Baustellenzufahrt statt Fußgängerweg

Anwohner sind verwundert

Um den Wohnpark Schwachhausen bauen zu können, plant der Investor die Baustellenzufahr über die Scharnhorststraße. Die Anwohner sind irritiert, der Beirat hat bislang keine Kenntnis davon.
29.06.2020, 05:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter
Anwohner sind verwundert

Hier sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren die Baufahrzeuge durchfahren.

PETRA STUBBE

Das Bauprojekt Wohnpark Schwachhausen an der Schwachhauser Heerstraße beschäftigt den Beirat abermals. Nach den langwierigen Verhandlungen zwischen dem Investor HPI und einer Baugemeinschaft zum Verkauf einer dafür vertraglich vorgesehenen Fläche geht es jetzt um die Wegverbindung zwischen der Scharnhorststraße und dem künftigen Wohnpark. Die soll offenbar nicht wie im B-Plan vorgesehen als Rad- und Fußgängerweg angelegt werden, sondern für die kommenden zwei bis drei Jahre zunächst als Zufahrt für Autos und Baustellenfahrzeuge genutzt werden.

Lothar Probst, Anwohner der Scharnhorststraße, hat den Verkehrsausschuss des Beirats auf dessen jüngster Sitzung über diese neue Planung informiert. Er selbst sei vom Investor über das Vorhaben unterrichtet worden. Im Ausschuss zeigte man sich überrascht. Zum einen wegen der Abweichung von der ursprünglichen Planung und zum anderen, weil der Beirat bislang keine Kenntnis davon hatte. Die Fraktionen verständigten sich deshalb darauf, das Thema am 2. Juli in der nicht öffentlichen Sitzung des Bauausschusses zu erörtern.

Insgesamt 43 Anwohner der Scharnhorststraße haben sich inzwischen mit einem ausführlichen Schreiben an Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) gewandt. Vom Investor des Wohnparks über die geänderte Planung informiert zu werden, habe die Anwohner sehr befremdet, heißt es darin. Zumal HPI den Eindruck erweckt habe, dass die Entscheidung längst gefallen sei, und das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ebenso wie das zuständige Ressort ihre Zustimmung bereits erteilt hätten. Stutzig habe die Anwohner außerdem gemacht, dass weder der Beirat noch das Ortsamt Schwachhausen von dieser Planung wüssten.

Aus dem Bau- und Verkehrsressort heißt es auf Nachfrage des Stadtteil-Kurier, das Schreiben der Anwohner befinde sich derzeit in der Prüfung. Seitens des ASV wird indes bestätigt, eine private, temporäre Baustellenüberfahrt für den Erschließungsträger genehmigt zu haben, „um Baufahrzeugen ein Erreichen des Baugrundstücks zu ermöglichen“. Es handele sich hierbei um keine öffentlich zu nutzende Autostraße, betont Holger Horstmann, Leiter der Abteilung für Straßenerhaltung. Dass auch Anwohner mit ihren Fahrzeugen die Zufahrt nutzen, sei in Ermangelung an Alternativen allerdings ebenfalls möglich, sagt er. Gleiches gelte für Baustellenlieferanten. Der im B-Plan verankerte Fahrrad- und Fußweg werde aber im Anschluss „realisiert und beibehalten“.

Die Anwohner der Scharnhorststraße nennen die geplante Zufahrt in ihrem Schreiben an die Behörde „wirklichkeitsfremd und nicht verkehrsgerecht“. Laut Auskunft von HPI sei geplant, dass unter anderem Möbeltransporter sowie Lieferfahrzeuge aller Art die Zufahrt nutzen werden. Um dies zu ermöglichen, soll der Verkehr eigens über eine Ampelanlage gesteuert werden, habe der Investor angekündigt, da die Durchfahrt an der schmalsten Stelle nur 3,85 Meter breit sei. Die Einmündung in die Scharnhorststraße ist aus Sicht der Anwohner zudem extrem unübersichtlich, da sowohl die angrenzende Tennishalle als auch das benachbarte Haus fast bis an den Bürgersteig reichten. Der sei seinerseits stark frequentiert, was unweigerlich zu entsprechenden Sicherheitsrisiken und auch zu Rückstaus führen würde. Das Vorhaben sei somit verkehrstechnisch gesehen „eine absolute Fehlplanung“, so die Kritik der Anwohner. Außerdem seien umweltpolitische Aspekte ein zusätzlicher Faktor, der die gesamte Planung mehr als fragwürdig mache – ausgelöst durch die mit laufendem Motor an den Ein- und Ausfahrtsampeln wartenden Fahrzeuge.

Von einer geplanten Ampelschaltung ist beim ASV bislang allerdings gar nichts bekannt, teilt Horstmann mit. Auf seinem Gelände könne der Erschließungsträger freilich jederzeit eine Ampel aufstellen, sagt er. Ein Pendant an der Scharnhorststraße sei hingegen genehmigungspflichtig, bislang aber nicht beantragt. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko sieht der ASV-Mitarbeiter anders als die Anwohner an der Straßeneinmündung nicht gegeben. Die Fahrer der Baufahrzeuge seien beim Passieren des Bürgersteigs selbstverständlich angehalten, sich entsprechend umsichtig und vorsichtig zu verhalten, sagt Horstmann. Eine Anfrage des Stadtteil-­Kurier beim Investor HPI zu den aktuellen Planungen blieb unbeantwortet.

In ihrem Schreiben ans Bau- und Verkehrsressort erinnern die Anwohner der Scharnhorststraße auch daran, dass seinerzeit im Zuge der Anwohnerversammlung seitens HPI immer die Rede davon gewesen sei, dass sämtliche Erschließungsmaßnahmen für den Wohnpark von der Schwachhauser Heerstraße aus erfolgen sollen. Warum deshalb nicht von Anfang an eine provisorische Erschließungsstraße von der Schwachhauser Heerstraße bis zum Wendehammer des ersten Wohnblocks errichtet worden sei, sei ihnen schleierhaft. Auch jetzt wäre es nach Auskunft einer Bauingenieurin noch ohne weiteres möglich, eine solche provisorische Erschließungsstraße zu bauen. Die Erwartung ans Ressort sei daher, der geplanten Baustellenüberfahrt an der Scharnhorststraße „eine klare Absage zu erteilen“.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+