Kassenärztliche Vereinigung Bremen Stanley Kubrick lässt grüßen

Abstraktes und kraftvoll-farbiges ist derzeit in den Räumen der kassenärztlichen Vereinigung zu bewundern.
14.09.2018, 08:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Aus dem All blickt der Zuschauer auf die Erdkugel und sieht zahlreiche Raumschiffe und Satelliten, die unseren Planeten umkreisen. Dazu erklingt der Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß. „Diese Szene aus Stanley Kubricks Film ‚2001: Odyssee im Weltraum’ hat mir ein Gänsehauterlebnis beschert, daraufhin habe ich die Serie ‚Zeitfenster’ begonnen“, sagt Ewa Martens.

Raum und Zeit gehen auf ihren Bildern ineinander über, eine Ebene wechselt in die andere. Lichtes Ockergelb begrenzt ein leuchtendes Himmelsblau, das groß in das Bild hineinragt, doch mehrere solcher blauen Flächen überlagern sich. So kommt die dritte Dimension hinzu, die durch reliefartige Strukturen weiter angereichert wird – bei einer ruhigen und langsamen Augenwanderung durch das Bild erlebt der Betrachter eine Reise durch Raum und Zeit – freilich ohne bestimmbare Dinge zu sehen.

„Abstrakte Kunst hat diese Möglichkeiten, sie hat mehr Ausdruck als die gegenständliche Kunst“, sagt Ewa Martens, „man muss jedoch das Bild auf sich wirken lassen.“ Was dann geschieht, gleicht dem, was sie als Künstlerin beim Malen erlebt: „Man vergisst den Alltag, erfährt Glück, eine ganz andere Intensität des Erlebens“, sagt Ewa Martens.

In den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen zeigt die Künstlerin aus Oldenburg, die aus Warschau stammt, 66 Bilder unter dem Titel „Ebenen und Dimensionen“. Die meist großformatigen Gemälde in Acryl bringen farbiges Leuchten in die drei Etagen des Ärztehauses, nur wenige sind mit 50 mal 50 Zentimetern vergleichsweise klein und mit Aquarellfarben gemalt.

Vorliebe für Science-Fiction-Filme

„Ich verwende auch Stoffe, Tapeten, Gele, Strukturpasten, Gips, Marmormehl, Sand, Jute und Getreidekörner“, sagt Ewa Martens. Deshalb zeigen fast alle ihrer Bilder ein Relief, das nur schwach zu sehen ist, wenn man sie abfotografiert. „Jemand, der einen Kalender von mir gekauft hat und das Bild als Foto sah, war enttäuscht“, sagt Martens, „denn die Strukturen waren kaum noch sichtbar.“

Zu der Ausstellung im Ärztehaus gehört auch Martens’ neue Serie „Zeitfenster“ mit 25 Werken. „Ich war immer von Zeitreisen fasziniert, wie man sie in Science-Fiction-Filmen erleben kann“, sagt sie – Stanley Kubricks „Odysee im Weltraum“ gab den Impuls.

Die durchgängig abstrakten Bilder erinnern an Paul Klee, aber auch an Wassily Kandinsky – beide malten in ihren Spätphasen vorwiegend nicht-figurativ. Doch Klee sei ihr näher, sagt Ewa Martens, die seit ihrer Kindheit malt und seit 1988 in Polen und anderen Ländern zahlreich ausgestellt hat. Die Malerei sei ihre größte Leidenschaft, „es ist mir zur zweiten Natur geworden, meine Gefühle, Gedanken und Ideen in Bilder einfließen zu lassen“, sagt sie. Dabei geht sie nicht mit bestimmten Vorstellungen auf ein Bild zu, sondern lässt sich von dem leiten, was während des Malens geschieht. „Hinterher frage ich mich, wie ich das schaffen konnte“, sagt sie, „an dem Prozess war etwas beteiligt, was mehr ist als ich selbst.“ Die Hingabe ans Bild ist für sie zugleich ein Spiel. Zwar verwendet sie auf mehreren Bildern die gleichen geometrischen Elemente wie Kreise, Linien oder große Rechtecke, doch jedes Bild hat einen anderen farblichen Schwerpunkt und weckt damit andere Emotionen: von „Wärmetausch“ mit immer heller werdendem Rot über „Lebendigkeit“ in munterer und farbiger Spachteltechnik bis zu „Sommerzeit“, in dem fließende Farbbewegungen wolkenartige Gebilde aus glühendem Rot, sattem Gelb und leuchtendem Ultramarinblau erzeugen – man meint die Essenz eines Sommers zu sehen. Bei dem Gemälde „Im Rausch der Sinne“ steht ein frisches Lindgrün direkt neben dem gegensätzlichen Apfelrot, und durch das Azurblau eines Mittelmeerhimmels entsteht ein Dreiklang von äußerster Intensität.

Doch solche Farbkontraste wiederholen sich auf dem Bild mehrfach und gleichen sich in der Gesamtwirkung aus – so entsteht aus dem Zusammenklang der Gegensätze die harmonische Wirkung, und sie erinnert an die zauberhaften Bilder von Paul Klee. Die kindliche Begeisterung für die musikalische und zutiefst emotionale Wirkung von Farben ist auch in den Bildern von Ewa Martens zu ­spüren.„Sich weiter entwickeln, immer wieder etwas Neues ausprobieren“ ist ihr Credo, und das bietet ihr die Kunst. Es gehe ihr darum, etwas Einzigartiges zu schaffen, sich selbst durch den Malprozess zu entdecken. „Und jedem gefällt etwas Anderes“, sagt sie, „ich möchte die Vielfalt zeigen, die durch verschiedene Themen und Techniken entsteht.“ Im Ärztehaus hat man Gelegenheit, sich auf eine Art der abstrakten Malerei einzulassen, die einen mitnimmt in Ebenen und Dimensionen, die aus dem Alltag herausführen – lange Augenblicke lang.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Ebenen und Dimensionen“ ist noch bis Freitag, 7. Dezember, in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung, Schwachhauser Heerstraße 26/28, zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags, 8 bis 16 Uhr, sowie freitags, 8 bis 14 Uhr. Einen Einblick in die faszinierende Farbwelt von Ewa Martens bietet ihre Homepage mit der Internetadresse www.ewamartens.de.

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