Nelson-Mandela-Park Vom Schmuddel-Eck zum Treffpunkt

Ein gemeinsames Grillfest im Nelson-Mandela-Park bringt Anwohner und Obdachlose zusammen - auch ein Picknick im September soll zur Verständigung beitragen.
12.04.2019, 19:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Die Schlange der Menschen, die sich für eine Bratwurst vom Grill anstellen, ist lang und wird immer länger. „Es sind überwiegend Obdachlose und Wohnungslose, die über die Bahnhofsmission und unsere Streetworker vom Grillfest erfahren haben und sich kostenlos gegrillte Wurst mit Brötchen holen können“, sagt Anke Mirsch von der Inneren Mission. Der Verein organisiert einmal jährlich dieses Fest im Park, um vor allem Anwohner und Obdach- und Wohnungslose zusammenzubringen.

Herausragender Blickfang des Nelson-Mandela-Parks ist der große Elefant aus Backstein, der 1931/32 als Kolonialdenkmal errichtet, dann aber im Jahre 1989 in ein Antikolonial-Denk-Mal umgewidmet wurde. Das Monument soll inzwischen daran zu erinnern, dass der europäische Kolonialismus dem Erdteil Afrika tiefgreifende ökonomische und ökologische Zerstörungen beschert hat.

Jährliche Events

Wegen seiner Lage nahe am Bremer Hauptbahnhof ist der Park jedoch nicht nur eine attraktive Grünfläche mit viel Rasen, Beeten und hohen Eichen, sondern auch Problempunkt: Er wird von Drogendealern und Alkoholabhängigen zeitweise stark frequentiert, was mit einem erheblichen Müllproblem verbunden ist.

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Als der Park im Jahre 2014 neu eingeweiht wurde, entstand die Initiative „Nelson-Mandela-Park“ – ein Netzwerk aus Privatpersonen und gemeinnützigen Organisationen, die Nutzung und Gestaltung der Parkanlage aktiv voranbringen wollen. Zu ihr gehören viele Anrainer, wie zum Beispiel Andreas Sandkamp: „Der Park bietet die tolle Möglichkeit, wenige Schritte vor der eigenen Wohnung ins Grüne zu gehen und mich zu erholen“, sagt er.

Die Initiative setzt jährlich zwei regelmäßige Events auf ihr Programm: das „Angrillen im Park“ und ein Picknick, das in diesem Jahr am Sonntag, 8. September, stattfinden soll. Mitglieder der Initiative kümmern sich aber auch um die regelmäßige Pflege der Rosenbeete, die zur Hollerallee hin liegen. Außerdem wurde der Buschbestand herunter geschnitten, um das Sicherheitsgefühl im Park zu stärken.

Als die Innere Mission 2014 eine Anwohner- und Nutzerbefragung machte, zeigte sich, dass der Zugang zu Trinkwasser für viele Nutzer des Parks ein dringendes Bedürfnis ist. „Dazu gehören vor allem obdach- und wohnungslose Menschen, die sich ganzjährig im Park aufhalten“, sagt Anke Mirsch von der Inneren Mission, „aber auch Schüler des angrenzenden Hermann-Böse-Gymnasiums sowie Privatpersonen, die sich in ihrer Freizeit im Park aufhalten, Hundebesitzer oder Freimarktbesucher.“ Die Trinkwasserleitung ist inzwischen gelegt, jetzt fehlt nur noch der Wasserhahn.

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Als bereicherndes Element für den Park wurde im vergangenen Jahr nahe am Elefanten-Denkmal ein Blühstreifen angelegt. Der Initiator Volker Bohn kooperiert dabei eng mit dem BUND Bremen, der ihm eine fachmännische Beratung geboten hat, und der Park-Initiative. Er hat vor kurzem etwas nachgeholfen, den Blühstreifen schon im Frühjahr attraktiv zu machen: „Die Ansaatmischung wird sich erst im Laufe des Sommers entwickeln, ich habe deshalb aus der Gärtnerei des Martinshofs Schlüsselblumen und Scharbockskraut geholt und eingesetzt“, sagt er, der sich freut, dass der Blühstreifen bisher überhaupt nicht unter Vandalismus zu leiden hatte. Auch die drei Schilder, die auf die trittempfindliche Anlage hinweisen, wurden bisher nicht beschädigt oder entfernt.

Lebensraum für Insekten

Die Blühfläche soll ein Beitrag gegen das Insektensterben sein und vor allem Wildbienen Nist- wie auch Nahrungsbiotop bieten. „In der letzten Woche flogen bei dem warmen Wetter Hunderte von Bienen auf dem offenen Sand“, berichtet Volker Bohn. Mit seiner Lage zwischen Bürgerpark und Wallanlagen bildet der Blühstreifen einen Trittstein, der die Entfernungen zwischen attraktiven Blüten für Wildbienen verkürzt.

Denn die kleinen Insekten können keine großen Distanzen zurücklegen und brauchen räumlich nahe beieinander liegende Blütenangebote. Volker Bohn selber übernimmt die Pflege der Fläche, er hat die frisch gepflanzten Kräuter bewässert, er zupft regelmäßig Gräser und wird sie auch im Laufe des Jahres mähen, um die Artenvielfalt zu fördern.

Dabei unterstützen ihn zwei Klassen des angrenzenden Hermann-Böse-Gymnasiums, die bereits bei der Ansaat geholfen haben und sich gemeinsam mit ihm um die Fläche kümmern.

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