Unterschiedliche Konzepte

Grundschulen im Bremer Nordosten berichten, wie sie den Schulalltag meistern

Die Grundschulen im Bremer Nordosten sind im Corona-Modus. Sie berichten, wie sie derzeit den Schulalltag meistern. Wie es nach den Ferien weitergeht, entscheidet sich kurzfristig.
13.07.2020, 05:00
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Von Maren Brandstätter
Grundschulen im Bremer Nordosten berichten, wie sie den Schulalltag meistern

Schulleiter Lars Beulke von der Grundschule am Baumschulenweg zeigt auf die Markierungen, die Abstand und Laufrichtungen regeln.

Petra Stubbe

Bis zu den Sommerferien herrscht an den Bremer Grundschulen eingeschränkter Regelbetrieb mit vier Unterrichtsstunden an vier Tagen. Wie sich der neue Modus in der Praxis darstellt, berichten drei Schulleiter aus dem Bremer Nordosten.

Zwölf Aufstellflächen gibt es auf dem Pausenhof der Grundschule Oberneuland – eine für jede Klasse. Bevor der Unterricht beginnt, versammeln sich hier alle Klassen getrennt voneinander, um dann mit ihren Klassenlehrern oder -lehrerinnen nacheinander das Schulgebäude zu betreten. „Wir haben das Glück, drei separate Eingänge zu haben“, sagt Konrektor Simon Lam. Das beschleunige die Prozedur erheblich. Zudem seien Schüler wie Eltern sehr diszipliniert und erleichterten dem Lehrerkollegium somit den Schulalltag.

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Zwar ist das Abstandsgebot an Bremens Grundschulen aufgehoben, allerdings gilt dies nur innerhalb der Klassenverbände. Um ein Aufeinandertreffen der einzelnen Klassen auf dem Pausenhof zu vermeiden, hat das Oberneulander Kollegium das Außengelände in drei Bereiche unterteilt und entsprechend kenntlich gemacht. So können nacheinander jeweils drei Klassen parallel Pause machen, erklärt Lam. Personell fordere das derzeitige Konzept dem Kollegium zwar mehr ab als vor der Corona-Krise, da aber alle hochmotiviert und mit vollem Einsatz dabei seien, funktioniere der Schulalltag bislang reibungslos.

Welches Konzept im kommenden Schuljahr greife, sei aktuell noch völlig unklar, sagt Lam. Das hänge davon ab, wie sich die Lage bis dahin entwickele. „Das Kollegium trifft sich am Ende der Sommerferien, um dann im Rahmen der behördlichen Auflagen zu planen, wie es im nächsten Schuljahr weitergehen soll.“

Keinen Kontakt mit Schülern aus anderen Klassen

An der Grundschule am Baumschulenweg gehen die Kinder montags bis donnerstags in Etappen zur Schule. Alle 15 Minuten ist Unterrichtsbeginn für eine Klasse oder auch für mehrere – aber nur, wenn sie räumlich weit genug voneinander entfernt liegen. „Außerhalb der Klasse ist alles strikt getrennt“, berichtet Schulleiter Lars Beulke. Ebenso wie in Oberneuland sei der Pausenhof in verschiedene Bereiche unterteilt, und auch die Pausenzeiten seien unterschiedlich. „Die Kinder einer Klasse machen gemeinsam Pause, haben aber keinen Kontakt mit Schülern aus anderen Klassen“, sagt er. Nach dem Unterricht blieben acht Betreuungsgruppen mit insgesamt 130 Kindern in der Schule. Innerhalb der Gruppen sei Kontakt ebenso wie in den Klassenverbänden erlaubt.

„Außerdem finden an drei Tagen zusätzlich am Nachmittag und am Freitagvormittag Förderungen in Kleingruppen statt“, erklärt er. Da ein Teil der Lehrer am Baumschulenweg zur Risikogruppe gehöre, könne das engagierte Kollegium das aktuelle Arbeitspensum nur mit Hilfe von Vertretungskräften stemmen. Insgesamt klappe es zurzeit ganz gut, „aber die genaue Einhaltung ist nicht hundertprozentig zu überprüfen“. Bemerkenswert gut funktioniere der Arbeitsablauf der Reinigungskräfte, hebt Beulke hervor. „Sie kommen verteilt über den ganzen Tag und können die Reinigung gut gewährleisten.“

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Nach den Ferien wird es am Baumschulenweg erst einmal ähnlich weiterlaufen wie bisher, vermutet Beulke. Das hänge am Ende aber natürlich von der aktuellen Corona-Situation ab. Sicher sei indes, dass in der Schule ab 16. Juli kein Betrieb mehr sei. „Ferienunterricht haben wir leider nicht bekommen“, sagt der Schulleiter.

An der Marie-Curie-Schule unterrichten die Lehrer nicht an vier, sondern an fünf Tagen in der Woche – aber nie alle Schüler. Die Klassenverbände haben ihren freien Tag nicht gleichzeitig, sondern versetzt, berichtet Schulleiterin Andrea Barthe. Pro Tag setzten in der Regel zwei Klassen aus. Die Schülerinnen und Schüler bekämen ihre Aufgaben an diesen Tagen mit nach Hause. Allerdings biete die Schule eine Notfallbetreuung an, die von etwa einem Viertel der Kinder in Anspruch genommen werde. Personell sei die aktuelle Situation mitunter eine ziemliche Herausforderung. Die Kollegen seien dennoch sehr motiviert, erzählt die Schulleiterin. „Im Moment geben sie wirklich alles, um bis zu den Ferien noch möglichst viele Inhalte zu vermitteln.

Begegnungen vermeiden

Ansonsten gilt an der Marie-Curie-Schule wie an allen anderen auch: Begegnungen vermeiden. Mitunter eine schwierige Angelegenheit, findet Barthe. In zweierlei Hinsicht. Zum einen sei die Überprüfung nicht immer einfach, zum anderen sei die Enttäuschung der Kinder oft sehr groß, da die Hauptmotivation für den Schulbesuch in ihrem Alter noch sei, Freunde zu treffen, miteinander zu spielen und zu toben.

Den Schulhof hat das Lehrerkollegium nicht in unterschiedliche Bereiche geteilt. Immer nur zwei Klassen hätten gemeinsam Pause, das lasse sich noch recht gut überblicken, sagt Barthe. Außerdem werde mit den Kindern immer wieder darüber gesprochen, wie wichtig es sei, Abstand zu halten.

Für das kommende Schuljahr hofft Barthe, dass wieder Normalität in den Schulalltag einkehrt. Falls nicht, habe sie mit dem aktuellen Konzept immerhin schon den Plan B in der Schublade, sagt sie. Eins zu eins anwendbar sei der nach den Ferien allerdings nicht mehr. „Da bekommen wir noch einen weiteren Klassenzug dazu – dann muss noch mal neu geplant werden.“

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