nach einem Bürgerzentrum

Unterm Strich lässt es sich in Schwachhausen sehr gut leben, ist Ortsamtsleiter Ralf Möller überzeugt. Eine zusätzliche Bereicherung für den Stadtteil wäre sicherlich ein Bürgerzentrum, aber bislang fehle noch immer die zündende Idee, wo so ein Ort der Begegnung entstehen könnte. Wenn im Ortsamt Bürgerbeschwerden eingehen, fallen sie besonders häufig in den Bereich Verkehr, erzählt Möller. „Meistens geht er um den Parkdruck.“

Aktuell gebe es zudem immer wieder Unmut über gefällte und nur teilweise nachgepflanzte Straßenbäume, wie zuletzt rund um die Georg-Gröning-Straße. Waltraut Bergmann gehört zu den Anwohnern, die sich eben wegen dieses Themas zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben. „Die Abholzungen waren für uns oft nicht nachvollziehbar, außerdem sind wir der Ansicht, dass die Straßenbäume generell besser gepflegt werden müssten“, betont sie. Verbesserungspotenzial sieht sie auch in diversen Vorgärten Schwachhausens. Die teils beliebten Schottergärten seien nicht nur ökologisch, sondern auch optisch problematisch, findet sie. Das sei besonders bedauerlich angesichts der überdurchschnittlich vielen, schönen Hausfassaden im Stadtteil. Die machen Schwachhausen neben der Nähe zum Bürgerpark für Bergmann seit rund 70 Jahren zu einem attraktiven Ort, um hier gerne zu leben.  

Gute ÖPNV-Anbindung

Engeline Schulz ist im Vergleich dazu fast noch ein Neuling im Stadtteil. Vor 25 Jahren ist sie aus der Neustadt nach Schwachhausen gezogen – und das habe sie bis heute nicht bereut. „Parken ist hier allerdings eine Strafe“, findet auch sie. Inzwischen hat die Rentnerin ihr Auto abgeschafft und festgestellt, dass sie ohne hervorragend zurechtkommt. Wegen der viel gepriesenen ÖPNV-Anbindung, und weil die ewige Parkplatzsuche endlich ein Ende habe. Ein weiterer Pluspunkt des Stadtteils sei das große Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und – aufmerksame Leser ahnen es bereits – „die Nähe zum Bürgerpark“.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht