Schwachhausen Wie die Band "Die Toten Hosen" zu Gott führt

Schwachhausen. In der St.-Remberti-Gemeinde ist die Veranstaltungsreihe "Religionsphilosophischer Salon" eröffnet worden. Zum Auftakt befasste sich Theologieprofessor Wilhelm Gräb mit der Band "Die Toten Hosen".
05.05.2013, 05:00
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Von Arne Bode

Schwachhausen. In der St.-Remberti-Gemeinde ist kürzlich die Veranstaltungsreihe "Religionsphilosophischer Salon" eröffnet worden. Pastorin Isabel Klaus hatte dazu den liberalen Theologieprofessor Wilhelm Gräb als Gastredner eingeladen. In seinem Vortrag befasste sich der Theologe mit Jesus, dem Osterfest und der Rockband "Die Toten Hosen".

Das Gemeindehaus der St.-Remberti-Gemeinde ist voll besetzt, einige Gäste holen sogar noch Stühle aus dem Keller, um den Vortrag des Berliner Theologieprofessors Wilhelm Gräb miterleben zu können. Zur Einstimmung spielt Dorothea Steinmetz auf der Querflöte Stücke von Telemann und Bach. Die Musik aus der Barockzeit und der Romantik klingt mal gefühlvoll ruhig, mal lebhaft frisch.

Isabel Klaus begrüßt den Gastredner Wilhelm Gräb besonders herzlich. Die Remberti-Pastorin hatte den Professor für Theologie bereits während ihres Studiums in Berlin kennengelernt. Bei ihm hatte sie auch ihre erste Predigt gehalten.

Wilhelm Gräb spricht an diesem Abend über die liberale Theologie des modernen Lebens. Zum Auftakt für den Religionsphilosophischen Salon der St.-Remberti-Gemeinde ist das Thema passend gewählt. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist die liberale Theologie in der St.-Remberti-Gemeinde beheimatet. Liberale Theologie hat eine stark ausgeprägte humanistische und geisteswissenschaftliche Ausrichtung, dabei wird weniger Wert auf kirchliche Traditionen und Dogmen gelegt. Gräb versteht liberale Theologie als Glaubensform, in der jeder selbst entscheidet, wie er seinen Glauben ausdrücken möchte. Die liberale Theologie unterstützt die Menschen dabei, die Bibel für sich selbst zu interpretieren.

Gräb führt aus, dass die liberale Theologie keinen Glaubens- und Bekenntniszwang ausüben wolle. Der Glaube sei eine innere Angelegenheit des einzelnen Menschen. Darüber hinaus wird eine Frömmigkeit gefördert, die die Nähe zur Kirche und Gemeinde sucht. Doch gleichzeitig wird auch die religiöse Eigenständigkeit unterstützt. Die Kirche wird zum Ort, wo Menschen sich über diesen Glauben austauschen können.

Im Anschluss spricht er davon, was es heißt, an Gott zu glauben. Gott sollte man sich danach nicht als Kreatur in Raum und Zeit vorstellen. "Als Gegenstand in der Welt müsste er dann zum Gegenstand unseres Wissens werden", sagt Gräb. Dadurch aber könnte behauptet werden, dass Gott nicht existiert, weil er als Gegenstand in der Welt bislang nicht aufgefunden werden konnte. Eine wissenschaftliche Auffassung werde der Gottesvorstellung gerecht. Gräb: "Gott kann nicht gewusst werden, er muss geglaubt werden."

Der Gastreferent vermittelt auch einen Einblick, wie liberale Theologen über das Osterfest denken. In der christlichen Tradition werde es als Ereignis der Auferstehung Jesu begangen. Die liberale Theologie besage, dass die Auferstehung ein nicht zu beobachtendes Ereignis war. Die Jünger konnten demnach nicht das leere Grab vorfinden, in das Jesus zuvor gelegt worden war. Auch wenn die Auferstehung wie in der Bibel stattgefunden habe, wissenschaftlich könne dies nicht bewiesen werden, so der Theologe. Wichtiger sei es, an die Auferstehung zu glauben. Dadurch werde den Menschen die Hoffnung gegeben, vielleicht eines Tages selbst wiederaufzuerstehen.

Zum Abschluss wendet er sich der modernen Popmusik zu – wie diese manchmal religiöse Gefühle wecken kann. Damit aber meint Gräb nicht nur Kirchenlieder, sondern er nennt auch "Die Toten Hosen" als Beispiel. Die Songs der Düsseldorfer Rockband sind von einem dominanten Lebensgefühl geprägt. Durch die Videoclips wird meist der Eindruck von "Weltverlorenheit" und Abwesenheit Gottes vermittelt. Der Theologe deutet die Songs so, dass das Göttliche den Menschen keine Antworten auf die großen Fragen der Existenz und des Glaubens gibt. Die fehlenden religiösen Antworten wecken nach Gräb jedoch das Bedürfnis nach Gott. Nachdem sie die Songs der "Toten Hosen" gehört hätten, stellten sich die Menschen vermehrt Fragen nach dem Sinn des Lebens, der eigenen Existenz und Gott. Moderne Popmusik trage damit seinen Teil dazu bei, dass Fragen, die sich mit dem Glauben auseinandersetzen, auch heute noch gestellt werden.

Nach Abschluss des Vortrages wird in lockerer Runde bis in den späten Abend hinein diskutiert. Christiane Rieve, langjähriges Mitglied der St.-Remberti-Gemeinde, hat der Vortrag von Wilhelm Gräb sehr gefallen. Sie fasst den Vortrag kurz so zusammen. "Seine Botschaft ist sehr entlastend. Die Bibel ist eine Deutung von dem, was ich im Herzen trage."

Beim nächsten Religionsphilosophischen Salon am 24. Mai, 19.30 Uhr, ist im Gemeindesaal, Friedhofstraße 10, Arie Hartog, der Direktor des Gerhard-Marks-Hauses, zu Gast. Er wird sich mit dem Thema "Denkinseln – der Beginn philosophischen Denkens" auseinandersetzen.

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