Schwachhauserin Annette Ortlieb stellt ihren Dokumentarfilm über Sylt vor / Premiere am Sonntag Vom kargen Leben auf der Insel

Schwachhausen. Man kennt sie als Insel der Reichen und Prominenten, für Annette Ortlieb hat Sylt aber noch viele andere Seiten. Die Schwachhauser Filmemacherin hat mit "Inseltöchter" eine anspruchsvolle Dokumentation über das vergangene Leben zwischen den touristisch bedeutenden Kurorten Westerland und Kampen gedreht, die keine Klischees bedient. Nebenbei ist ihr auch ein spannendes Porträt über drei Frauen gelungen, die ihr ganzes Leben auf Sylt verbracht haben.
13.01.2011, 05:00
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Vom kargen Leben auf der Insel
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen. Man kennt sie als Insel der Reichen und Prominenten, für Annette Ortlieb hat Sylt aber noch viele andere Seiten. Die Schwachhauser Filmemacherin hat mit "Inseltöchter" eine anspruchsvolle Dokumentation über das vergangene Leben zwischen den touristisch bedeutenden Kurorten Westerland und Kampen gedreht, die keine Klischees bedient. Nebenbei ist ihr auch ein spannendes Porträt über drei Frauen gelungen, die ihr ganzes Leben auf Sylt verbracht haben.

Laura Kerwin, Marga Barake und Herta Findeisen erzählen vor der Kamera von ihren Kindheitserinnerungen auf Deutschlands beliebtester Nordseeinsel. Im Mittelpunkt stehen die Jahre 1905 bis 1930, eine Zeit, in der Sylt seinen Bewohnern nichts vom heutigen mondänen Charme zu bieten hatte.

Es geht um das karge Leben der Frauen, um das Meer und den Tod. "Das Besondere an diesen drei Frauen ist, dass sie sich sehr lebendig und mit viel Humor an ihre Kindheit erinnern", sagt Annette Ortlieb. Historische Fotos dienen als Zeugnisse längst vergangener Zeiten. Dazu sind allerlei Impressionen von der Insel zu sehen: Wind, Dünen und Einsamkeit, wohin man blickt.

Auch so manche skurrile Begebenheit kommt zur Sprache. Etwa ein gestrandeter Wal, in dessen riesigem Maul die Kinder herumlaufen konnten, oder grausige Erinnerungen an angeschwemmte tote Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Die Filmemacherin wurde auf Sylt geboren und kennt viele der Geschichten, die sich um die Insel ranken. Ab 1933 hätten viele Baumaßnahmen ihren Charakter verändert. Mit ihrer Dokumentation will sie jedoch zeigen, wie vielfältig das Eiland war und teilweise auch geblieben ist.

Schöne und ruhige Ecken

"Es gab den Norden, der ziemlich dänisch geprägt war und dessen Bewohner eher abgeschottet lebten. Dann das Seebad Westerland und teilweise ganz arme Dörfer im Osten", erzählt die 55-Jährige. Selbst heute noch seien für Kenner schöne und ruhige Ecken zu finden. Viele Veränderungen, die Versuche, um jeden Preis die Gästezahlen zu erhöhen, sieht Annette Ortlieb trotzdem kritisch. "Was mit der Insel gemacht wird, ist ganz schön hart", sagt sie. Wegen des knappen und teuren Wohnraums hätten es vor allem junge Familien schwer, auf Sylt zu leben. Kontakt zu ihren betagten Protagonistinnen - die jüngste ist 84, die älteste 103 Jahre alt - bekam sie durch die persönlichen Beziehungen ihrer Familie, die teilweise nach wie vor auf Sylt lebt. "Wir haben mit vielen Frauen gedreht, aber etliche wollten nicht in die Öffentlichkeit. Deshalb sind im Film nur drei Frauen zu sehen", sagt die Regisseurin.

Auf die Idee, ausschließlich weibliche Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, kam Annette Ortlieb nicht zufällig. "Es gibt zahlreiche Erinnerungen von Männern, aber keine von Frauen. Dabei hatten es die Frauen früher besonders schwer, weil sie häufig alleine mit dem Alltag und den Kindern zurecht kommen mussten, während die Männer auf See waren."

Annette Ortlieb pflegt weiterhin die Beziehung zu Sylt, sie lebt aber bereits seit vielen Jahren in Bremen. Die Schwachhauserin kam erst als "späte Quereinsteigerin" vor sieben Jahren hauptberuflich zum Film.

Der Film "Inseltöchter" hat am kommenden Sonntag, 16. Januar, um 11 Uhr, in der Schauburg, Vor dem Steintor 114, Premiere. Die Karten kosten fünf Euro, weil der Film in der Reihe Heimspiel läuft. Die Kartenreservierung ist unter der Telefonnummer 79 25 50 (Abholung bis eine Viertelstunde vor Beginn) möglich. Mit Laura Kerwin wird eine der Protagonistinnen anwesend sein. Wer den Film lieber auf Sylt ansehen möchte, hat dazu im März Gelegenheit.

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