Freiwilliges politisches Jahr

Was die Jugend sagt

Maximilian Hartmann macht sein freiwilliges politisches Jahr im Ortsamt Schwachhausen/Vahr. Für sein Projekt will er Jugendliche in den Stadtteilen zur geplanten SWB-Fernwärmetrasse befragen.
15.01.2020, 17:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Was die Jugend sagt

Maximilian Hartmann absolviert ein freiwilliges politisches Jahr im Ortsamt.

PETRA STUBBE

Die Stichworte für seinen Fragebogen hat Maximilian Hartmann zusammen. Es soll um die geplante Fernwärmetrasse der SWB gehen. Und darum, wie die Jugendlichen aus Schwachhausen und der Vahr zu dieser Planung stehen. Hartmann ist Praktikant im Ortsamt Schwachhausen/Vahr, der 19-Jährige absolviert dort ein freiwilliges politisches Jahr (FPJ). Und wie schon seine sechs Vorgänger, soll auch er ein Projekt zur Jugendbeteiligung organisieren. Dass es dabei um Umwelt gehen soll, war Hartmann relativ früh klar. Bislang habe ihm aber der geeignete Aufhänger gefehlt. Im Zuge der Diskussion um die Fernwärmetrasse, die größtenteils durch Schwachhausen verlaufen und im Heizkraftwerk in der Vahr enden soll, habe er schließlich beschlossen, das Thema aus Jugendsicht zu beleuchten.

Ortsamtsleiterin Karin Mathes freut sich über Hartmanns Projektwahl. „Während auf der einen Seite junge Menschen weltweit für mehr Klimaschutz demonstrieren, werden auf kommunaler Ebene Weichen für die Realisierung ihrer Zielsetzung gestellt“, sagt sie. „Die Fragestellung seines Projekts erfordert einen Blick auf alle demokratischen Ebenen – von der EU bis hin zum Beirat.“ So könne Hartmann „Rechtsstaatlichkeit und Demokratie mit all seinen Verästelungen hautnah erfahren“.

Damit die Jugendlichen für die Umfrage optimal über das Thema Fernwärme informiert sind, bereitet Maximilian Hartmann zurzeit zusätzlich einen Handzettel vor, auf dem alle allgemeinen Fakten und Informationen zum SWB-Vorhaben zusammengefasst sind. Dieser Handzettel werde dann gemeinsam mit den Umfragebögen verteilt.

Die Fragen, die Hartmann vorbereitet, werden sich einerseits allgemein mit dem Thema Fernwärme und Klimaschutz befassen, und andererseits mit dem geplanten Verlauf der Trasse durch Schwachhausen und die Vahr. In diesem Punkt hatte es in der Vergangenheit einige Einwände von Bürgern, aber auch aus dem Schwachhauser Beirat gegeben, da die Fernwärmepipeline zu Beginn der Planungen unter anderem durch die Kulenkampffallee verlaufen sollte. Das allerdings hätte bedeutet, dass rund 70 Straßenbäume hätten gefällt werden müssen. Geändert wurde die Route von der SWB schließlich, weil laut Verkehrsentwicklungsplan später einmal eine Verlängerung der Straßenbahn durch die Kulenkampffallee verlaufen soll. Die aktuelle Planung sieht nun vor, dass die Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk Findorff aus über den Hochschulring, die H.-H.-Meier-Allee, den Schwachhauser Ring, die Kirchbachstraße und die Kurfürstenallee bis zum Heizwerk Vahr verläuft.

Den Antrag auf Genehmigung der Fernwärmetrasse will die SWB Anfang dieses Jahres stellen. Im Verlauf des Verfahrens werden dann die Träger öffentlicher Belange zu ihrer Meinung befragt – dazu gehören unter anderem die Beiräte. Für Maximilian Hartmann bedeutet das, die Umfrage unter den Jugendlichen möglichst zeitnah auf den Weg bringen zu müssen. Dann könne er – quasi als „Stimme der Jugend“ – den Beiräten im Vorfeld zu ihrer Stellungnahme das Ergebnis der Befragung präsentieren, erklärt er.

Wie viele Fragebögen und Handzettel Hartmann insgesamt verteilen wird, steht noch nicht abschließend fest. „Ich werde mit den Freizeiteinrichtungen und den weiterführenden Schulen in beiden Stadtteilen Kontakt aufnehmen“, sagt er. Mit den jeweiligen Ansprechpartnern werde er sich dann beraten, in welchem Umfang die Umfrage vor Ort stattfinden kann. Außerdem werde er sich an die Akteure von Fridays for Future wenden, um auch über diesen Kanal Jugendliche anzusprechen.

Bei den Beiratssprechern in Schwachhausen und der Vahr stößt das Projekt von Hartmann gleichermaßen auf Interesse. Das Thema Fernwärmetrasse sei sehr komplex und werde den Beirat entsprechend intensiv beschäftigen, sagt die Schwachhauser Sprecherin Gudrun Eickelberg (Grüne). Sie begrüße daher, dass sich auch der FPJler mit dem Thema befasse. „Zum einen ist es gut geeignet, Vor- und Nachteile einer Maßnahme aufzuzeigen, die auch die Menschen im Stadtteil polarisiert“, sagt sie. „Zum anderen kann an dem Bau der Fernwärmetrasse in all ihren Planungsstufen und unter Beteiligung der verschiedenen Träger öffentlicher Belange gut nachvollzogen werden, wie politische Entscheidungen zustande kommen.“ Es könne zudem nützlich für den Beirat sein, wenn die begleitende Arbeit des FPJlers die interessierten Bürger auf dem Laufenden halte, sagt ­Eickelberg.

Auch der Vahrer Beiratssprecher Bernd Siegel (SPD) begrüßt Hartmanns Projekt, da Jugendliche bislang nicht ausdrücklich über diese Fernwärmetrasse informiert und dazu befragt worden seien. „Ich erwarte spannende Ergebnisse, inwieweit Jugendliche aus Schwachhausen und der Vahr zum Erreichen von Klimaschutzzielen auch Beeinträchtigungen wie Baulärm, Verkehrsbelastungen und das Fällen von Bäumen akzeptieren“, erklärt Siegel.

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