Restaurantbesprechung Zu viel des Süßen im Restaurant Bestial

Alles in allem bietet das Bestial eine gute, teils kreative Küche, die dem Gast allerdings mehr Varianten als stets die süße, fruchtige Richtung präsentieren sollte.
27.12.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Zu viel des Süßen im Restaurant Bestial
Von Marcel Auermann

Obwohl wir reserviert hatten, starrte die Dame am Empfang etwas zu lange ins Gästebuch. Das signalisierte uns, dass entweder der Anruf untergegangen oder unser Tisch aus Versehen anderweitig vergeben worden war. Die Aussage „Mal schauen, wo ich Sie platziere“ unterstützte den Eindruck. Letztlich begleitete uns die Kellnerin an einen Tisch an der Fensterfront in der Nähe des Eingangs. Das fanden wir schade, weil wir uns abgehängt von den anderen im Innen- und Hauptbereich fühlten.

Sicher war es etwas ruhiger, aber leider schaute das Servicepersonal weniger oft vorbei. Und wenn man essen geht, möchte man gerne ein bisschen die Gäste beobachten, auf die Teller der anderen schauen. Einfach nicht aufs Abstellgleis geschoben werden. Mal ganz davon abgesehen, ist das Bestial richtig schick und mit vielen Designelementen ganz schnuckelig eingerichtet: schwarze Holztische, kleine Lämpchen, Ledersessel. Die edle Anmutung führt das Restaurant beim Porzellan mit seinen verschiedenen Formen, einem Besteck, das gut aussieht und gut in der Hand liegt, und passenden, wuchtigen Weingläsern fort.

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Der Abend startete mit einem überraschend fluffig gebackenen Brot und einer ebenso überraschenden, weil so sahnigen Kräutercreme. Hier handelte es sich übrigens nicht um genau abgezählte zwei Scheibchen pro Person. Das erleben wir oft genug. Nein, es stand ein gut gefüllter Korb mit zehn Scheiben vor uns. Respekt! Generell kommt der Gast im Bestial nicht zu kurz. Die Preise mögen für manchen gehoben sein, aber die Leistung stimmt.

Das zeigte sich auch bei meiner Vorspeise. Ich bestellte die kleinen Leckereien (13,90 Euro). Ein viereckig, üppig gefüllter Teller mit Grillgemüse, einem lockeren Couscous mit Granatapfel, einem frischen Lachs-, Tunfisch- und Rote-Bete-Tatar, gerösteten Rote-Bete-Chips und einem Glas einer süßlichen Kartoffelcremesuppe. Meine Begleitung entschied sich für das Suppen-Duo (8,90 Euro): ebenfalls die süßliche Kartoffelcremesuppe und ein fruchtiges Currysüppchen.

Schon nach den Vorspeisen kam die Handschrift des Kochs zum Vorschein: Er mag es süßlich und fruchtig. Ein Eindruck, der sich beim Hauptgericht bestätigte. Meine Begleitung aß ein Rinderfilet (29,90 Euro), das überragend zart und auf den Punkt gebraten war. Dazu lagen auf dem Teller eine äußerst geschmeidige Pastinaken-Pistaziencreme, glasierte Möhren und ein wenig Madeirajus.

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Das zog sich auch durch mein Gericht. Ich hatte ein nur kurz in die Pfanne getauchtes Thunfischfilet (27,80 Euro) im schwarz-weißen Sesammantel, das tadellos gelang. Ein Proseccoschaum brachte eine leicht herzhafte Note ins Gericht, die allerdings schnell wieder neutralisiert wurde. Das Wasabi-Kartoffelpüree, das ich eher pikant erwartete, besaß eine deutliche Süße. In der Speisenfolge und der Massierung dieser stets fruchtigen Richtung war es mir spätestens jetzt zu viel. Das war mir trotz der einzelnen, sehr gut zubereiteten Zutaten etwas zu unausgewogen. Ein Restaurantbesuch sollte mehr Geschmacksrichtungen bieten.

Möglicherweise störte auch deshalb der Wein. Das Cuvée (0,2 Liter für 7,80 Euro) aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Portugieser des Weinguts Markus Schneider aus der Pfalz besaß eine Kraft und eine schöne Opulenz, die nach dem Gleichen auf dem Teller gierte. Es handelte sich also um alles andere als um einen süßen Dessertwein, der all die Süße in den Gerichten gut unterstützt hätte.

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Der Nachtisch sprach, natürlich, wieder die süßen Geschmacksknospen an. Die Auswahl fiel allerdings nicht aufgrund der Riesenauswahl schwer, sondern weil es nur vier Posten auf der Karte gab - und alle muteten so normal an. Dinge, die der Gast fast überall wiederfindet: Schokomousse, Panna Cotta, Haselnusseis. Das Ausgefallenste war die lockere Mascarponecreme (8,40 Euro) mit Himbeerragout und einem kaum wahrnehmbaren Raffaelocrumble, für die sich meine Begleitung entschied. Leider. Denn so blieb für mich die Schokomousse (8,90 Euro) übrig, die deutlich zu fest im Glas klebte und eben nicht luftig daherkam, wie es die Karte versprach. Die Kugel eines sahnigen Kokoseis versöhnte mich ein wenig.

Fazit: Das Bestial bietet eine gute, teils kreative Küche, die dem Gast allerdings mehr Varianten als stets die süße, fruchtige Richtung präsentieren sollte.

Restaurant Bestial, Schwachhauser Heerstraße 280, 28359 Bremen, Telefon: 0421 32285750, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag ab 11.30 Uhr, Sonnabend ab 17 Uhr, teilweise barrierefrei, www.bestial.de

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